bittemito

Monat: August, 2014

Wütendwortzwiesprachlosigkeitsmonolog

Wenn es so wäre, wie ich es denke, wie sich mir Bilder aufdrängen, ich fürchte, ich vergäße mich. Ruhig, denke an das Einenachtdrüberschlafgebot. Das habe ich doch, verschluckte vorgestrigabend bereits meine auflodernde Wut. Befolgte sogar das Zwonächtedrüberschlafgebot. Doch es ist heute immer noch  nicht besser. Ich möchte Sturmklingeln und fragen, wer so bescheuert war, so ein Drecksgift auszulegen. Aber du weißt doch gar nicht, ob es Gift war. Ach nein, was soll es denn dann gewesen sein? Ich habe beide untersucht, keine Bißspuren, die kleinen Seidenkörperchen noch weich. Eine lag im Kellerloch, sie war am Morgen noch nicht dort, ich habe sie traurig unter den Haselbusch gelegt. Und trete fast beim hintertürigen Hausbetreten auf die zweite drauf. Starre fassungslos auf das leblose Fellbündel. Wer weiß, woran sie gestorben sind, vielleicht zufällig halt gleich zwei an einem Tag. Zufällig? Ich glaube nicht an Zufälle. Was war es denn damals als der Husky des Freundes qualvoll verreckte? Scheißdrecksgift, von hirnlosen Idioten einfach mal so ausgelegt. Achte auf deine Wortwahl. Scheißdrauf, ich könnte bei soviel Blödheit noch ganz andere Wörter. Arschkrampen. Überhebliches Egoistenmenschenpack. Vernichten um des Vernichtenswillen. Töten mit beiläufigem Schulterzucken. Du hast ja recht, aber vergiß nicht, es sind nur zwei Mäuse. Nur zwei Mäuse, ja, doch wo fängt es an, dieses Töten aus Unachtsamkeit? Morden, Leben nehmen so nebenbei? Bei kleinen Kreaturen, über die wir uns stellen. Hier geht es nicht um das dankbare und achtungsvolle Miteinander gegenüber einem Tier, hier geht es um dämliche, törichte und verachtenswerte menschliche Scheinüberlegenheit. Eingebrannt ist mir das Bild der peniblen Nachbarin, die mit einem Schaschlikspieß die Schnecken von dem Kurzgetrimmtrasen aufzuspießen pflegte. Ich könnte gleich wieder speien, ob der Erinnerung. Sag mal, kann es sein, daß deine Wut noch tiefer geht? Schweigen. Denken. Ja. Viel tiefer. Dahin, wo vielleicht keine Wörter mehr hinreichen. Und nun? Ich weiß es nicht. Drittdrüberschlafgebot befolgen. Ja, was bleibt denn sonst?

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Die verdutzte Maus im Kellerloche

Die Morgenpatrouille erfordert neues Glastopfergreifen. Die Handgriffe sind stets die gleichen und doch manchmal überraschend verschiedenes Handeln gebietet jede Rettungsaktion, wie schon hier beschrieben. Doch zunächst ist’s wieder ein erschreckter Schwarzschimmerperlenblick, der meinen müdäugigen kreuzt. Das Fellknäuel hockt direkt neben dem schmalen Regenabflussgitter, die Spitzvibriernase dreht sich bebend in meine Richtung. Ich setze mich auf die unterste Treppenstufe, um Ruhe einziehen zu lassen und meine erschreckende Riesenmenschstinkepräsenz dem Mäusleyn erfassbar und erträglich zu machen. Zumindest bilde ich mir das so ein. Was weiß denn ich, was so ein Winzschöntierchen von mir denkt, was es fühlt, es muß mich doch gewiß herzrasend erschröcklich wahrnehmen. Dieser Gedanke läßt mich seufzend das Kellerloch mit Entschuldigungswellen befüllen. Tatsächlich dreht sich das Mäuslein von mir weg und schnuppert an dem Metallrost, der den Abfluß bedeckt. Dann schiebt es vorsichtig Kopf und Oberkörper durch den winzigen Spalt. Ach, denke ich, und dann? Wo willst du hin? Durch die Kanalisation schwimmen? Unterm Haus durchtauchen? Das nächste Gullyloch ist ganz schön weit, das kannst du unmöglich schaffen! Und während meine Gedanken Mäusewalzer tanzen, streckt mir die Maus ihren pelzigen Hintern entgegen, der Schwanz ringelreigt sich emsig. Dann schiebt sie ihren Körper rückwärts zurück und wirft mir einen Schulterblick zu, in dem die gesamte Verdutztheit aller lange sackenden Erkenntnisse des Universums zu liegen scheint: Verdammt, mein Arsch ist zu dick! Ich pruste los, ich kann nicht anders, lache lauthals, schallend, das Kellerloch hallt gelächterig nach. Die Maus stört das nicht, sie versucht es noch einmal. Halb verschwindet sie, der Hintern reckt sich nach oben. Der Anblick befeuert mein Lachen, erste Tränchen kullern und das Zwerchfell protestiert. Erneut das Wiederauftauchen des Felloberkörpers, in die Perlaugenverdutztheit mischt sich Resignation. Während sie noch einmal oberkörperig verschwindet, stülpe ich nochimmerlachend den Glastopf über sie und schiebe ihn mit der nächsten Rückwärtsbewegung des Winzkörpers weg von der Abflußspalte. Flugs der Ablauf wie gehabt: Kartondrunterschieberey, schnelle Drehung, Maus im Glas, flinkfüßig die Treppen hoch und Freilassung unterm Haselstrauche. Das alles beglitten mit aufperlendem Gelächter meinerseits. Wofür so ein dicker Hintern doch gut sein kann!

