Letztraunachtgedankenfetzen

von kaetheknobloch

Japsend raus aus dem Schlaf, ein neuer Alb, der kichernd mit einigen alten sich paarte. Nicht schon wieder so eine molkesaure Angstnacht, denke ich, hast doch gerade erst ein paar alte Mahre gebannt.  Und mit dem Hochschrecken ein ganz anderer Gedanke, der mir das Schwungrad der Denkapparatur in eine neue Richtung schubst. Was, wenn das alles eingewoben, natürlich ist es eingewoben, das weißt du doch längst; und wenn Nachtmahre die Spiegelbilder der Tagängste sind und du hast dich entgegengestellt und hast sie vertrieben und somit gebannt und das hier ist der letzte Versuch, dich doch noch zu kriegen, an deinen wehrlosen Gliedern zu zerren, dich anzugeifern mit trübgierigem Blicke, zahnfletschend dich zu zermürben, schlotternd zu machen und blickängstlich, waidwund durch nichts als Traumbilder? Was? Und wenn es so ist? Was du am Tage verjagtest, auch nächtens dich fürchtet und flieht?

Ich stehe auf, mein Körper fühlt sich nachmarathonigschwer und starrsteifungelenk. Der Kühlküchenphilosoph murmelt seine Sattundzufriedenweisheiten vor sich hin, die Uraltheizung zwitschert ihre Warmmurmeligmeinung hinzu. Ein Ruhigathmen zieht durch die Räume und auch mein Athem vertikalisiert* sich. Setze mich von Kerzenlicht warm umflackert an den Küchentisch und blättere in uralten Notizen und Briefen. Finde ein Notat von Richard und denke an ihn und seine Liebe und wie allumfassend tröstlich doch das Wissen um eine gerettete Seele ist. Und mache für diese Nacht meinen Frieden mit den Wirren, denen ein Menschenkind manchmal  ausgesetzt.

Licht

Der Spiegelmondbruder, bei Einbruch der Nacht noch wie kräftesammelnd in Kahlästen ruhend, hat sich indess über den Giebel geradschlagt und zwinkernd mir aufmunternd zu. Richtig so, Käthe, ermorse ich aus seinem Warmrückstrahlleuchtgesicht.

* Vertikal Athmen ist eine Wortschöpfung des verehrten Alltagsphilosophen, die ich gern in mein Vokabular eingepflegt habe. Danke nochmal, lieber Michael.

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