bittemito

Monat: November, 2014

Adventsgrüße aus dem Florallabor

Freundlichfriedliche Adventsgrüße mit einem kleinen Einblick auf das, was mich die letzten Tage tagwerkend umtrieb und immernoch treibt, den auch heute noch kommen Spätadventsschmucksucher. Ich lachweine still vor mich hin, seit heute trocknet die Tinte. Meine letzte Adventszeit hier ist es, im geliebten Florallabor, die nächste wird woanders gewerkelt. Im neuen Floratelier. Puh…

Und was kommt eigentlich bei einer Florallaborateurin auf die Adventstafel im Haus am Ende des Weges? Ein ausgedientes Ziffernblatt. Frohen Ersten Advent:

Ziffernblattadvent

Flugsfernfreundlichfremdfreudenfragment

„Pardon, Sie winken immer so freundlich über die Strasse und geben mir dadurch das tolle Gefühl, Sie freuten sich, mich zu sehen. Warum machen Sie das denn?“

“ Nun, ich freue mich einfach, Sie zu sehen.“

„Oh…“

Dieser Wortwechsel geschah gestrig vor dem Floratorium, machte den älteren Herrn offenmundstaunend und paßt wunderbar zu einem anderen Freundlichwinken, welches schreibend mir wiederum angetragen. Die Karfunkelfee ließ sich von meinem Katertraurigtext inspirieren und schuf ein treffliches Poem. Danke dafür und ich winke freundlich zurück.

Das hat keine Kreatur verdient.

Es gibt Texte die kaskaden sich silbersilbenschimmernd in den Monitor, befingerkuppen nur die Tastatur. Schmiegen sich in die lesenden Pupillen und breiten sich warmgefühlig im ganzen Leibe aus. Diese Texte gelingen flatterspielerisch, wortflanierend. Jeder mag sie und sogar man selbst möchte im eigenen Wortbad sich ergötzen. Und dann gibt es Texte, Wortfragmente eigentlich nur, an denen erstickst du geradeherzu. Die Wortdornen verhaken sich in deiner Kehle, du gollumst sie mühsam heraus als seien sie Fischgrätgewölle. Schaust mit schmerzenden Augen auf dieses Grobwortpuzzle, möchtest deine Boots anziehen und immer wieder in diesen Dreckbuchstabenhaufen reinhacken, bis die Worte sich verstieben. Läßt es sein, löscht den ganzen Unrat. Doch in dir drinnen kannst du ihn nicht löschen. Redest dir ein, du könntest die Worte doch bannen, die in dir tobend hurrikanen. Und krakelst erneut ungelenke Wortgestänge.

Vorsicht, der nachfolgende Text ist ein schmerzbitterer. Er tut richtig weh, mir und dem Leser. Ich beschreibe die letzten Minuten eines Katzentieres, welches überfahren wurde. Ich tue dies nicht, weil ich sensationsgeil bin, sondern weil das Entsetzen über manche Zeitgenossen und deren Ignoranz gegenüber dem Tod mich nicht ruhen lassen. Es ist mir schlichtweg ein anprangerndes Bedürfnis.

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Ehrlichlautundhartherrlichrumhotterei

