bittemito

Käthe Knobloch. Bitte mit O. Erst ein Ä und dann zwei O.

Monat: Januar, 2015

Elfseltenefamoslzfragen

Der hochverehrte Versteckte stellte interessante Fragen, deren Beantwortung ich mich keineswegs entziehen konnte und wollte. Flugs ein Zeitfensterchen genutzt und den Fragenstapel umgeschichtet:

1• bestücke einen Koffer mit 11 Dingen für eine 11 tägige Reise.

1 zwote Garnitur Unterwäsche, 1 zwotes Paar Socken, 1 Langkleid, 1 Kurzkleid, 1 Edelstola, 1 Polarfleecestola, die Kulturtasche, 1 Tube Reisewaschmittel, meine Adressundtelephonnummernkladde, die kleine Schreibkladde und das Ausweisundkartenledertäschchen.

2• welche 3 Bücher würdest du ohne Zweifel empfehlen?

Schiffbruch mit Tiger, Malevil, Garp

3• wenn das Glück in Bildern darstellbar wäre
welche würdest du wählen?

Hier nur ein miniminimaler Einblick in die Fülle meines Bildglücksfundus (Und das sind nur die geschnappschussten, die Glückswortbilder in mir sind noch schöner! :

4• was unterscheidet sich für dich zwischen Zufall und Schicksal?

Zufälle gibt es für mich nicht, genauso wenig wie Schicksal. Von daher: Kein Unterschied. Alles Handeln ist selbstbestimmt und kommt zu mir zurück, natürlich mit Einwirkung von anderen Menschenkindern, dennoch weder zufällig, noch schicksalsträchtig. Du und ich, wir sind verbunden und eigenverantwortlich für unser Tun.

5• du kannst mehr Zeit bekommen im Tausch gegen::

Noch mehr Zeit? Ich bin doch schon so reich an Sekunden, Tagen, Jahren. Und was söllte ich eintauschen dagegen? Es wäre ja dann ebenso Zeit schlußendlich. Arg ist mir die Zeit, die ich durch böse Dummheit, Ignoranz und Behördensturheit verschwende, nicht anderweitig sinnvoll einsetzbar ist sie. Diese Zeit möchte ich gern  intensiver nutzen, aber mehr muß sie nicht werden.

6• glaubst du an das Unmögliche und wie könnte es beschrieben werden?

Das Unmögliche ist im schillernden libelligen Flügelschlag, im kraftvollen klangkaskadigem Jubel der Lerche, im Neigen der raunenden Gräser, im Reifen des rotbäckigen Apfels, in der unsichtbaren Stärke des Myzels im duftenden Waldboden und im Ewigkieselgekoller an singenden Gestaden. Es ist im Sprung der Grashüpfer, im Einzigartigmuster des Eiskristalls, im schweren Gebrumm der Hummel und im Umwerfendzartduft des winzigen Veilchens. Das Unmögliche ist in der perfekten Harmonie des Tango tanzenden Paares genauso wie in augenwassernder Photographie, es wohnt in Zauberreimen und in Melodieen, die durch das Herz man vernimmt. Es balanciert auf Seilen oder tanzt weißröckig Spitze, es macht Kwatsch und lacht, bis es weint oder schallt als Echo zurück. Und manchmal, da ruht es einfach in einem anderen Augenblick, das Unmögliche, das immer möglich ist.

7• welchen Sinn macht für dich Philosophie?

Genau diesem Unmöglichen andere Namen zu finden.

8• du könntest nicht die Welt retten aber 3 Möglichkeiten hast du dennoch. Nenne sie.

Ich ließe sämtliche Waffen vernichten, würde Besitz abschaffen und bäte alle Religionen, sich an einen Tisch zu setzen. Naiv, ich weiß, aber wenn etwas aussichtlos erscheint, ist kindliche Unbedarftheit manchmal nicht die schlechteste Wahl.

9• es werden Personen gesucht für eine BrainReise ins Jahr 3050. Ausgang ungewiss.
Würdest du daran teilnehmen?

Nein. Mein Brain bleibt bei mir in meiner Zeit.

