Düsseldorflinienstraßenpfingstnachtgeschichte

von kaetheknobloch

Wir haben einfach die Küchenstühle nach draußen auf’s Trottoir gestellt. Zu warm, diese Pfingstnacht, um die Spätabendstunden in der kargschlichtschönen Fremdstadtwohnung zu verbringen. Und zu verlockend, was hinter Hunderten von Fenstern tuschelt, flüstert oder keift. Liegt es an dem schwülheißen Tag oder an der Vielfältigkeit der Kulturen in dieser ehemaligen Arbeiterwohnungsstraße? Wahrscheinlich bewirkt beides diese Südlandgefühligkeit. Noch weit nach Mitternachtsglockenschlag brodelt, hintertürig nur, dennoch deutlich vernehmbar das Leben. Auf den mattstrahlig beleuchteten Straßen zeigt sich das Leben nur noch an zweierley Orten. Laute Männerstimmen diktieren fremdsprachig  ihre Regeln in die Teestubenlichtinseln ihrer Umgebung und zwar nicht fremdsprachig, jedoch ebenso schwerverständlich ist das Genuschel der spätiumlagernden Nachtgeschöpfe. An beiden Orten sind wir nur fremdfreundlich geduldet, nicht wirklich erwünscht. Man bleibt hie wie da gerne unter sich. Nun, das Trottoir ist breit genug, der Kühlknecht gut befüllt, machen wir also unsere eigene Weinstube auf. Und so manche Nachtgestalt, ob fremd- oder nuscheligsprachig, erwidert beim erneuten Vorbeiflanieren unseren beharrlichfreundlichen Gruß. Schnell sind wir uns einig: Ey, Alderischwör, noch ein paar milde Sommernächte hier und unsere Küchenstühle reichten nicht aus…

Nachtrag 11.06.: Erst gestern Abend erfuhr ich von den fürchterlichen Schäden , die das Unwetter in NRW und insbesondere Düsseldorf angerichtet hat. Ich bitte hiermit um Entschuldigung für meine unbedarfte Flaxerei und meine unpassend geäußerte Gewitterliebe. Zurücknehmen, also löschen, will ich jedoch nicht, da die Worte nunmal geschrieben worden sind. Ich bitte um Verzeihung, wenn ich naiv oder gar zynisch mit meinen Äußerungen erschien, ich war schlicht uninformiert und versichere, daß mir dies sehr sehr leid tut. Käthe Knobloch.

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