Schnittermaidmorgenstundtherapiegesense

von kaetheknobloch

Was ist es, was sich da so scharf manifestiert in der schwarzsilbernen Klinge? Wut? Kummer? Hilflosigkeit? Genau in diesem Augenblick der berühmte Tropfen? Ich weiß es selbst am wenigsten. Das Zischen der Schnitte, das nichtmal sekundenlange Verneigen der Grashalme, jeder Schnitt ein verlängerter Gedanke. Nicht im Gleichmaß, zu ruppig und kurz der Sensenschwung. Meinem Athmen ist’s geschuldet. Eine kurzes Innehalten. Schmerzen im linken Oberarm. Seitenstechen. Käthe, so geht das nicht. Laufe hin zu steinigfestem Grund, stehe aufrecht, das Sensenblatt haltend mit linkshändischer Verlängerung. Den rechten Fuß stelle ich auf den Führungsgriff der Umgedrehtgefährlichwaffe. In Augenhöhe der Silberschwarzschimmerglanz. Kleine wenige Rostpünktchen fordern baldiges Dengeln. Doch heute reicht der Feinschliff noch. Ich tauche den Wetzstein in’s Wasser, athme tief ein und lasse mit meiner rechten Hand den Scharfmacher über die Klinge tanzen. Rechtslinksvorzurück. Immer schneller, geschmeidiger gar die Bewegung. Und als übernähme das Handgelenk Denken und Fühlen, paßt sich mein Athem dem Metallsteinzischeltango an. Gut so. Ich gehe wieder hin zur Wiese, probiere den nächsten Wellenschnitt. Endlich ein Automatismus der Bewegungen, endlich eins seyn mit dem Tun. Erste Sonnenstrahlen küssen behutsam meine Schulterblätter, Morgeninsekten umtanzen mich. Sehe ich Grashüpfer galoppierend das Weite suchen, verharre ich kurz. Die Schnecken weiß ich noch unterschnittflächig, im Morgentau geborgen. Graswoge um Graswoge legt sich zu meinen Füßen nieder, in stiller Verneigung und Hingabe. Eine wohltuende Erschöpfung kriecht mir in die Glieder. Das Schnittermaidkleid klebt mir am Körper, zusammen empfehlen sie mir dringlichst eine duschbrausige Erfrischung. Doch erst ist das Handwerkszeug wichtiger. Die grasbüschelige Grobreinigung, das Naßundtrockenwischen und ein letzter Metallschärftanz. Noch der Klingenschutz drüber, ein stolzruhiger Blick auf das gemähte Stückchen Wiese und ein Feinlächeln bei dem Gedanken: Eine Stunde Gras hauen als Therapie. Nicht die schlechteste Möglichkeit…

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