Neuntausend kann auch eins sein

Geben und geben lassen. Nehmen und nehmen lassen. Sein und sein lassen. Mühsam undefiniert gelebtes Mantra, dem lange Zeit die Besilbung fehlte. Wohl, weil es unvollständig war. Oder die Reihenfolge stimmt nicht ganz. Seinundseinlassen, das hatte ich schon lange verinnerlicht. Geben und Nehmen auch. Doch es war unrund, unvollständig, nein, unvollständig eigentlich nicht nicht, doch zu holperig, um als Mantra zu dienen. Dann traf ich schreibend auf sie. Ich las kurz still mit, staunend ob der Silbersilbenströmerey. Es war, wie in einen Spiegel zu blicken. Jahre zurück. Ein vergangenes Abbild meiner selbst. So hinterfragend, so kämpfend, suchend, ach, so herzzerfetzend. Und dann kommentierte ich. Unsere Wortbegegnungen waren von Anfang an inniglich vertraut, als wäre das Zwischenzeilige das eigentlich gemeinte und unsere Satzgirlanden nur die Träger unserer Gedanken. Und mit der Gebenundgebenlassenerkenntnis bündelten wir sie zu einer Brücke. Seitdem ist sie mir keinen Tag fern und auch wenn sie nicht mehr so viel schreibt, weil ihre Zeitverflugsgeschwindigkeit eine enorm hurtige ist und außerdem, was am oberallerbonfortionösesten ist, sie die wenige Freizeit einem Lieblingsfamoslanghaargesellen schenkt; für mich bleibt sie eine meiner ersten Lieben hier bei WordPress. Und ein bißchen mehr. Und wenn sie nur die nächste neuntausendneunhundertneunundneunzigste Kommentatorin seyn sollte, eins bleibt:

Geben und geben lassen. Nehmen und nehmen lassen. Sein und sein lassen.

Danke, meine Liebe.

Rastlosmachendeleserey

Ich habe mich schwergetan. Verfing mich in dem Geflecht aus Namen und den Denkgespinsten der icherzählenden Person. Las manches Kapitel mehrmals, versuchte, den roten Faden nicht zu verlieren. Pickte immer wieder Leserosinchen heraus. Nahm deshalb das Buch wieder und wieder in die Hand. Merkte mir Seiten, Textpassagen. So viele, in denen ich mich wiederfand und das von Anfang an:

“ Oh. Der nächste Halt ist meiner. Wie erwachsen, seine Haltestelle fast zu verträumen…“

Vielleicht verlor ich darob ständig meinen Faden. Eigene Bilder schoben sich dazwischen, ich denke, so unähnlich bin ich der Erzählerin darin nicht. Ich zitiere hier nicht über alle Maße, möge ein jeder Leser seine eigenen Betrefflichkeiten finden, es gibt sie zur Genüge. Worterfinderey hingegen, die muß ich aufnehmen, da kann ich nicht anders, als mich murmelig zu freuen:

Vielleicht dumpft die Pille ab. (Ja, dumpfen“ bzw. „abdumpfen“ gibt es nicht, aber als Mischung zwischen „dämpfen“ und „abstumpfen“ sollte es zulässig sein.)

Dann passierte es. Fast exakt erzählendmittig, da wurde dieses Buch zu einem Maelstrom für mich. Ich habe an einem Sonntagnachmittag alles um mich herum vergessen. Sogar der Ruf meines geliebten Waldes verhallte ungehört.  Ich konnte nur noch lesen. Weinen. Wieder lächeln. Weinen. Eine Lektorin würde ich wohl nie, mir waren Fehler sowas von egal, ich war mittendrin in der Geschichte.

“ Du bist und bleibst mir so nah – doch nie mehr nah genug.“

Fazit: Trotz meiner anfänglichen Holperstolperschwierigkeiten, habe ich „Rastlos“ sehr gerne gelesen. Ich nehme viele Ansichten in mir auf und füge sie in meine Gedankengeflechte ein. Selbst die Tatsache, daß ich kaum eine der erwähnten Fernsehserien oder Personen daraus kannte, schmälerte mein Lesegenuß nicht. Ob der Blickwinkel sich mit dem Wissen darum ändern würde? Ich glaube es nicht. Danke, Frau Stefanini, es war mir ein Vergnügen. Ich möchte bitte gerne mehr von Ihnen lesen.

Kursive Zitate alle aus: Rastlos.

Autorin: Stefanie Weber.

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Hah! Kritik fällt mir doch noch ein! Der Einband! Jetzt wird jeder denken, ich hätte es mit Fettschmutzfingern gelesen, aber das stümmpt so nicht. Das ist die empfindliche Einbandoberfläche, die bildet die Fingerchen so ab. Ich wasche meine Hände wie gewohnt in Blütenreinerweißunschuld. So.

Und manchmal heißt die Muse Grzimek

Bei Frau Bukowski küssen die Musen derzeit nicht (Was ich, unter uns gesagt für Blödsinn halte, man lese nur ihre Texte!), sondern sie friemeligfidelierigfichtulieren. Wer jetzt nur Grzimek versteht, der kann hier den Gedankenknoten entwirren. Und weil sich so Doofgüsse mit einem Lächeln besser ertragen lassen, schenke ich ihr einen Waschbär. Bittesehr und alles Liebe, meine Liebe.

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