bittemito

Monat: September, 2014

Runkelrübenrückennotat

Ich war Rüben stoppeln. Mit Handwagen über den Feldweg ziehende Buben haben mich angesteckt. Ihr fröhliches Hierundhieraucheinegerufe machte mich aufmerksam. Mein weher Rücken sandte sanfte Protestnotate, als ich eine Holzkiste auf der Hüfte balancierend einfach loslief. Die großen Rübenmieten, sie waren abtransportiert und bald würde der süßliche Duft aus der nachbarstädtischen Zuckerrübenfabrik in Schwaden über die Felder ziehen. Doch heute roch es erdrig, modrig, krautigsüß erst. Die Schwerreifenspuren der Erntemaschinen hatten ein mustererkennenlassendes Gewirre in den obenprasseltrockenen und doch schwerkrumigen Boden gepresst, dem ich alsbald nur folgen brauchte, um meine Kiste rübig zu befüllen. Beugte die Knie vor dem Ackergut, buddelte, erdentkrumte und schleppte mit herrlich verdreckten Händen meine reiche Beute hin gen Haus am Ende des Weges. Wässerte die Knorrrübchen zinkwannig und während ich sie hingebungsvoll schrubbte, qoll mir eine Rübenrunkeligkeit aus tiefster Kindheitserinnerung ins Gemüth. Gehn wir flenntippln? Warum schnitzen heute eigentlich alle Kürbisse? Runkelrübengeister waren doch schon immer bei uns beheimatet! So habe ich mir meinen eigenen Tross zurechtgeschnitzt. Ganz ausgehöhlt habe ich zwar bisher keine, doch mir zeigten viele ihr ganz ureigenes Rübenrunkelgesicht:

Und der wehe Rücken? Ach, der hat vor lauter Runkelritterfreudigkeit seinen Schmerz vergessen. Ließ ihn wohl auf dem Acker liegen. Fetzt!

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Angsttropfenaugenblicktrost

Still liegst du, spürst, wie die Angst in heißen Tropfen aus deiner Haut quillt. Zuerst unter der Brust, da wo auch immer dieser verdammte Schmerz sitzt, der nicht da sein dürfte, weil er da kein Wohnrecht hat. Keine Pacht, die er bezahlt, keine Miete, weil er ein Arschloch von Mietnomade ist, der nur Verwüstung hinterlassen hat. Es kann nur ein Schattenschmerz sein, wie der Abdruck des Kronenkorkens, den du dir als Kind immer bis zur Schmerzgrenze in die Haut gedrückt hast und erleichtert warst, wenn der Abdruck doch irgendwann verschwand. Mühsam hast du aufgeräumt, dein Herzenszimmer wieder neu bewohnbar gemacht. Und doch liegst du manchmal still und spürst den heißen Hauttränen nach, wie sie kühler werdend an deinem kalten Leibe herunterrinnen. Der Rücken, der Bauch, dein Nacken, alles ist mit einem dünnen Angstfilm überzogen. Du kannst sie riechen deine Angst. Kein heißer, sinnlicher Schweißduft wie wenn du liebst oder dem schwereren Teil deines Tagwerks nachgehst, oh nein, es riecht schal, fast ein weniger sauermolkig. Wie du das verabscheust! Wie du Molke verabscheust! Dich sogar verabscheust in diesen Momenten. Starr liegst du, als hätte dich Lahmheit überfallen. Dein Blick sucht nach denen, die immer zum Troste da waren. Der Spiegelmondbruder, er macht sich gerade neu, du kannst ihn diesmal nicht stumm anflehen. Wo ist der Orion? Verdeckt von dichter Wolkenlast, kann er dir auch nicht beistehen. Keine tröstenden Nachtgeräusche umhüllen dich mit Gewisper hier innenzimmerig. Diese Erkenntnisse setzen endlich die heilende Gedankenapparatur in Gang. Denkst dich in tröstendes Baumblattgerausche, wähnst dich auf weichem Moose. Kann auch ein Schwarzkieselbett sein, auf dem du dich niederläßt oder eine duftraunende Wiese. Sprichst plötzlich eine fremde Sprache, tanzt Schritte, die du nie zuvor gesehen und begegnest Menschen, die du nicht zu fürchten brauchst, du mußt ihnen nur in die Augen blicken. Augenblicke. Frei von Angst, Besitztum und frei von Wut. Die mußt du sehen. Und fühlen. Dann schaffst du es die Schwere der Nachtmahre von deiner Brust zu bannen, stehst auf und mit weichem Tuche und Rosenseife reibst du sanftwarm den Schweißfilm von deinem Körper ab. Hörst Musik, mal zart, mal muß es einfach nur lautwehtun, setzt dich dann bei Kerzenschein nieder und bannst die letzten lauernden Mahre mit der Kraft der Worte. Und vielleicht tanzt du im nächsten Traume einen Tanz, den du gar nicht kannst.

So wie den hier. Gefunden bei der famosen Trippmadam. Mit Leseempfehlung und Verlinkerlaubnis, danke für diesen wunderschönen Moment.

