So schnell die Füße tragen

von kaetheknobloch

Wahrscheinlich hat mich selbst das Schreiben darob mehr erschreckt und einen meiner Nachtmahre erst auf Kladdenpapier und dann tastaturig gebannt, doch muß ich warnen: Obacht! Etwas rauhere Lesekost, fernab von knobloch’schem Geplänkel. Der Titel ist eine Verneigung vor’m Herrn Bauer, dessen Buch für meine Familie eine besondere Bedeutung hatte. Sowohl der Großvater, als auch der Onkel wurden in Sibirien gebrochen. Vielleicht zu Recht, ich konnte sie nicht mehr befragen. Allein, die Unmenschlichkeit ihrer Gefangenschaft, ach…

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Bis heute höre ich manchmal noch das Getöse, so wie damals, da unten am Bache unter der Brücke, wo ich so oft spielte. Wasserräder bauend im Murmelseichtgewässer, wie es mir der Hutzelopa beigebracht. Das Gelärme und Gekrache erschreckte mich schon, weil es so gar nicht in die dörfliche Idylle passte. Doch noch fürchterlicher war das darauffolgende, schier unmenschliche Gestöhne, das über Flur und Feld in meine Ohren drang. Ich raste los, hin zum elterlichen Gehöfte, von wo die Unlaute kamen. Hinter der Tabakscheune, unter dem Nußbaumriesen kam ich dem Stöhnen erschrocken und furchtsam nah. Vati, hörte ich mich flüstern…was ist mit dir? Mit zerschundenem, blutendem Gesicht; eine Hälfte war wie weggeraspelt, ein Bein seltsam verdreht, halb seitwärts lag er da mit diesem Ast, der aus seiner Brust zu ragen schien. Schien? Zu langsam tröpfelte in mein Unschuldskindskopf die Erkenntnis, daß er aus ihm wuchs. Raschelnd hob und senkte sich das Geäst mit des Vaters mühsamen Rasselatemzügen. Papi, Papi, was soll ich tun? Lauf, Kind, lauf. Hol‘ Hilfe. Lauf. Und ich lief. Durch aufgebrachtes Federvieh, quer über die Koppel, wo der überraschte Bulle mir nur hinterherstarrte, statt schnaubend mich Eindringling zu vertreiben. Ich lieflieflief. Die Angst, zu langsam zu sein, verschaffte mir Flinkfüßigkeit. Ich lieflieflief hin zum Bauerngehöft, welches schon einen Telephonapparat sein Eigen nannte, was ich beim Erwachsenengesprächbelauschen vernommen hatte…

Zeitchen später, gleich beim ersten Besuch am Krankenhausbette, erfolgte die strikte Anweisung des Herrn Papa: Telephonapparate in’s Haus.  Stücker zwei. Eines davon unten in die Diele, neben der Futterküche. Sakra, wenn er bedenke, daß das Jüngstkind die Bullenkoppel querte! Ward doch striktes Verbot ausgesprochen worden. Und der unselige Nußbaum! Wird gefällt! Keiner soll da mehr hinaufklettern. Und noch Zeitchen später erhielt ich ein rauhrasseligerschöpftes Überdenkopfgezausel. Danke Kind, das war wahrlich knapp.

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