Às vezes no espelho

von kaetheknobloch

Fragezeichenförmig steht sie vor mir. Das eigentliche Schönhaar umsträhnt sie. Schwer sind ihre Lider, zu quälen scheint sie es, wenn sie den Blick zu mir hebt. Ich kann das Zartzittern ihrer Lippen sehen, dessen Stummheit beredter ist, als wenn sie ihren Kummer in trostlose Worte zu fassen versuchte. Feuchtschimmernd ist ihr Wimpernvorhang, den sie nicht zur Gänze für mich hebt. Scham hält ihn wohl auf halber Augenhöhe. Geneigt der Nacken, den Schultern sieht man die Verspannung an. Ihre Arme, sonst immer weit geöffnet die Welt umarmen wollend, hängen wie fremde Gebilde an ihr dran und die Hände erzählen nicht wie sonst Wunderzaubergeschichten. Flach und sachte nur hebt sich ihre Brust mit jedem müden Atemzug, als wäre die Luft von noch mehr Unheil geschwängert, das sie nicht mehr aufzunehmen vermag. Der ganze Leib ist ein einziger Klumpen, hart wie Granit, alles sonst so Weiche, Sanfte scheint unter Grausteingerölle verschüttet zu sein. Ihre Beine stützen sich gegenseitig, fest zusammengepresst, als ob sie sich zwingen müssen, nicht einfach wegzuknicken. Ein stetes Zittern auch ist ihnen anzumerken, als ob die zu tragende Last Risse in sie gräbt. Was könnte sie in diesem Moment erleichtern, wer die Bürde ihr nehmen und wie soll sie je wieder lachen, die Fremde da im Spiegel?

Diesen Text schrub ich vor Jahresfrist und widme ihn heute der sehr verehrten Madame Contraire . Mit Liebfeinherzgruß.

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