10• nenne 3 Begriffe/ Bereiche die dein Denken durcheinander bringen.

Politik, Überraschungen jedweder Art und alle Formen von Kunst.

11• was würdest du nie tun?

Mein eigenständiges Denken und Hinterfragen aufgeben, aufhören, an die Kraft der Liebe zu glauben und die Natur als wertvolles Geschenk anzusehen.

Ein ragnarökisches Sinnen, traumwärts vernommen

Harre ruhig noch ein Weilchen bei mir aus, mein graustaubmüder Krieger. Wie willst du so abgekämpft denn neue Welten erobern dir? Laß deinen Wunden die Zeit, die sie brauchen, um weißliniennarbig zu werden. Meine Hände sollen heilende sein, ich will sie auf deiner heißen Haut kühlend ihre Sanftdruckwohltaten vollbringen lassen. Mein Daunenweichhaar soll deinen Unstetflackerblick bevorhangen, wenn ich mich über dich beuge um mit warmnektarischen Lippen dein heiseres Stammeln verstummen zu lassen. Ich küsse dir die die Schlüsselblätter, bis jede Pforte mir zu dir sich öffnet. Leg deine Waffen zur Seite, die müden Arme können sich auf meinen Sanfthügelhüften zur Ruhe legen und deine Hände, sie haben doch schon so lange die tröstlichen sanddünigen Rundungen meines Körpers vermißt. Fühle, wie sich mein Athem unter deinen rauhen Händen tuchwebend verdichtet und wie eine Stola aus Blütenstaubfäden deine entblößte Seele umfängt. Lausche dem Geflüsterregen, der wie eine uralte Mär aus meiner Kehle warmlachperlig in deine lärmversehrten Ohren tropft und dich durchdringt, die innere Eisigkeit durch die Poren zu transpirieren. Spüre die Willigkeit meiner Muskeln, sich auf ganz andere Kämpfe einzulassen, als du sie gewohnt. Vertraue der basaltischen Kraft meiner Knochen, sie können deine Schwerlast mittragen und entdecke mit jedem Einlassen auf meine Lieblichkeit, daß ich jetzt und hier vollens die deine bin. Dein Pendant, dein wanesische Zwilling, deine Heilung. Gib dich mir hin, mein  Asenheld, um meine Hingabe annehmen zu können, denn erst dann kann dein Zorn heiß in mir erlöschen und du wirst friedensgewillt ganz neue Welten als erobernswert erkennen.

Cyclamenwinterjungkätzchendufterinnerung

War es ein zeitiger Krachkaltherbstwinter oder ein spätschneebruchlenziger? Wahrscheinlicher erscheint mir in meiner Erinnerung der Herbst, denn die da geworfenen Kätzchen galten seit jeher als schwächlich und weniger lebensfähig. Erinnerungssicher, wie innenhäutig eintätowiert jedoch das Bild: Die fiependen Fellbündelchen mit ihren Nochzuaugenhügeln, wie hindrapiert auf frotteeigem Untergrund da zwischen Ominkels Alpenveilchen im Zwischenraum der Altdoppelfenster. Von außen drückte sich Schneeweißlast gegen das Kaltglas, vom eisigen Ostwind fensterbankig aufgetürmt, innen kroch Beschlag die Scheibe empor, der regelmäßig in den Frostklirrnächten zu schönsten Eisblumen erstarrte. Um ihre geliebten Cyclamen vor Kaltzugluft zu schützen, legte Ominkel winters immer Aussortierttücher an die Holzrahmen und ließ tagsüber die inneren Fensterflügel offen. Das hatte sich die Altkatze, Meutenführerin im Gehöft an der Biegung des Flußes, zunutzen gemacht und ihren Außerderreihewurf zwischen die Blumen gelegt. Um ein paar Tage später für immer zu verschwinden. Ließ uns diese drei Minieigenduplikate zurück. Was tun? Nicht überlebensfähig, so sprach der pragmatische Herr Papa. Meine flehenden Sturzbäche und Ominkels tadelndes Kopfschütteln konnten ihn umstimmen. Doch kein Geheule weiter, wenn es nicht gelänge, die Kitten am Leben zu halten. Die nächsten Tage und Wochen waren Ominkel und ich schwer beschäftigt. Mit kleinen Fläschchen, die einst Winzigbonbons, genannt Liebesperlen, enthielten und in deren Gumminuckel wir Löcher pieksten, zogen wir die Kätzchen von Hand auf. Zwei nutzten ihre Chance aufs Leben, eines ergab sich lieber in den Ewigschlaf. Nach einem Monat bekamen sie gehacktes Fleisch dazu und noch ein Zeitchen später siedelten wir sie stallwärts um. Die Bauernhofkatzenbande, inzwischen mit neuer Rudelführerin, akzeptierte die Neukitten und übernahm die Ausbildung zu Bravourösmäusefängern. Doch unsere menschliche Nähe suchten die zwei immer und waren die ersten Miezen, die von Gehöftkatzen auch zu Schmuseschnurrschätzchen wurden. Beim Schreiben dieser Worte meine ich ihn wieder wahrzunehmen, diesen Cyclamenwinterjungkätzchenduft. Meine Liebe zu Alpenveilchen, Katzen und der Winterjahreszeit habe ich bis heute behalten. Und zu Ominkel.

