Der, dessen Name zuunterst auf der Tanzkarte steht

von kaetheknobloch

Was für ein verwegenfastfrivoler Gedanke, sie wäre jemals schön genug gewesen für ihn. Alle diese unsinnigen Tänze, tausende Schritte vergeblich, weil wohl keiner sie näher brachte, sondern doch nur im Kreise sie sich drehen ließ. Seufzend hob sie die lebensmüdschweren Lider und begegnete ihrem mit Traurigkeit umflorten Spiegelblick. Folgte pupillig den Fältchen, die ihre Augen umfächerten und lächelte schwermütigfein beim Gedanken an alle diese Kichermomente, die sich derart in ihr Haut gruben im Laufe der vielen Jahre. Hob ihre Hand, als wäre es einen Versuch wert, die Feinstlinien wegzuwischen. Sah die hervortretenden Adern auf ihrem Braunfleckighandrücken und die knäuligen Fingergelenke. Unterbrach den kümmerlichen Wegwischversuch. Weg, nur weg von diesem brutalen Badezimmerspiegel. Fast beiläufig nahm sie ihre eigene Silhouette im noch größeren Spiegel des Ankleidezimmers wahr. Nein, in diese Wahrheitswiederwurfflächen hatte sie zur Genüge geblickt. Schnell warf sie sich ein Langkleid über, zu arg die Befürchtung, sich abermals nackt spiegelnd in den widersinnigsten Posen zu betrachten, auf der sinnlosen Suche nach Schönheit, die ihm doch niemals Genüge getan hatte. Selbst der Griff nach der Haarbürste wurde durch resigniertes Seufzen beglitten. Was einst durch zigfachen Feinststrich, als tägliches Ritual vollzogen, glänzende Füllprächtigkeit hervorrief, war nun eine weiße Farce. Sie hätte heulen mögen, um jeden Feinstsilberfaden, der in der Bürste verblieb. Was sie nicht tat, weil sie wußte, daß selbst ihr dichtester Einstlanghaarschopf nicht Huldigung genug an ihn war. Versonnen drehte sie den Silberring an ihrem Niewirklichvergebenenfinger und wieder streifte ein Frivolgedanke sie. In wievielen Armen hatte sie schon gelegen, wieviele Hände auf ihren Hüften gespürt, hatte sich herumwirbeln lassen, starksicher gehalten, doch nie fühlte es sich richtig an. Unbewußt vollzog sie eine Drehung und mit dem Wehen ihres Kleidersaumes flog sie wie ein leichtes Hauchen seine warme Stimme an: Ich will dich haben, du bist so schön. Komm laß uns tanzen gehen.

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