Wie ich zu meinem richtigen Namen kam III

von kaetheknobloch

Dresden war wahrlich eine namensreiche Zeit. Das unvermeidlich langgesächseltzätschte Gaahddii war mein häufigster Ruf. Doch ich hieß auch Pom-Pom oder Alison. Das vorherige Paulasein erwies sich als sehr nützlich. Denn auch die Internatszeit bestand aus dieser sonderbaren Mischung aus Drill und Rebellion. Nur kamen hier zu den Gleichgesinnten auch Streber und Funktionärssprößlinge hinzu. Es galt auch in den eigenen Jungvolkreihen die Augen und Ohren offenzuhalten, mit wem man was teilte. Und dann der Lehrkörper! Es war alles vorhanden, vom patenten Wissensabgeber bis hin zur strengsozialismushörigen Schmallippziege. Die armeeige Sporttrillerpfeifenstaline und der müde Achlaßtmichinruhelehrer. Und dieser eine schmerbäuchige mit den Schweinsäuglein über den wülstigen Lippen. Über den der Direktor persönlich den Schutzarm hielt, obwohl es Beschwerden hagelte. Der hatte unter anderem die unschöne Angewohnheit, nach nur einmaligem Anklopfen in die Zimmer oder Umkleideräume zu stürmen bei uns Junggören. Dieses Tun unterbanden wir auf genauso derbe Art. Und tauschten eines Tages heimlich die Räumlichkeiten. Die Jungs übernahmen unsere Umkleide und präsentierten sich ihm pickelhinternentblößend. Das vollzogen wir in unregelmäßigen Abständen und hielten ihn uns dadurch immer länger vom Halse. Das war gleich im ersten Lehrjahr, in dem ich im Kreise gleichgesinnter Schwarzkittel Alison genannt wurde. Wegen ihr. Gegeben von einem, der Gevatter benamst war. Zwei Jahre über mir und, wie ich erst später erfuhr, weil ich da noch zu junghühnig war, schwerst von mir angetan. Er nahm mich Landei mit in die Schwarzhöhlen der Stadt, zeigte mir die besten Secondhandläden und vererbte mir seinen Hintereingangsschlüssel für unbemerktes Einundausgehusche. Ich nahm begierig alles auf und fand es wundervoll und aufregend. Bis ich die Szene abrupt verließ. Gut, daß so mancher selber in einem Sarge schlief, bittesehr, doch als ein befreundetes Gothikpärchen  das neugeboren Kindchen mit einem Sarg vom Krankenhaus abholen wollte, nein, das war zuviel. Sehr harsch endete so die Alisonphase. Gevatter verstand mich nicht und meine Abscheu. Verschwand aus meinem Leben. Mir blieb die Liebe zu schwarzen Gewändern und eine Prägung für derley Musik. Ich ixtanzte zu Anne und Xymox . Und fand eine meiner Ewiglieben. Wurde immer mehr zu Gaahddii, was die Benamsung anbelangte. Trug diesen Namen, bis der Sozialismus in seinem Lauf mächtig in’s Gestolper kam und sich für die meine jungwilde Generation Tore öffneten, von denen wir gar nicht ahnten, daß es sie gab. Die ich begierig aufstieß und neue Welten erkundete, bis ich eine neue Langzeitheimat fand, in der ich meist Kättele hieß. Doch vorher erschloß ich mir diese Welten als Pom-Pom…

Wie ich zu meinem richtigen Namen kam I

Wie ich zu meinem richtigen Namen kam II

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