Schneckenhausschattentage

von kaetheknobloch

Ach, diese Schattentage. Man verkriecht sich, am liebsten in das Ende der Schönspirale eines Schneckenhauses. Die Welt soll draußen bleiben. Tut sie aber nicht. Flüsterworte erreichen dich. So wie gestern die verschneckenhauste Frau Coupar. Sie lauteten:

„Schattentage. Liebe Frau Coupar, bitte unterschätzen Sie nicht die enorme Wichtigkeit dieser Tage. Gut, es ist dunkel in uns, bestenfalls ziehen wir uns ganz in uns zurück, ehe wir noch mehr Unheil anrichten, indem wir mit Schattenfetzen um uns werfen und anderen, die wir lieben, den Tag gleichfalls verdunkeln. Da ist doch so ein Schneckenhaus der ideale Platz für. Eine sichere Hülle, obendrein wunderhübsch anzusehen und diese Spirale, die irgendwann so dünn endet, daß wir gar nicht anders können: Wir drehen uns um und streben wieder dem Lichte zu. Wissen Sie, ich sammele Schneckenhäuser. Ich hebe sie behutsam auf, schaue, ob sie besetzt sind. Wenn dieses der Fall ist, suche ich ein schönes schattiges Plätzchen, vielleicht unter einem hübschigen Efeublatt und lege das Häuschen sachte wieder ab. Habe ich einen Schattentag, und derer gibt es reichlich; und grollschmolle so richtig vor mich und behadere mich und die Welt, stelle ich mir vor, jemand hebt mich mitsamt dem Schmollhäuschen hoch und legt uns dann behutsam wieder ab. Neugierig wie ich bin, schaue ich vorsichtig nach, wer das gewesen sein könnte. Es ist nie jemand zu sehen, doch auf einmal küßt mir ein Sonnenstrahl die gerümpfte Nasenspitze. Weil eben doch immer irgendwo die Sonne scheint…
Ich grüße Sie herzlich, mögen diese Worte Ihre Pupillen sowie die Nasenspitze beküssen, Ihre Frau Knobloch, schneckenhausbesitzend.“

Und im weiteren versprach ich ihr, abendlich im Garten nach ihrem Schneckenhäuschen Ausschau zu halten und sie zu besuchen. Im Prasselregen sah ich ein prächtiges Häuschen auf der Terrasse liegen. Natürlich bewohnt. Ich trug es in den sicheren Efeu. Und als ich heute Morgen nach dem Häuschen schaute, wer kam mir da schon früheifrig entgegen? Diese Schönheit, liebe Frau Coupar:

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Und gleich darauf brachen Sonnenstrahlen durch das Himmelsgrau, ob Sie es glauben, oder nicht. Also lassen wir doch den Schneckenhausschattentagen ihre Zeit. Sie ist ja begrenzt. Weil immer irgendwo die Sonne scheint.

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