Wenn wenigstens das übrig bleibt

von kaetheknobloch

Gestern Abend saß ich in der viel zu kühlen Frühsommerluft. Langsam verhallte das Lachen in mir, das mich so wunderbar durch den Tag getragen. Der Abendhimmel senkte von azulnachrosazuviolett seine Lider. Mich fröstelte, ich schlang meine Kashmirstola enger um den satten Leib. Feine Nudeln mit vielerley Gemüse in einer Gorgonzolasoße, dazu ein Rieslingschorle hatten mich bauchwärts glücklich gemacht. Mit dem Rest Wein saß ich nun in diesem friedlichen Garten. Wenn mir die Frösteley zuwider, ich mußte nur nach innen gehen. Ins sichere Haus, die Heizung nur ein klein wenig höher drehen. Oder ein warmes, sinnliches Bad nehmen. Ich blieb draußen, zog meine Beine näher hin zu meinem inzwischen zitternden Körper. Starrte weiter in diese unbeschreibbar schöne Abendhimmeligkeit. Wie aus dem Nichts heraus tropften mir Tränen auf das hochpreiswollwärmende Kleid. Kein Schluchzer begleitete sie, kein Klagelaut. Stumm brannten sie auf meinen Wangen, benetzten schwarz noch verdunkelnder die Feinstofflichkeit. Ich ward inniger, als ich inhäusig je gewesen, denn diese Tränen, sie galten nicht mir in meiner temporären Frösteligkeit. Ich mußte ja nur meinen kalten Arsch heben, meine Wohlstandsmasse nach innen bewegen und hätte warme Behaglichkeit. Doch ich blieb sitzen, lauschtespürteschmeckte meinen Stummbrennendsalztränen nach. Wenigstens das, wenigstens das, wenn es nur Mitgefühl ist. Der nächste Schritt wird gemacht.

Meine Nackenschalkigkeit werde ich nie ablegen, auch meine freundliche Verlegenheitsschräubchendreherey nicht. Werde immer Silbersilbenperlenketten auffädeln und die schönen Seiten des Lebens lobpreisen. Doch muß auch Platz seyn für ernste Gedanken. Für Worte, die einem sogar manchmal die rosarote Brille wegreißen. Ich bin nicht gut beim Fingerindiewundelegen, bin eher die, die stets versucht, Salbe aufzutragen. Doch kann ich sehen und erkennen, wenn manchmal fremde Gedanken wichtiger sind:

Aber und dies aber ist wichtig: was habe ich getan, bei diesen bettelnden Zigeunerkindern?
Ich habe sie weggeschickt. Mit strengem Blick und unsicherem Herzen, wie ich in Asien so viele Bettler weggeschickt habe, weil Betteln kein Weg ist, auf den man Kinder schicken darf.“

Herr Georgas-Frey hat mit sich und der Situation in Europa gerungen und seine Gedanken notatiert. Den ganzen Text finden Sie hier. Danke fürs Lesen.

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