Verdammtunpäßlichkeitwegfüllerbrief

Mein lieber Herr Hund,

Ich weiß nicht, welcher Unangenehmwiderlichart Ihre heutige Unpässlichkeit ist, muß es auch nicht wissen, weil Unpäßlichkeiten ja manchmal so rasch das Erscheinungsbild wechseln, wie junge Welpen ihr Interesse an zerkatschten Schuhen hin zu gereichten Leckerlis, möchte hingegen die freimütig geäußerte Bitte der famosen Mensch Päddra (Grüße an dieser Stelle!) nicht gänzlichst ignorieren und wage so mal diesen ersten kleinen Tippeditappschritt. Ich werde tunlichst vermeiden, die angesprochenen Bilddateien von Kaltem Hund und Tatzenkeksen hineinzuweben, Sie sabberten unter Umständen den ganzem Monitor voll und wenn der Sabber erst in die Tastatur tropft, dann..lijweibi3isezhom mkmasdp2q#öüeu89t… Oh, Pardöngsche, jetzt war ich für einen Moment ganz bei Ihnen. Zu ganzt. Was bin ich jetzt froh, mich gegen die Büttenpapieranalogsnotatschreiberey entschieden zu haben. Unrettbar verlorenes Schriftgut! Herrjehmitmineh! Was ich Ihnen jedoch mitsende, ist ein ganzderihriger Herrhundmond so für die Westentasche. Wenn’s wiedermal was anzuheulen gibt und kein Bereitschaftsmond weit und breit zu sehen ist. Der hier kann Ihnen nicht abhanden kommen, der klemmt zwischen den Bäumen am Haus am Ende des Weges fest. Tut mir leid, wegen der Unschärfe, aber die Chillis brauchte ich für das Quinoa. Ich bitte um Ihr Verständnis. Ich verbleibe sabbernd zugetan, jetzt wegen des Quinoagedankens, und grüße Sie päßlich, Ihre Frau Knobloch.

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Verwegene Verse XXII

Ich traf jüngst einen Herren beim Festivalle,

der hätte mir schon ganz gut gefalle.

Doch bin ich ja in festen Händen!

So tue ich nur Augengrüße senden.

Das ist bei so einem Festival leicht,

vor allem mir, denn mir gereicht

das Mannsvolk da zum Pupillenkuss.

So kam es, wie es kommen muß,

eben weil ich dringend mußte

und um die Klosituation wußte,

stellte ich mich dreist wie immer

zwischen all‘ die Herrenzimmer

bei den Dixis mit ♂ lässig an.

Ja, auch bei den Dixis wird getrennt,

doch ich wehre mich vehement

und behaupte trotzigrotzverfrecht:

Pinkeldauer ist frei vom Geschlecht!

Ist erst der Bierpegel hoch enough

werden auch wir Damen rasch tough

und pinkeln in Zeitverflugsraschigkeit,

um nicht zu verpassen die Liedgutigkeit.

Warum ich mich zu den Mannen stelle?

Es weiß doch ein jeder Festivalgeselle:

Die Dixis mit ♂ als Geschlechtssymbol,

die haben ein Sitzklo, ja sicher, sowohl

als auch ein Pinkelbeckchen mit drinne.

Was? Nein, keine schnöde Pissrinne!

Ein Sitz- und ein Stehpult, in Zweieinigkeit,

ermöglichen erleichternde Zwogeselligkeit.

So geht es schlichtweg schneller voran,

wenn sich denn finden Mann um Mann,

um gemeinsam sich flugs zu entbieren,

um wieder übers Rockfest zu flanieren.

Dieses rauszufinden war nicht schwer,

ein wenig Augenmerk und bittesehr:

Sich unter die Herrlichkeiten zu mischen,

alle Schambedenken wegzuwischen,

es war ein Leichtgemachtentschluß,

denn ich bekam einen Festivalmusenkuß!

Du hast doch deine Röckeraffprivaterey,

also, was ist denn schon wirklich dabei?!

Bei all‘ dem Denken war ich an der Reihe,

stand kurz vor meiner Fremdmannpissweihe,

da fiel mir meine Schmiedgeschichte ein!

Potzblitzdenkend fragte ich nach dem Getuh‘

des augenblingenden Pinklers PerDu…

Er sei kein Schmied, nein, mitnichten.

Muß ich wirklich weiter berichten?

Das Schmiedpinkelgeheimniswaskeinesist,

es bewahrt seine Einzigartfrist.

Nur das Lachen des Lieblingsfamosgesellen,

das tat dann doch sehr vertraulich schellen!

Liebdiebesgesindellied

Mein Liebdiebesgesindel, ich mag es gern leiden,

weil Teilen mich nur noch reicher macht.

Und bleibt das Liebgesindel bescheiden,

mir immernoch mein Anteil lacht.

So wie hier, dem Schneckchen das Blatt

und mir die Blüte zum Schmause gereicht,

das Schneck ist bald müde und satt

und mir wird mein Herze so leicht.

Was schert mich die Feinstlocherey?

Wenn solche Pupillenküsse mir geschenkt?

Ich singe mein Lied laut und frei,

dem Liebdiebesgesindel angedenkt.

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 So halte ich’s auch bei dem Wortgeschmause,

ich gebe und nehme die Silbenklänge.

Und droht mir ein rüder Wortbanause,

daß mir die Sprache schlecht gelänge,

sie voller Fehler und Löcher wäre

und im Duden stünden die Worte so nicht,

wär ich dumm, wenn ich mich drumschäre,

um so einen Kleinkorinthenkackerwicht.

So wuchern die Wunderwortblüten getrost

und Buchstabenrankblätter kriegen Löcher.

Ich steigere unbedarft famos zu famost

und bonfortionös zu bonfortionöcher!