Scriptoriumischesrefugium

von Käthe Knobloch

Ich habe letzthin Schätze gesehen, die mich atemlos machten. Wenn ich es denn vermöchte, ich böte mich als Gralshüterin an. Unwürdig sicherlich, aber mit bebendem Herzen und verehrungsgeneigtem Nacken. Meine Hände trauten sich kaum, die Kostbarkeiten zu erkunden. Ackerdamenhände sind nicht pergamentsensibilisiert. Aber ich würde mir Samthandschuhe schneidern lassen, dürfte ich in den Wortwarten blättern.  Auch meine Pupillen verwehrten sich den allzu dreisten Blick aus dem Wimpernvorhang. Sie hatten wohl Furcht, sich restlos zu verlieren. Erhaschten so nur Namensflüchtigspuren und Wortkunstschatten. Diese reichten aus, meinen Atem stockend zu machen. Augenwasser stieg in mir auf, als müßten meine Blicke noch verschwommener werden von all der Silbenpracht, die hier in Einband um Einband vereint. Bedauern und Erleichterung beglitten meine Flucht aus diesem Buchstabenparadies. Die Überwältigung hatte mich stumm gemacht und ich vergaß, um erneuten Zugang zu bitten. Nun trage ich Buchlust im Leibe und möchte  dem Refugium mich verdingen. Nicht für Lohn oder gar Abschwatzerey, nein, nur um die Kostbarkeiten zu beaugenscheinen.