Rotweinzigarettenküsse

von kaetheknobloch

Sie fehlen mir am meisten. Rotweinzigarettenküsse. Kein Nichtraucher wird diesen besonderen Genußgeysir, der die Geschmacksknospen explodieren läßt, je nachvollziehen. Jahrelang habe ich mit Genuß und Tröstlichkeit geraucht. Zum Glück mehr aus Genuß, als zum Troste. Die heftigsten Nackenschläge kamen, als ich noch mitten im Entzug steckte und mehr als einmal nur einen Wimpernschlag vor einem Rückfall stand. Ich wundere mich bis heute, woher die Kraft in manchem Moment kam, vermeintlichen Trost, der ja doch kein wirklicher war, sondern Selbsttäuschung; abzuwehren. Aber genug vom Trost, es ist ja derzeit keiner vonnöten. Ich werde meine Kräfte mit der nächsten Kummerwelle messen. Möge sie bitte noch weitweit hinterm Horizonte sich erst anbahnen. Rotweinzigarettenküsse. Mmmmhhh, allein der Gedanke daran erzeugt Murmeligkeit. So muß es all‘ denen ergangen sein, die ich in jahrelanger Genußrauchschwärmerey davon überzeugte. Am innigsten hat sich mir der eine eingeprägt. Stets Raucher benölender überzeugter Nichtalkoholkonsumierer und suchte doch stets die Nähe unseres Verrückthochdietassenhaufens. Eine dieser Sommernächte in der Stadt, raus aus der Disko in die errötende Dämmerung, hin zum großen Brunnen auf dem Marktplatz. Nicht nur hin. Hinein. Und nach ausgiebigem Gekalbe kehrt endlich Ruhe ein. Erfrischt, noch tropfnass, Zigaretten balancierend und die mitgebrachte Flasche Montepulciano machte die Runde. Da kam der Typ hinterhergedackelt und zeterte sein Mordiolied. Ich nahm einen innigen Schluck, zog tief an meiner Lucky, umhalste ihn und versiegelte hingebungsvoll seine Lippen. Der Beginn einer bonfortionösen Freundschaft. Mehr nicht.

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