Gothicrockendespilchercornwallinlippe III

von kaetheknobloch

Und jetzt hielt ich auf einmal wieder diesen Umschlag in der Hand. Alle anderen Briefe von ihm mußte ich schon vor Jahren vernichtet haben, vielleicht mal im Zorne zerfetzt oder sie fielen einem der vielen Umzüge zum Opfer. Rutschten möglicherweise hinter die Ritzen eines der unzähligen Autos, in denen ich mitfuhr. Ich entsann mich nicht mehr, wo und wie sie mir verlustig gingen. Aber der hier, dieser eine, er raschelte auffordernd in meiner Hand. Knisterte mir Neugier in den Bauch. Ich nahm das Telefonbuch in die Hand und schaute nach dem Eintrag, der auf dem briefenen Absender stand. Mein Herz machte einen klitzekleinen Hüpfer, als ich den Namen der Rockermutter immer noch an gleicher Stelle fand. Und ohne einen Wimpernschlag zu zögern griff ich nach dem Telephon und  wählte die eingetragene Nummer. Die ältere Dame gab anfangs nur zögerlich Auskunft, sie konnte sich nicht an mich erinnern. Wie auch bei der Heimlichtuerei, die der Rocker und die Gruftige an den Tag, beziehungsweise an die Nacht gelegt hatten. Ich vernahm Worte wie schwere Zeiten, schlimmer Unfall, arbeitslos, endlich glücklich, verheiratet, jetzt im Westen, doch wieder todunglücklich. Ich horchte auf. Fragte nach. Neinneinnein, da wolle sie keine nähere Auskunft geben. Was mich das anginge und was ich bezwecke mit meiner Fragerei. Was ich bezwecke? Nichts, mein Tun hatte keine Absicht. Ich tat einfach. Und mit meiner eselsstörrischen Stoik hatte ich am Ende des Telephonats eine Nummer mit lippischer Vorwahl.

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