Wasser ist noch nie rückwärts geflossen

von kaetheknobloch

Wasser ist noch nie rückwärts geflossen, meine Gedanken hingegen schon. Erst so kühlsüßfreundlich landeten sie bei mir an. Dann perligmurmeligerfrischend. Rauher der nächste Wellenschlag, scharfkantiger der Boden unter den bloßen Füssen, schmerzhafter jeder Schritt. Brackigpampig plötzlich und ohne daß ich es verhindern konnte, versickerte der nächste Gedanke in Ödnis und Staub. Was ich dachte? Dies:

1. Ach, hätte ich doch meinen eigenen See. In dieser Hitze, nach getaner Arbeit einfach kopfüber hineinspringend, mich zu erfrischen…

2. Oder wenigstens eine Gartendusche mit Minipool, mir reicht ja ein Abtauchen und abbrausen. Muß ja nicht riesig sein…

3. Wie schön wäre doch ein Murmelbeenebaumelbach gleich hinterm Haus zu haben. Flugs hin, mögen die Steine auch unbequem sein…

4. War da nicht vorgestern noch diese Regenprasselpfütze? Ich bin doch barbeinig vergnügt durch den Himmelssegen gerannt…

5. Oh, wie weit muß ich noch laufen?! Der Krug auf meinem Kopfe drückt so leerballastigschwer. Fast erscheint er mir belastender, als wäre er mit dem raren Gut befüllt. Hoffentlich ist das Wasserloch noch rein und nicht mit Kadavern verseucht. Was tue ich nur, wenn mir der Zugang verwehrt? Ohne Labsal und der Gewißheit, diese auch mit mir zu nehmen, ach, es wird mir jeder Schritt so schwer…

Der sechste Gedanke brachte mich wieder zurück zu mir, kein See, kein Pool, der nächste Bach zu weit entfernt, die Pfützen trockengelegt und doch das Paradies: Ich muß nur nach innen in’s kühle Haus gehen, dort wartet fließend Wasser auf mich…

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