Nur ’ne Viertelschnitte…

von kaetheknobloch

Teil des morgendlichen Rituals ist die Pausenbrotbereitung für das lange Tagwerk. Stullenschmiererei. Fein Gemüse dazu. So frönte ich dem auch heute morgenstundig und just als ich eine Doppelscheibe in vier Teile schnitt, fiel ich meinem eigenen Kinderstimmchen anheim: “ Aber für mich nur ’ne Viertelschnitte, Papi!“ Ich hielt inne in meinem Tun und schluckte kurz. Immer noch. Nach all den Jahren. Herrjeh, was war ich jungjahrig ein schlechter Esser. Papi hatte seine liebe Not, mich großzufüttern. Er lockte mit Zuckerei und Vanillequark. Vanille, rares Gut damals. Ich bekam immer ein Extraschälchen, auffallend viele Schwarzleckerpunkte darin. Die Geschwister gönnten es mir. Der Herr Doktor hatte wohl mit Aufpäppelungskur gedroht. Oh, die Eierplinsen fallen mir noch ein. Und die Quarkkeulchen und der weltbeste Pudding…

Es ist nicht mehr die eigene Küche, in der ich gedankenversunken stehe. Im Herd bullert ein Feuer und darauf steht der braune Topf, der immer der Puddingkocherei vorbehalten war. Von Mamas Schürze zweifach umschlungen, balanciere  ich kippelnd auf dem Küchenstuhl, die Augen nicht von dem Leckerschmeckertopfe lassend. Bedächtig rührt Papi den Pudding ein und ein Duft wie ein Versprechen zieht in die Kindernase ein. Zeitchen später gilt es, den Glücklichmachpamps in Schüsselchen umzufüllen, wichtig die immer gleiche Menge. Und die Tatsache, daß dieses Tun eine hohe Menge an Ausschleckrest im Topfe bedingt, ach, es läßt sich ja nicht ändern. Und leise lächelnd gibt mir Papi den Famostopf in die Hände…

Mit einem Seufzen und Lächeln, wohl ähnlich dem des Vaters, hebe ich den Blick vom Schneidebrett und schaue auf die Lieberinnerungswand in der Küche im Haus am Ende des Weges. Und sehe in meine eigenen glücklichen Kinderaugen. So als hätte ich eben einen Topf ausgeschleckt.

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