bittemito

Nicht jede Möwe ist ein Jonathan

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Touri: Sag, Jonathan, wie ist’s überm Meer?

Möwe: Endlos weit und endlos schön!

T: Mehr, Jonathan, erzähl mir mehr!

M: Nein, nie würdest’s du verstehn.

T: Verstehen nicht, doch lausch ich gerne.

M: Blöder Touri, ganz ohne Futter!

T: Berichte mir über Weite und Ferne!

M: Stop, ich nehm den nächsten Kutter.

T: Halt, Jonathan, wo willst du hin?

M: Wech hier, bin doch kein Untertan!

T: Da fliegt er fort, ganz ohne Sinn..

M:PS: ICH HEISS‘ NICHT JONATHAN!
(25.06.04)

jedem sein eigenes los


ahnungslos läßt man sich gleiten durch der worte weite flur,

deckungslos, ganz ohne zweifel, folgenlos so meint man, nur

nahtlos fügen sich die bilder, arglos vertraut man ihrer spur,

hemmungslos der tanz und immer wilder, gnadenlos zeigt er sich pur

friedlos treibt man und ruhelos wird zum gefährten

rastlos sucht man die sinne und den sinn

sinnlos erscheinen alle fährten

endlos zieht sich die spur dahin

(08.07.04)

Kein Rezept, aber…

Kartoffelbreiliebe

Dünne Kartoffelschalen folgen kringelnd ihrem messerscharfen Pfad. Ein Stückchen rauchduftenden Speck, keinesfalls mager. Würzige Zwiebeltränen, bestens dosiert. Unschuldsfarbene Milch glaubt an die heißen Schwüre des Feuers. Klappernde Topfdeckel vollenden die Melodey des Rituals und die Wonne des Servierens birgt einen Liebesschwur. Kartoffelbreiliebe.

(15.09.04)

Februar bis Oktober

Damals, an jenem Abend, als der Atem erfror und Kristalle unter den Sohlen zerknirschten, weckten die Heimkehrer die sehnsuchtsreiche Hoffnung unter grauverhangenem Himmel.

Verabschiedet haben sich die Wildgänse morgens vor blaustrahlender Kulisse, getragen von warmen Sonnenstrahlen, doch mit klagendem Versprechen, hin gen Süden.

(05.10.04)

Mitternachtsblues

Wie Gischt umhüllte uns der feine Regen in der jüngsten Stunde des Jahres. Zwischen kahlen Baumgerippen schluckten Nebelschwaden jedwedes Gefunkel und Gelärm des menschlichen Begrüßungsrituals. Und warme, meerschmeckende Tropfen mischten sich mit der klagenden Trauer der dräuenden Wolken. Melancholie um Mitternacht.

(03.01.05)