Viele Jahre später fand sich der passende Klangteppich zu meinen Empfindungen und mit ihm eine neue Allzeitliebe. Das Leben, es ist ein wundersames:

Ganzanderslichteiskristallglanz

Und wieder weicht der laute Frohkindlichjubel einem stummen Staunen ob dieser erhabenen Wintertuchruhe. Mit der Dämmerung senkt sich ein Licht auf die Weitflockenfelder, was nur in dieser Jahreszeit und so selten in dieser sachte geschwungenen Landschaft zu finden ist. Komm, Liebster, komm, wir müssen wieder nach draußen gehen. Dickbesohlt zerknirschen wir die sonst so ackerbraun und spärlichgrün betupften Wege, die Blick und Schritt gen Städtchen neigen. Tauchen hinein in dieses magische Licht, das sich wie stille Fingerzeige auf unsere Lippen legt und das Gemüth erwärmt, als beschiene uns aus unendlicher Ferne ein nie verlöschendes Feuer. Winterwundernde Baumsilhouetten strecken ihr Dunkelsehnen himmelwärts und mit ihnen weitet sich auch die Seele aus. Erste Kunstlichtkegel bündeln den mäandernen Blick und mit Tiefstathemzug kompaktiert man sich selbst. Kehrt zurück in das Hier und Jetzt, bis fast zum Rande gefüllt der Dankbarkeitspokal, den man wieder und wieder zu leeren bereit ist. Ein Schneepflug zivilisiert die Winterwildflockenstraße, statt Schneeknirschkulisse schmatzt gelaugter Pamps untersohlig. Komm, Liebster, komm, wir machen noch einen weiteren Weg durch den Park mitten in der Stadt, in dem weitere Baumwunder wohnen, die unser harren. Sie warten allzeitengefällig bereit, unsere Blicke weg vom Zuvieldioptriengeflimmer zu lenken. Und neuknirschschrittig kehrt auch das Ganzanderslicht zurück und schwappt trunkenmachend für einen kurzen Augenblick über den Rand.

Faktenstattfragenfamosstöckchen

Das entzückende Fräulein Meichy haute mir einen echten Knorren in den Vorgarten auf den Stöckchenberg. Und weil Selbstreflexion famos fetzt, nahm ich den gernst an. Sieben Fakten über mich, das Vergnüglichkeitsbeenebaumelgör freut sich schon über die geheimen Tatsachen, die es nun ausposaunonieren darf. Los gehts:

→ Ich habe genau einmal im Leben gestohlen. Als Junggör fuhr ich zweimal die Woche zum Bäcker, Brot für die ganze Sippe einzuholen. Einmal, mich unbeobachtet wähnend, friemelte ich ein Minischokotäfelchen, das schon halb unter der Glasscheibe hing, raus und steckte es ein. Die donnernde Abreibung der Bäckersfrau machte mich für immer zum Undieb.

