Pupillennovellenmoskenstraumenblick

von kaetheknobloch

Fremdäugigkeit fließt mir ins Auge, unvermittelt, nicht gewollt. Kuschelt sich an mich, ganz vertraulich, keine Ängste liegen in diesem Schwarzwasserruhigblick, vielleicht noch nicht ersichtlich. Das Glitzern nur, die Reflektionen lassen die Malstromigkeit des Blickes erahnen, der tief in sich ruhend wildwellige Rebellion verbirgt. Geradezu mahnendfragend erscheint mir der Blick. Du, fragt er, was siehst du? Erzähl mir von deinen Pupillennovellen, nimm mich auf deine Augenblicke mit. Erkläre mir deine Welt, laß mich durch deine Augen versuchen zu verstehen. Und ich nehme ihn mit…

Warum sitzt die alte Frau alleine auf der Brücke? Das ist Frau Schmidtchen, die ruht sich hier aus, war wohl wieder einkaufen und ist auf dem Heimweg in das Altenheim, wo sie wohnt. Warum ist ihr Rollator vollgestopft mit Süßigkeiten? Ach, die Arme, sie ist schon über neunzig und immernoch zumglückunddochleiderfidel. Zum Glück und leider doch? Für sie zum Glücke, die Erben jedoch leiden, seit sie beschloß, ihr letztes Geld für alle die anderen Alteinsamseelen im Heime auszugeben. Deshalb die Süßigkeiten? Ja,  für die, denen Süßkram zwar verboten, jedoch der einzig mögliche Glücksersatz noch, seit sie dem Dahinvegetierentier zum Fraße vorgewurfen wurden. Warum fragst du nicht, ob sie mitfahren will? Oh, das habe ich schon oft versucht, sie lehnt stets dankend ab, bei Fremden stüge sie nicht ein. Aber du hast doch ihren Namen genannt? Ja, jedesmal nenne ich sie bei ihrem Namen und sage auch den meinen, wenn ich sie sehe. Und immer wieder bin ich ihr fremd. Bleibe es wohl in diesem Leben.

…ich seufze innengewandt und hebe den Blick. Das Schwarzwasser kräuselt sich fastgefährlichleise. Doch ich fürchte mich nicht. Lächle hinein in diesen Malstromblick und sage schlicht: Komm, laß uns weitersehen. Wir haben doch erst ein paar Meter geschafft.

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