Gefühlspleitenteilungsgesuch

von kaetheknobloch

Bitte, verzeihen Sie mir meine Dreistigkeit, Sie einfach so anzusprechen, aber hätten Sie wohl die Güte, mir ein wenig auszuhelfen? Ich bin nämlich pleite, müssen Sie wissen. Alle, leer, ausgebrannt, nichts mehr da. Alles weggegeben, füllhornig ausgeschüttet, verschenkt, versenkt. Nein, ich rede nicht vom Geld. Das ist nicht mein Sehnen, meine Sucht. Ich besaß schon vieles davon, doch machte es mich nicht zufrieden. Nein, ich bin bar jeden Gefühles. Ich krame in jedweder Körperecke, im Unfugsschalkkopfe, im Krawummbauchraume, im Gestikuliergestänge, sogar mein Herzschmerzkämmerchen ist blitzeblankgefühlt. Ich weiß nicht, wie das passieren konnte, mir geht es wirklich schlecht. Und weiß nicht mal, wie schlecht sich anfühlt. Ohne Gefühle, was soll ich sagen, wie es beschreiben? Dumpf, hohl, leer bin ich. Ach, Sie meinen, das ist normal so? So sollen wir Menschen sein? Das habe ich nicht geahnt, doch will es mir nicht behagen, nein, da muß doch irgendein Gefühl in einem jeden sein. Wie Angst? Angst ist das einzige, was Sie noch teilen können? Ja, wundervoll, ich nehme die Ihnen gerne ab, ich habe letztens etwas richtig Gutes über die Angst gelernt:

„Sie ist gewiss keine Schönheit, die Angst. Sie betritt jede ihrer Momente schleichend durch die Hintertür. Sie flüstert gern, weil ihre Stimme laut gesprochen misstönend klingt. Sie stinkt, doch nur, wenn sie ungepflegt ist. Sie hat gelbe, schiefe Zähne, die sie fletschend zeigt, weil sie ihr Lachen selbst nicht kennt. Sie bewegt sich geduckt, weil ihr nie jemand Stolz schenkte…Man will nicht von ihr berührt werden, weil sie – dankbar und durstig ob der Nähe – einen mit ihren drahtigen Armen umklammert, nicht mehr loslassen will. Doch sie ist unendlich dankbar, wenn man ihr zulächelt, sie an die Hand nimmt, mit ihr ein Stück geht, sie menschlich macht. Sie liebt es, gesehen zu werden, wie sie ist. Darum klammert sie. Darum überlagert sie. Sie weiß um ihre Schwäche, sich vor starken Herzen nicht durchsetzen zu können. Denen erliegt sie. Dann schmilzt alles Äußere an ihr, und sie zeigt sich in ihrer reinsten Form, in ihrer bewertend übersehenen blendenden Schönheit, als stille, weise, mitfühlende und einsichtige Königin der Gefühle…“

Geschrieben hat das ein Wissender, will mir scheinen, ein Weltenwanderer und Grenzüberschreiter. Hier finden Sie weitere Kunst von ihm. Wie meinen Sie? Hoffnung, Hingabe verspüren Sie? Dann hat er Ihre Angst geteilt und neue Gefühle erweckt. Durch mich für Sie. Kommen Sie, begleiten Sie mich noch ein Stück,es gibt noch vieles zum Teilen.

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