→ Ich habe ein Ohrringlöchlein mit einem Blindgang. Der Anblick eines Punks mit einer Sicherheitsnadel im Lauschläppchen faszinierte mich. Beim Versuch, mir selbst eines zu stechen im zarten Alter von fümpfzehn Jahren, kippte ich um.  Der zwote, beherztere Anlauf gelang.

→ Ich bin zertifizierte Besamerin. Da ich ursprünglich eine Ackerdame und Viehdompteurin bin und Besamer dringend gesucht wurden, übernahm ich diesen Job. Ich war die jüngste im Kurs, noch nicht volljährig, aber ein Naturtalent. Moment, habe ich da nicht irgendwo einen Text angefangen hingekladdet…

→ Ich bin schonmal Dritte bei einem Misswettshirtevent geworden. Jaja, jung und geldbrauchen und so. Immerhin gewann ich da die Sympathie und Zuneigung eines Barbesitzers, der mir einen Job in derselbigen vermittelte. Hu, da fällt mir die Essensliftgeschichte ein, gleich Eckdaten kladdig notieren…

→ Ich habe bis unter die Schädeldecke zugekifft mal meinen damaligen besten Freund schier verprügelt, einen Fastzweimeterhünen. Er flüchtete aus meiner Wohnung, die ich dann eigenhändig rockstarlike verwüstete. Am nächsten Tag beschloß ich, mit dem Scheiß aufzuhören und habe es bis auf Minimalausnahmen geschafft.

→ Ich habe schonmal einen fremden Menschen für Sex bezahlt. Es war mir ein Bedürfnis, zu erfahren, was das für ein Gefühl ist, jemanden für Zärtlichkeitenaustausch zu bezahlen, wie es sich anfühlt, jemanden zu benutzen und wieviel Wahrheit dann noch der Sinnlichkeit innewohnt. Ich war positiv überrascht.

→ Hier stand etwas, was viel zu persönlich mir dann doch erschien und nicht angemessen einem öffentlichen Blogeintrag. Gut, doch immer selbst nochmal gegenzulesen. Statt dessen ergänze ich einen blogspezifischen Fakt für alle Neuleseäuglein, die ich gleichzeitig Herzlich Willkommen heiße und Danke für’s Fährteaufnehmen: Ich besterne nicht. Ein Wortlosmagich ist schlicht nicht meines und jedwedes eigentastaturisiertes Bravo! oder Pfui! ist mir hilfreicher als dieses Besternen. Ich hinterlege just mal ein paar Vorlagen, einfach kopieren und einfügen statt die Sterne vom Himmel holen zu wollen.

Bravo!Bravo!Bravo!Bravo!Bravo!

Bravo!Bravo!Bravo!Bravo!

Bravo!Bravo!Bravo!

Bravo!Bravo!

Bravo!

 Pfui!

Pfui!Pfui!

Pfui!Pfui!Pfui!

Pfui!Pfui!Pfui!Pfui!

Pfui!Pfui!Pfui!Pfui!Pfui!

Fremdfreundlichefrohfragmente

* Langsam legt sich der eigentümliche Sprechgesang, diese euphonische Klangsalbe, auf das Gemüth und schwert beständig den Wimpernvorhang. Nicht um gelangweilt in den Schlaf zu fliehen, sondern um allein die Stimmung wirken zu lassen, den Wechsel zwischen Bitte, Ehrfurcht und Hingabe ganz innen zu spüren. War es erst der Blick, der verzaubert ward von dieser stillfeierlichen Pracht unter der Kuppelwölbung, ist es jetzt das Ohr, das aufnimmt, sich weitet und versteht, ohne die Sprache zu kennen. Wir müssen die Religion nicht teilen, doch die Demut, die ihr kniebeugend innewohnt, die stünde uns allen gut…