Glücklich, wahrscheinlich ein wenig dümmlichbeseeltlächelnd hockst du dann in der Dusche, weil deine Füße streiken nach der stundenlangen Rumhotterei, wäscht dir das Bier aus den Haaren und den ehrlichen Schweiß vom Körper. Deine Waden sind fest und hart und die Handflächen brennen. Die ersten Blaufleckorden manifestieren sich auf deiner Haut, jeder wie ein inniger Kuß gleichgesinnter Musikkemaiden und Krachklanggesellen. Summst leise weiter die gehörten Melodien, als hätten sie Besitz von dir genommen, wissend, daß du morgen, was ja eigentlich schon heute ist, mit ziemlicher Kratzigkeit in der Stimme reden wirst. Dein Lächeln wird zum breiten Grinsen, als du dir die vergangenen Stunden erneut verinnerlichst, sie kwasi eintätowierst in deine Gutezeiteninnenhaut. Die Hinfahrt, Körper an Körper zusammengepresst, Musikke dröhnt und das erste Bier schmeckt auch schon. Dann das Anstehen im wilden Haufen. Anstehen? Es wird bereits gehüpft. Die klarkalte Novemberluft macht die ersten Körper dampfend. Die Halle empfängt dich und alle anderen mit vibrierendem Summen, als wüßte sie, was in den nächsten Stunden in ihrem Inneren abgeht. Als teile sie, was in einem jeden hier innenleibig purzelbaumt. Und mit den Tönen bahnt es sich nach außen. Leben. Lautes, hartes, ehrliches Leben. Du mittendrin. Tanzend, singend, klatschend. Trinkst fremdes Bier, teilst deines. Jemand hält dir eine selbstgedrehte hin. Klar nimmst du tiefe Züge von dem würzigen Zauberzeugs. Heute, hier, genau jetzt ist das das einzige, was natürlich erscheint. Fällst in fremde Arme, umarmst selber klatschnasse Leiber. Keiner geht hier zu Boden, die pulsierende Masse hält jeden fest, wird zu einem Organismus, der sich zu einem Rhythmus bewegt. Irgendwann spuckt dich der Pulk aus, jemand reicht dir deine Kette, die wohl verlustig und ein anderer ein weiteres Bier. Fordert lachend einen Kuß als Dank, den du knallkrachend auf seine Stirn ihm gibst. Nur kurz die Pause, du willst wieder mittenrein in diesen Strudel aus Armen und Schultern und Beinen, wissend, daß du besonders geborgen bist, klein zu sein ist hier ein Vorteil. Irgendjemand hat immer ein Auge auf dich. So wird der Abend zu einem einzigen Rausch. Die Letzteliedwette hast du diesmal verloren, deine Bierschuld dafür tilgst du, wenn der letzte Ton verklungen und das kalte Hallenlicht die Spuren des Abends offenbart:  zerranschte Menschenkinder, glückstrahlend und beseelt. Deine Blume? Die hattest du schon vor Stunden verschenkt.

Zeitmangelfremdgutbepuschelung

Hey, was ist denn los mit dir! Novemberblues, meinst du? Hier für dich. Ganz allein für dich und dich. Zwo Famosgesellen und sogar mit Höschenzubodengleitenlassenstimme! Laß die Tränen, die der beißendkalte Novembermorgenscharfwind dir in die Augen trieb die einzigen des Tages sein. Listen to the man:

Wirliebenkurvenspanky

Seit Tagen gurkt ein Transporter durchs Provinzstädtchen und wirbt mit dem selten dämlichen „Wir lieben Kurven!“-Spruch und einer selbige haltungstechnisch herausstellenden Schönen. Beworben wird ein Transportunternehmen. Spanky rappelte sogleich in seinem taschigen Immerdabeiversteck, allein er mußte sich gedulden. Dann gelang uns in einer Nachtundnebelaktion erfolgreich, Spanky zu entsenden. Ich präsentiere: Die Dokumentation der Dokumentation. Bittefein:

Kurvenspanky

Verwegene Verse XXV Hr.Hund & Frl. Schneefeld Version

Letzthin in den Kommentaren entstand spontan ein Verwegener Vers für Herrn Hund. Da soll er nicht allein bleiben, sondern auf das Bonfortionösprojekt kann manschrägstrichfrau nicht oft genug  hinweisen. Hier lesen Sie Einzelheiten und wie Sie helfen können, daß dies kein Schokolädchenbuchstabenträumchen bleibt. Weil ich an dieses Herzensprojekt glaube, werfe ich mal eine meiner Musenmaiden in die Waagschale: Jeder Hunderteurospender bekommt von mir einen eigenen Verwegenen Vers. Ja, nur einen Hunny für eine echte Knoblochinnige Verwegenverversung. Fast geschenkt. Geschenktiger, Pardöngsche, geschenktischer ist nur das Feinsthandnotatversprechen dieser Verwegenen Verse:

 

Ich kennmag da einen Herrn namens Hund,

der macht mich oft augenstaunkugelrund.

