Runkelrübenrückennotat

von Käthe Knobloch

Ich war Rüben stoppeln. Mit Handwagen über den Feldweg ziehende Buben haben mich angesteckt. Ihr fröhliches Hierundhieraucheinegerufe machte mich aufmerksam. Mein weher Rücken sandte sanfte Protestnotate, als ich eine Holzkiste auf der Hüfte balancierend einfach loslief. Die großen Rübenmieten, sie waren abtransportiert und bald würde der süßliche Duft aus der nachbarstädtischen Zuckerrübenfabrik in Schwaden über die Felder ziehen. Doch heute roch es erdrig, modrig, krautigsüß erst. Die Schwerreifenspuren der Erntemaschinen hatten ein mustererkennenlassendes Gewirre in den obenprasseltrockenen und doch schwerkrumigen Boden gepresst, dem ich alsbald nur folgen brauchte, um meine Kiste rübig zu befüllen. Beugte die Knie vor dem Ackergut, buddelte, erdentkrumte und schleppte mit herrlich verdreckten Händen meine reiche Beute hin gen Haus am Ende des Weges. Wässerte die Knorrrübchen zinkwannig und während ich sie hingebungsvoll schrubbte, qoll mir eine Rübenrunkeligkeit aus tiefster Kindheitserinnerung ins Gemüth. Gehn wir flenntippln? Warum schnitzen heute eigentlich alle Kürbisse? Runkelrübengeister waren doch schon immer bei uns beheimatet! So habe ich mir meinen eigenen Tross zurechtgeschnitzt. Ganz ausgehöhlt habe ich zwar bisher keine, doch mir zeigten viele ihr ganz ureigenes Rübenrunkelgesicht:

Und der wehe Rücken? Ach, der hat vor lauter Runkelritterfreudigkeit seinen Schmerz vergessen. Ließ ihn wohl auf dem Acker liegen. Fetzt!