Seensüchtig

von kaetheknobloch

Zum Meere hin ziehts mich immer. Doch gestern hat mich eine binnenwässrige Blüte an meine einstige Seensucht erinnert.

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Das kleine Gewässer fernab jeder Straße, nur erreichbar über sonnenglühende Felder, versteckt im Tälchen. Schwabenländische Oase. Allein konnte ich sein. Allein und barkleidig. Zum dunklen stillen Wasser führte ein Trampelpfad, den sich die Uferbüsche immer wieder zurück eroberten. Dann der unterseeische Wald aus Wasserpflanzen, den ich vorsichtig durchschritt, im schlammigen Grund Halt suchend. Erfrischendes Nass und diese Blüten.

Manchmal, wenn sich das Tagwerk bis zur Dämmerung hinzog und ich erst dunkelstundig diese Seensucht erfüllen konnte, ruhten die Seerosen schon und ich streichelte nur vorsichtig ihre schützenden Blätter. Das flaue Gefühl der Einsamkeit übergab ich dann einfach dem Spiegelmondbruder, der in schwärzestem Gewässer auf mich zu warten schien.

(16.03.06)

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