An seiner Seite ein kapriziöses Mägdelein,

sowas kann nur ein Famosliebpärchen seyn.

Ein eigener Laden, so ganz schokoverwegen,

der soll Naschereylesegutliebhaber bewegen,

ihnen zur Seite zu stehen und viele Moneten,

(Tja, auch da ist halt Mammon vonnöten!)

zu spenden von Herzen und so zu teilen,

um später in einem Feinladen zu verweilen,

nur zu einem Feinzweck, der einen Option:

der Verführungsbuchschokoladenrevolution!

Nun beginnen so Revolutionen ja im kleinen,

nicht lautrebellierend, wie wir immer meinen.

Verführung kommt oft stillzartsachtleise daher.

Wir lesen oft stille und wohl nicht von ungefähr,

schließt das Naschen auch eine Feinwortstille ein.

Oft mag nur ein seeliges Seufzen zu hören seyn.

So seufzen hören möchte ich diese Zwobeiden,

doch dafür läßt es sich wohl nicht vermeiden,

vorher ordentlich Krachgelärmgetöse zu machen,

wie das so ist bei allen den Beglückereysachen:

Wer seufzen will, muß es erst krachen lassen,

dann werden auch die Schokoseufzer passen…

Das Krachlärmgetöse, ich bitte um Handgeklicker

und hoffe auf ausreichend Monetenwechseltrigger.

Jetzt seufze ich erstmal stillwortverkaufsverlegen.

Mein erstes Mal? Mitnichten, ich kann es belegen

Treugefährtenabgesang

Nun haben wir ihn verhökert. Teile von ihm werden anderstkontinentend weiter ihren Dienst tun. Mir bleiben nur ein paar Kopien und ich sentimentales Bullyliebchen, ich flenne wegen Kürzeln, Fragmenten und Zahlen: 70X02C, 283599, 〈1/min〉 777; 776; 774; 775, ach, wäre er nur ein Transportmittel gewesen! Er war Lebensretter, Nächtequerer, Ampelverlacher, Umzugshelfer, Letzttrostspender, Neulebverkünder, Schlafstattbereiter, Festivitätsbegleiter, Silversurferbühne, Stadteroberer, Landflüchter, Abschlepper und so vieles mehr, als AC 714, 2810, 〈°C〉 85 i.O. # und was da noch so alles papierend mich erschauern läßt. Albern vielleicht, doch naheliegend der Freugedanke an dieses eine gemeinsame Bild. Was für ein Glück, damals zu schnell gefahren zu seyn. Ein einziges Mal und ich habe es aufbewahrt, diese Blitzdingsbild. Danke, mein treuer Gefährte, mögen dir deine nächsten Nutznießer wenigstens ansatzweise so kleinstteilig gewogen seyn, wie ich es dir im Ganzen war. Adieu, treuer Bully, ich danke dir.

Bully ade.