* Ganz anders nach dem Moscheebesuch das Treiben draußen im Sonnenlichte. Intensiver, noch lebendiger erscheint das hektische Gewusel. Männer, die mit ihren Bärten Kinder zum Kwietschkichern bringen oder lautstark jungbullerige Halbstarke trennen, die ihr Heißmütchen aneinander kühlen wollen. Düfte kitzeln die Nase, verführen zu Fremdspeisung, ohne daß man wüßte, was man da bestellen würde. Unter den Kopftüchern strahlen Schwarzfunkelblicke, schönstens betont mit kühnem Schwung und von Pailletten flitterwiderspiegelnd als Tausendlächeln manifestiert…

* Zuerst mal einen Tee, also einen Ruheplatz finden in diesem basarisch anmutendem Treiben. Sucht euch einen Tisch, ich hole schonmal welchen. Wieviel? Sieben. Gut. Sieben Tee, bitte. Wie bitte? Ja, ich nehme auch ein ganzes Tablett, da finden sich sicher dankbare Gäste ein. Und ehe ich mich versehe, trägt einer der eben noch rumgockelnden Jungheißgemüter mir ein Teegedeck hinterdrein, zehn Gläschen, feinziseliertummantelt und ein Zuckerdöschen…

* Lange kann keiner den wabernden Düften widerstehen. Da wird gebrutzelgebraten, teigausgebacken und orientgewürzverlockt. Die Runde, inzwischen lockergesprächig erweitert, beschließt, einfach von jedem etwas zu probieren. Man teilt selbst den kleinsten Happen. Was? Du hast das noch nicht probiert, hier, ich hab noch was für dich über. Die Teegläschen sind längst ofterneuert, die Tischrunde hatte wechselnde Gäste, Mensch, haste gesehen, der war doch aus’m Rathaus und der Pfarrer war ja auch vorhin da und ja, ich habe auch geschmunzelt, der saß neben dem Imam…

* Nein, wir müssen Religion nicht teilen, aber wir können sie akzeptieren. Denn eines wohnt schon ihrem Wortursprung inne: Achtsamkeit. Beim nächsten Tag der Offenen Tür gehe ich wieder in die Moschee. Denn diese Worte hätte ich auch über eine katholische Kirche schreiben können:

Langsam legt sich der eigentümliche Sprechgesang, diese euphonische Klangsalbe auf das Gemüth und schwert beständig den Wimpernvorhang. Nicht um gelangweilt in den Schlaf zu fliehen, sondern um allein die Stimmung wirken zu lassen, den Wechsel zwischen Bitte, Ehrfurcht und Hingabe ganz innen zu spüren. War es erst der Blick, der verzaubert ward von dieser stillfeierlichen Pracht unter der Kuppelwölbung, ist es jetzt das Ohr, das aufnimmt, sich weitet und versteht, ohne die Sprache zu kennen. Wir müssen die Religion nicht teilen, doch die Demut, die ihr kniebeugend innewohnt, die stünde uns allen gut…

Fantastöslieblulebensfragen

Der famose Lu hat mir bereits letztjährig ein Klafter Holz angetragen. Und weil ich ja irgendwann wieder Ordnung im Vorgarten haben will und zur aktuellen Lage nur Bjäch die Kehle hochquillt, schichte ich nun auch diese Stöckchen auf:

Wofür lohnt es sich, jeden Tag aufzustehen?

Es lohnt sich schlicht, um genau diesem einen Tag eine Chance zu geben. Es muß nicht der beste deines Lebens werden, nein. Aber vielleicht einer von den bonfortionösen.

Wenn du für ein, zwei Tage ein Tier sein könntest, was für eines wärst du gern?

Ein schlaues, familienverteidigendes, waldundflurliebendes, genügsames und ungemein reinliches Schwein. Weil Schweine genau das waren, bevor wir sie domestizierten. Naja, manche dürfen dieses ja noch sein (Zwinkwink zu Herrn Willi).

Hast du einen Traum, den du dir noch unbedingt erfüllen willst? Wenn ja, welchen?

Ich bin in der glücklichen Lage, mir einen meiner Lebenswunschträume erfüllt zu haben und derzeit krawummt meine Phantasie ihn und mich sogar noch weiter in die Realität hinein. Wobei Traum für mich hier als die falsche Definition erscheint. Wann haben wir verlernt, unsere Wünsche genau als solche zu benennen? Keiner meiner Träume deucht mich erstrebenswert, erfüllt zu werden. Meine Wünsche schon.

