Von der Fähigkeit des Igels, sich nicht selbst zu verletzen

von kaetheknobloch

Er mag ja so gar nicht im Mittelpunkte stehen. Will in Ruhe seinen Igelgeschäftigkeiten nachgehen, ein wenig rumfauchmosern ab und zu, bißchen Laubgewühle und vor allem ein feinstilles Plätzchen, was ganz ihm gehört. Ich teile meine Äpfel mit ihm und manchmal ein Ei. Biete verschiedentliche Wintermuckelquartiere an, indem ich auf Zweiglaubpingeligkeit pfeife und dulde feinstlächelnd sein nächtliches Gebelfer, wenn er liebeshungrig ist. Dieses Jahr haben wir Dreiigelnachwuchsigkeit, das Gebelfer war offensichtlich erfolgreich. So weite ich das mögliche Revier aus und häufe in bisher unbeigelsiedelten Gartenecken Laubhaufen an. Und siehe da, Interesse besteht. Ein Igelkind schien mir zu folgen. Natürlich konnte ich der Versuchung nicht widerstehen, die Stacheligkeit zu überprüfen und stubste es sachte an. Ein Wimpernschlag nur und aus Neugierigel ward Wehrhaftkugel. Perfekter Schutz, so will mir meinen. Doch wie schafft er es, sich nicht selbst wehzutun? Wenn ich meine Stacheln ausfahre, aus Schutz vor angetragener Verletzung, bereite ich mir immer selbst auch Bewundung zu, allein weil ich mich so einigele. Ich sitze und sinniere, da zeigt mir das Igelkind eine Alternative: Locker machen, einfach mal auf die Hinterbeine stellen und der Welt den verlängerten Rücken zukehren. Ganz schön schlau, so ein Igel.

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