Entscheidungsfindungsfeldgeschichte

Wann die endgültige Entscheidung fiel, fragst du mich? Da muß ich nicht nachdenken, er hat sich mir verinnerlicht, dieser Moment, da auf dem Acker, unterm immer Friedvollblick des Spiegelmondbruders, der sich gerade mal wieder davonmachte, sich im ewigen Keislauf ausdünnnte für unseren Blick ja nur. Da, auf schwarzfeuchtmodriger Erde in kristallklarer Kaltnacht zwischen den letzten Grünbrennesseln, die durch die dünnen Strümpfe hindurch mich brennend wachgeküßt, dort fiel die endgültige Entscheidung. Es war ein Fastvierundzwanzigstundentag, der mich schwach und unaufmerksam machte und einen Abriß der letzten zehnzwölf Jahre in sich barg. Wo das elfte festgeschrieben, fragst du mich. Das weiß ich nicht, das war das Fastganzjahr, in dem ich kokonig ruhte. Das hat jemand anderes für mich gelebt. Doch nun lag ich da, auf kalter Ackerkrume, deren Nässe mir langsam in die Gewänder schlich, sah auf in das friedliche Sternengefunkel und hatte keine Ängste mehr. Spürte den Schmerzen nach, der rechte Ellenbogen summte mir ein Lied vom ewigen Leid, was in jedem Menschenkinde wohnt, Schulter und Bein pulsierten im Rhythmus des warmen Blutes, noch keinen Stillstand versprechend. Ich nahm auch die schwere Last des Rades auf meiner Brust wahr und fühlte am Hals die metallne Spitze des Bremshebels. Die heiße Wärme des Alkohols, denn ich hatte mit meinen Freunden zuvor gezecht, sie ließ langsam nach. Nun, gezecht ist nicht das richtige Wort, wir stritten und diskutierten und weinlachten und bauten die schönsten Luftschlösser, nur um sie gleich Seifenblasen sofort wieder platzen zu lassen. Und tranken Wein. Zuviel, dachte ich da liegend, auf dem Acker, dem mich haltenden. Doch nicht Bedauern und Resignation füllten die Gefäße, die der wärmende Alkohol bislang besetzte, sondern eine unbändige Lebensfreude und Lust und ein Mut, größer als ich ihn je fühlte, ließ mich bärenkräftig werden. Die Schmerzen schlichtweg ignorierend schob ich mit Leichthand das Altrad von mir, erhob mich und auch das Rad und zerrte es runter vom Acker, zurück auf den im Mondlicht silberig schimmernden Weg. Blickte noch einmal auf die Stelle zurück, auf der ich zum Sturze kam, doch die hatte schon die Schwärze der Nacht aufgesogen. Auf einmal fügten sich Herz, Bauch und Kopf zu der einzig möglichen Einigkeit. Und das war der Augenblick, in dem ich mich entschied: Es war Zeit, weiterzugehen.

Gepäckstückgesichtgedicht

Der famose Herr Ärmel ist ein phantastischer Bildmuserich. Seine Bilder sprechen ja immer für sich, aber manchmal, da sprechen sie auch eine ganz eigene Sprache. Wie hier, in diesem Bilde, welches ich mir freundlicherweise liebstehlen durfte:

© Herr Ärmel fotografieundtext.wordpress.com

Wenn Menschen verreisen, so in die Ferne,

dann nehmen sie Koffer mit doch sehr gerne.

Auch Taschen, Tüten, sogar Bündel fahr’n mit,

was dieses Feinstbild ja beweist und somit

auch das Eigenleben des Reisegepäcks.

Ja, da schauen Sie plötzlich perplex!

Guggen Sie mal genauer die Koffer an:

Der metallne, der frei lächeln kann,

da links oben, trägt nur ein Bündel.

Hockt weich, geborgen wie ein Mündel.

Der Einstockwerktieferkopfkrawummste

auf den die restliche Last plumpste,

schaut hingegen etwas schiefermaulig

vielleicht riechts aus der Taschen faulig,

die unter ihm so zusammengepresst.

Und noch was mich aufmerken läßt!

Der Dunkelrotrüberlinser von nebenan,

der hat doch sicher einen listigen Plan.

Dem Lächelkoffer den Platz zu klauen,

würde er sonst so listlinsig schauen?

Und dann ist da noch der dritte dabei,

da angstvollstaunend, in Reihe Zwei

der Zwotetagigblaukoffer, der denkt:

Scheißreisen! Von mir aus geschenkt!

Wie war es doch beschaulichschön,

auf dem Schranke nur rumzustehen,

 Wollmäuse und Staubflusen  zu horten.

Dieses doofe  Gekutsche zu Fremdorten

und immer dieser Zoll!

Ich hege Groll!

Keinen Groll hegt ein anderes Feinstgesichtchen im Haus am Ende des Weges: Mein ehemaliges Zigarettenschatzkästchen. Hat mich lange treu begleitet und ist mir offensichtlich auch frühberentet wohlgesonnen:

Kästchengesicht