Wovon besitzt du am meisten? Bücher, Musik oder Filme?

Besitzen? Ich habe kein Buch geschrieben, keine Musik komponiert und keinen Film gedreht. Ich habe gerne mein Scherflein beigetragen indem ich Kunstwerke anderer erwarb und werde es weiterhin tun für das, was ich schätze. Am höchsten stapelt sich der Bücherberg, gefolgt von Musikträgern, anderen Kunstwerken und ein kleines Häuflein Filme.

Hat sich durch deinen Blog etwas in deinem Leben verändert?

Ich habe durch die Inspiration anderer Silbenkapriziösen und Wohlwortgesellen meine ganz eigene Sprache wiedergefunden, neue Kunst für mich entdeckt und Zugeneigtheit aus der virtuellen Welt in meine Realität eingewoben. Mein Famoslieblingspostbote erhält regelmäßig Dankesumhalsungen und meine Schmökerdealerin freut sich über noch mehr Kladden-und Bucheinkäufe. An dieser Stelle ein bonfortionöses Danke an euch alle. Weil es ohne euch diese Knoblochen so nicht gäbe. Na prima, jetzt muß ich in die geblümte Kittelschürze schniefen ob der Scheißherzchensgefühlsduseley…

Was findet sich immer bei dir im Kühlschrank?

Schwarzer Nagellack, Frischgemüse nach Saison, ein Stückchen Parmesan, Schafskäse und Butter. Und ein Philosoph, weil mein Kühlküchenknecht mir schon so oft in schlaflosen Nächten seine Weisheiten von Wohlstand und Reichtum vorgebrummmurmelt hat. In solchen Nächten verwahrt er dann sogar eine Flasche Prosecco für mich.

Schlag das nächste Buch in Reichweite auf Seite 37 auf und poste den dritten Satz und sag bitte, was das für ein Buch ist.

„Meine Geburtsfrau du reißt sie allesamt los die zwölf Zeiger dieser Uhr und ich strecke die Handgelenke über diesen grellen Balkon hinaus der auf dem Reich der Schneehöhlen ruht.“ NOËl ARNAUD aus dem geliebten Rotziegelchen „Das surrealistische Gedicht“. Ich habe den einfach mal so als Drittsatz festgelegt, stelle aber jedem frei, sich selbst einen Satz herauzufischen. Bittefein:

Drittsatz

Gibt es für dich eine Antwort auf die Frage nach dem Sinn des Lebens?

Ja. Das Leben selbst ist der Sinn.

Wer ist deine Lieblings-Filmfigur (ODER -Buchfigur) und warum?

Tuppi Schleife war meine erste Heldin. Es folgten unzählige Buchstabenlieblinge, einen herauzufischen wäre mir unmöglich. Der mir näheste ist aktuell Pi Patel. Den Schiffbruch mit Tiger kann ich aufschlagen, wo ich will, ich verliebe mich sofort wieder in Pi.

Was isst du NICHT?

Industriefertigfraß, Hirn und kalte Tomaten. Wobei ich dankbar bin, nicht dazu gezwungen zu sein. Litt ich erbärmlichen Hunger, ich würde wohl dankbar auch irgendso einen Kartoffelpamps zum Anrühren in mich hineinschaufeln. Mit Tomaten verbindet mich eine innige Haßliebe. Roh und kalt verschaffen sie mir Ekelpickel, doch sobald sie erwärmt, gegart gar daherkommen, munden und bekommen sie mir vorzüglich. Woran das liegt? Keine Ahnung, vielleicht weil wir beide Nachtschattengewächse sind. Ach, Hirn ist indiskutabel, alle anderen Innereien liebe ich.

Wofür hättest du gern mehr Zeit?

