Gepäckstückgesichtgedicht

von kaetheknobloch

Der famose Herr Ärmel ist ein phantastischer Bildmuserich. Seine Bilder sprechen ja immer für sich, aber manchmal, da sprechen sie auch eine ganz eigene Sprache. Wie hier, in diesem Bilde, welches ich mir freundlicherweise liebstehlen durfte:

© Herr Ärmel fotografieundtext.wordpress.com

Wenn Menschen verreisen, so in die Ferne,

dann nehmen sie Koffer mit doch sehr gerne.

Auch Taschen, Tüten, sogar Bündel fahr’n mit,

was dieses Feinstbild ja beweist und somit

auch das Eigenleben des Reisegepäcks.

Ja, da schauen Sie plötzlich perplex!

Guggen Sie mal genauer die Koffer an:

Der metallne, der frei lächeln kann,

da links oben, trägt nur ein Bündel.

Hockt weich, geborgen wie ein Mündel.

Der Einstockwerktieferkopfkrawummste

auf den die restliche Last plumpste,

schaut hingegen etwas schiefermaulig

vielleicht riechts aus der Taschen faulig,

die unter ihm so zusammengepresst.

Und noch was mich aufmerken läßt!

Der Dunkelrotrüberlinser von nebenan,

der hat doch sicher einen listigen Plan.

Dem Lächelkoffer den Platz zu klauen,

würde er sonst so listlinsig schauen?

Und dann ist da noch der dritte dabei,

da angstvollstaunend, in Reihe Zwei

der Zwotetagigblaukoffer, der denkt:

Scheißreisen! Von mir aus geschenkt!

Wie war es doch beschaulichschön,

auf dem Schranke nur rumzustehen,

 Wollmäuse und Staubflusen  zu horten.

Dieses doofe  Gekutsche zu Fremdorten

und immer dieser Zoll!

Ich hege Groll!

Keinen Groll hegt ein anderes Feinstgesichtchen im Haus am Ende des Weges: Mein ehemaliges Zigarettenschatzkästchen. Hat mich lange treu begleitet und ist mir offensichtlich auch frühberentet wohlgesonnen:

Kästchengesicht

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