Von Rio gesungene Traumsequenz

von kaetheknobloch

Heute Nacht träumte ich, ein Kuckucksgerufe schall über die Felder in mein Schlafgemach hinein. Und trug mich im Schlafe hin zum Hutzelgroßelterngarten. Wie damals schwang ich in der Schaukel, die am knorrigen Apfelbaume verknotet, vergnügtfröhlich unermüdlich dieses eine Lied singend. In der Nase der Teergeruch vom Schwarzdach des Schuppens, den ich fußspitzig antippen konnte, schwang ich mich nur weit genug empor. Und noch weiter trug mich die so lang versteckte Erinnerung in ihren Traumgefilden. Mit kleinkindlichem Entsetzen angesichts der wohl ersten Konfrontation mit dem Tod, blickte ich auf die drei winzigen Nacktvögelchen zu meinen Füßen. Glubschäugige, häßliche Wesen, doch so bedauernswert in ihrem nicht gelebten Leben. Das Kuckuckskind war’s, das ihren Tod besiegelte. Um selbst am Leben zu bleiben. Ominkels Erklärungen über die Geläufe der Zeit, sie haben sich mir zeitig eingeprägt. Ich denke, ich habe heute im Traume gelächelt und schweigend gefragt: Ach, Kuckuck bitte sag mir doch, wieviel Jahre leb‘ ich noch? Und habe im Schlafe die Antworten gezählt.

Jedenfalls erwachte ich lächelnd, im Schöngetöse der Frühvogelschar und bereitete mich vergnügt auf mein Tagwerk vor. Als ich das Haus verließ und  den Weg beschritt, ließ ein fernes Rufen meinen Schritt stocken. Es war kein Traum, es war wirklich ein Kuckucksrufen, in diesem Gefilde noch nie vernommen. So war wohl auch mein Traum erinnerlichte Wirklichkeit. Die lasse ich mir jetzt von Rio besingen.

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