Wenn ich das Gefühl hätte, mehr Zeit haben zu wollen, läge es an mir, meine Zeiteinteilung zu ändern. Außerdem weiß ich ja zum Glücke nicht, wieviel Zeit mir zur Verfügung steht. Also gilt es, jedes μ zu nutzen. Sicher würde ich gern mehr Zeit mit meinen Liebstmenschen verbringen und auch mehr Gelegenheiten zum Schreiben haben wollen, doch eigentlich bin ich’s zufrieden, so wie es ist.

Regeln sind da, um sie zu brechen, deshalb auch hier keine weiteren Benennungen, selbst den obligaten Hinweis auf Herrn Guinness verkneife ich mir, sonst krachkrawummst der eh‘ schon Megastöckchenberg in seinem Vorgarten noch zusammen.

Fabulösfürhildeakasarahfragen

Ein Tag kippt in die Dämmerung, an dem ich mich tatsächlich dem süßen Nichtstun ergab. Zumindest dem verentsagte, was ganz oben auf der Dringlichkeitsliste steht. Heute mal Ichichichsein. Dreieinhalb Schneeflocken täuschten morgens Winterigkeit an. Vielleicht kann ich ja den Winter herbeischreiben, indem ich Brennholzstöckchen aufschichte? Es hagelte Stöckchen, ach was, ganze Scheitberge zur Holzeinlagerung. Dieses hat mir die wundervolle Sarah Riedberger aka FürHilde in den Vorgarten gelegt. Als könnte ich dem Hochstapeln je widerstehen! Und los:

Wie viel Platz hat das Bloggen in deinem Alltag?

Es begleitet mich durch mein Tagwerk, im Haus am Ende des Weges bin ich weitestgehend blogabstinent, mit sowieheutigen Ausnahmen. Da stapeln sich die Kladden und angefangene Feinsthandnotate zum Pupillenbeschmeicheln anderer Menschenkinder.

Wie viele deiner Verwandten, Bekannten und Freunde setzen sich mit deinem Schreiben auseinander?

Etliche, manche stumm, manche erzählen mir darob und einige schreiben mir.

Wohin gehst du, wenn du traurig bist?

Zuvordererst in mich. Und trage dann mich und meine Traurigkeit am liebsten in den Lieblingszauberwald. Der hat mich noch immer untraurig gemacht. Was immer hilft, ist schreiben und da ist es schnurzegal, wo ich bin. Das geht überall, kladdig zumindest.

Wann ist die beste Zeit zum Schreiben?

Die beste Zeit zum Schreiben? Immer!

Wann hast du angefangen zu schreiben?

Im Vorschulalter. Ich habe Mama Löwenherz und Ominkel Liebesbriefe in Hieroglyphen geschrieben, in einer Sprache, die nur ihre liebenden Herzen entziffern konnten. Herr Papa wunderte sich darob, duldete es aber neidlos. Das erste Schuljahr war schwierig, die zu lernenden Buchstaben waren so anders als meine eigenen erfundenen. Die Worterfinderey ist mir dennoch geblieben, was natürlich bonfortionös ist.

Welche ist deine Lieblingsjahreszeit?

Ich bin ein Rotwangenwinterliebchen durch und durch. Frost, Klirrkrachkälte, Schneeschneeschnee, ich liebe es. Daß diese Himmelblauschneeleuchtschöntage so rar hier sind, dafür kann ja der Winter nichts. Inzwischen bin ich eichkaterig geworden und sammele meine raren Schneeaugennußküsschen ganz tief in mir drin, horte sie, um von dem Vorrat zu zehren.

Wirst du irgendwann aufhören zu schreiben?

Ich hoffe doch: nie!

In welcher Stadt fühlst du dich am wohlsten?

Stadt? Wohlfühlen? Das war einmal. Als Besuchsstadt ist mir  Dresden unter die Haut geflossen. Mal sehen, ob sich das durch die Ereignisse geändert hat. Dennoch fühle ich mich am wohlsten nur auf dem Lande. Ich kann primaschön alleine sein.

Was liefert dir die Rohstoffe aus denen am Ende ein Text entsteht?

