Weil Liebe eine Haltung ist. Deine.

von kaetheknobloch

Und dann passiert etwas, womit du nie gerechnet hättest. Eine Teppichunterdemfußwegziehminute. Du hörst, siehst und fühlst sogar in deiner Hand, was gerade geschehen ist. Nein, der Tag war alles andere als gut bisher. Nichts wollte gelingen, egal wie du dich bemühtest. Dein schmerzender Fuß schränkte dich mehr ein, als du dir eingestehen wolltest. Dein Tagwerk, dieses so sensibel eingetaktete System holperstolperte vor sich hin.  Ein Freund in Not grätschte zusätzlich dazwischen, schmiß alles neu wieder um, was du dir mühsam zurechtgelegt. Seufzend siehst du ein, daß du diesen Tag beizeiten abhaken kannst. Besinnst dich auf deine Wortkunst und balancierst auf Silbensträngen. Machst dein Tagwerk heute verwerflich nebenbeilich. Schulterzuckend nimmst du das hin. Nicht jeder Tag ist primaschön. Die Worttanzereyen sind dir ja auch ein Herzensgut. Und dann passiert das. Dein Pennerfreund, den du seit Jahren unterstützt, dem du obwohl er die geliehenen dreißig Euro niemals zurückgeben kann, immer noch von deinem Trinkgeld abgibst und den du jetzt solange nicht gesehen hast, der steht plötzlich vor dir. Drückt dir Zweimarkfuffzig in die Hand und sagte, es sei nicht viel, nur so symbolisch und er wölle nur sagen, daß er etwas gelernt habe von dir. Das Liebe kein Wort oder ein Akt oder sonstwas sei. Nein. Weil Liebe eine Haltung ist. Deine. Du schaust ihm nach, wie er genauso schnell wieder verschwindet, deine Nase schrickt vor der Alkoholschweißekelmischung zurück, deine rechte Hand spürt die schmierigen Geldstücke, wer weiß woher geschnorrt, geklaut vielleicht sogar, gedealt, was weißt denn du. Die Worte, für einen Moment geborgen in deinem Ohr, explodieren auf einmal in deinem Kopf und dein Wimpernvorhang beginnt zu flattern. Flüsternd wiederholen deine Lippen seine Worte: Weil Liebe eine Haltung ist. Deine. Und du ringst nach Luft…

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