Das pralle, buntschillernde, manchmal zum Schreien komische, oft wohlbefindliche, manchmal zum Heulen gräßliche, doch immer lebenswerte Sein. Die Dinge, die mich umgeben, die Menschen, die mir zugetan und sogar die, die mich fremdäugig anschauen. Die Kreaturen, die mich umgeben und die Flora. Und wenn ich in mich hineinlausche, vermag ich manchmal uralte Geschichten zu vernehmen. Sehe Gestade, die nie mein Auge erblickte, athme Luft, die längst andere Lungen füllte und dann immer wieder diese Musik…

Butterblumenblogkoboldanalogprotest

Gestern las ich es bei der geschätzten Frau Wildgans, folgte dem Link, bat um Hilfestellung und fand erst heute Abend die Zeit, dem für mich Undenkbarem hinterherzugehen. Ich bin entsetzt. Und gleichzeitig purzelbaumt meine Phantasie und sieht ~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~ Elfen, die butterblumenröckchentragend an ihren Moostautränken nippen und erneutem Getanze harren. Rosskastanienstachelpferdchen traben unter deren Flechtennadelblattpalastfenster, gelenkt von Eichelkobolden, die gekrönt von Brombeerrankenkränzchen. Sie sind gekommen in Hasenglöckchenpurpurmäntelchen gewandet, als seien sie kaiserlich, um fern von jedweder Kanzel nur dem einen Allmachtsaltare zu opfern; nämlich dem von der allmächtigen Natur. ~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~ Ich lächele fein bei diesen Kindheitsspielgedanken, hebe den  Wimpernvorhang und lese erneut in der FAZ die nüchternen Worte. Und blogge dies, weil wir beides brauchen. Voranschreiten und Zurückbesinnen. Natur und Wissenweltumspannendesnetz. Nein, ich korrigiere: Natur brauchen wir und das Wissen mit und in ihr unseren Platz zu finden. Sie zu benennen ist in meinen Augen der erste Schritt, sie auch zu verstehen. Muß ja nicht jeder so verspieltsilbenjonglierend es machen wie ich. Aber das Wissen, wie Draußendingelchen heißen und warum, das dürfen wir doch nicht aus unseren Erinnerungskladden streichen! Schlimm genug, daß kaum ein Kind mehr auf Haselbäume klettert oder am Brombeerankenbache Wasserrädchen baut, Blumenelfen entdeckt und von Eichenkobolden sich necken läßt. Jetzt wird ihnen noch die Benamsung vorenthalten! Ich bin wahrlich entsetzt. Sicher auch dankbar für das Wissenweltumspannendenetz, doch was wird übrig bleiben?

Winterweihnachtswonnewegeerinnerungsnotat

Schnee hat sich stillfeinsttuchig über das Gelärme der Welt gelegt. In jedem Laternenstrahlumkehrkegel webglitzert es sterntalerig auf uns herab, ich kann nicht anders, tanze, lache, singe… Hebe mein Antlitz ihnen entgegen, mir ist, als könnte ich eine von ihnen sein. Ein feinzarter kostbarerer Kristall, zackenkantigglitzereigen und doch ein Abbild vom Großen und Ganzen. Unverwechselbar in vollkommener Schönheit und Harmonie. Wir laufen leisesohlenknirschig die Wege meiner Kindheit am sich schlängelnden Fluß entlang und während ich anfangs vergnügtplapperig immer neue aufquellende Erinnerungen beschreibe, wie die vom Winterrotwangenmädchen, wird mein Geplauder immer verhaltener inmitten dieses Weißwonnewunders. Ehrfurchtsvollstaunend ob dieser vom Himmel gefallenen Schönheit, deren Gleichmaß und Ruhe sich auf das eigene Gemüth überträgt, lasse ich mein Antlitz sachte von Kristallküssen kitzeln. Das Auge zerfließt einfach in dem weißschwarz der Umgebung und löscht die Grellheit der künstlichen Lichter, die modernlebig sich eingebrannt. Die wenigen, die dieses Flaniergewunder lichtmalerisch begleiten, sie sind Synapsensalbe. Und so reicht ein einziger Winterweihnachtsspaziergang sogar in der Erinnerung und ich bin wieder ganz die eine, heile.