bittemito

Monat: Februar, 2015

Liedschlecht-Ohrschmerztexte Kübelkapitel 1

Neulich sprang mich ein Lied an, biß sich in meinen Lauschlappen fest und verursachte heftigstes Weh. Ich konnte nur durch inneren Widerspruch eines Festsetzens mich erwehren. Es gibt Lieder, die agieren zeckig, man muß sie von Hand entfernen, bevor sie sich zu sehr festsaugen. Denen sei diese Rubrik fürderhin gewidmet, eine Liedschlechtdeponie sozusagen. Angeliefertes Kübelgut wird gerne kostenlos entgegengenommen, heute schütte ich den ersten Kübel aus:

Hallo, hallo
Bist du auch so gelangweilt,
Genervt und gestresst von der Enge der Stadt
Bist du nicht auch längst schon müde
der Straßen, der Menschen, der Massen
Hast du das nicht satt?

Hallo, hallo zurück erstmal. Gelangweilt, genervt, gestresst und müde zugleich? Ja, das klingt tatsächlich nach Übersättigung der schlümmpsten Wortart.

Ich kann nicht mehr atmen
Seh kaum noch den Himmel
Die Hochhäuser haben meine Seele verbaut
Bin immer erreichbar und erreiche doch gar nichts
Ich halte es hier nicht mehr aus

Gut, das alles klingt nachvollziehbar, wäre auch kein erstrebenswertes Leben für mich.

Lass uns hier raus
Hinter Hamburg, Berlin oder Köln
Hört der Regen auf Straßen zu füllen
Hör’n wir endlich mal wieder
Das Meer und die Wellen
Lass und gehen, lass uns gehen, lass uns gehen

Bitte? Meer- und Wellengesäusel hinter Berlin oder Köln? Und kein Regengeprassel mehr auf den Straßen? Äh, was meinste denn damit? Regnet’s da nicht mehr oder biste der Annahme, da gäbe es keine Straßen mehr? Und überhaupt: Lass uns hier raus, lass uns gehen; wer soll dich denn lassen? Haste keinen eigenen Willen? Ich fange an, mir Sorgen zu machen…

Hinter Hamburg, Berlin oder Köln
Hör’n die Menschen auf Fragen zu stellen
Hör’n wir endlich mal wieder
Das Meer und die Wellen
Lass uns gehen, lass uns gehen, lass uns gehen

Häh? Oh, Pardöngsche, du meinst ja, hier werden ja keine Fragen mehr gestellt. Nun, das macht die Sache jetzt ein wenig kompliziert. Ich versuche es trotzdem: Ich entnehme der erneuten Feststellung, daß man hinter Berlin und Köln das Meer hören zu wünscht, einen gewissen geographischen Mißstand und ersuche um Aufklärung, wieviel Hinterlandmeter hinter Berlin oder Köln denn so gänzlich ohne Straße und/oder Regen denn wohl durchschritten werden wollen. Für den Fall, man würde gelassen. Gelassen werden im Sinne von Entspannung wäre die Alternative.

Die Stadt frisst die Ruhe
Mit flackernden Lichtern
Schluckt Tage und Nächte in sich hinein
Gehetzte Gesichter in der drängelnden Masse
Jeder muss überall schnell sein

Das klingt nun wirklich grauenvoll. Es und der Text kann gar nicht schnell genug weitergehen. Da kann ich der Notwendigkeit des Schnellseins nur zustimmen, wenn auch ohne gehetztes Gesicht.

Zwischen den Zeilen hab ich gelesen
Dass wir beide weg von hier wollen
Wir stecken hier fest
Verschüttet im Regen
Und träumen vom Sommer in Schweden

Bei aller Wiesenwesenwillen, warum ist denn der Regen immer das Problem? Oh, keine Fragen im Hinterland, ich vergaß… Ohne Regen, da haben die Menschen erst richtig Sorgen! Die Zwischenzeilenleserei an sich fetzt ja bekanntermaßen ungemein, aber in Aufbauanleitungen für Pseudoschwedischemöbel steht meist nur gequirlter Scheiß. Da reimt sich dann schonmal genuschelt Schweden auf Regen. Auf Regen…  Aufregen tue ich mich auch über das Verschütten im Regen, ich würde ja nachfragen, aber ich muß ja aufhören, Fragen zu stellen, hier im unverschüttetem meeresrauschendem Hinterland. Ohne Straßen zudem.

Lass uns hier raus
Hinter Hamburg, Berlin oder Köln
Hört der Regen auf Straßen zu füllen
Hör’n wir endlich mal wieder
Das Meer und die Wellen
Lass uns gehen, lass uns gehen, lass uns gehen

Wennde wüßtest, wie sehr ich mich inzwischen gehen lassen könnte! Mannmannmann…

Hinter Hamburg, Berlin oder Köln
Hör’n die Menschen auf Fragen zu stellen
Hör’n wir endlich mal wieder
Das Meer und die Wellen
Lass uns gehen, lass uns gehen, lass uns gehen

Ooooooh…

Bitte, bittebittebitte, ohoooooohe doch einfach weiter! Ich frage auch nix mehr und ohoooooohe inbrünstig mit! Ich hätte auch ein Feuerzeug dabei, wegen des Hymnenfaktors. Man könnte sogar ohooooooend Wellengeräusche imitierend, doch das geht. Brandungsimitat kwasi…

Lass uns hier raus
Hinter Hamburg, Berlin oder Köln
Hört der Regen auf Straßen zu füllen
Können wir endlich mal wieder
Entscheidungen fällen

Ooooooh, jetzt hätte ich mich schier vertexthaspelt! Wow, Entscheidungen fällen, da bin ich sofort dabei! Einen bessere Schlußsatzsteilvorlage könnte es nicht geben:

Hier bin ich raus! Hinter Hamburg, Berlin oder Köln, hör‘ ich auf, meine Ohren zu quäl’n. Kann endlich mal wieder mein Urteil fäll’n: Ich bin wirklich raus aus der Nummer. Meine Ohren schmerzen. Wer nochmal möchte, bitte, aber ohne mich:

Lass uns hier raus
Hinter Hamburg, Berlin oder Köln
Hör’n der Regen auf Straßen zu füllen
Hör’n wir endlich mal wieder
Das Meer und die Wellen
Lass uns gehen, lass uns gehen, lass uns gehen

Hinter Hamburg, Berlin oder Köln
Hör’n die Menschen auf Fragen zu stellen
Hörn‘ wir endlich mal wieder
Das Meer und die Wellen
Lass uns gehen, lass uns gehen, lass uns gehen

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Superstillörtchensonderspanky

Spanky, mein frechfrivolverwegener Kamerad! Wo warst du denn seit Valentinstag versteckt? Und was, um aller Waschbärenwunderwesenwillen machst du auf dem Hinweisschild einer nicht ihrer eigentlichen Dienlichkeit mehr nutzenden Bedürfnisanstalt?

Spanky hat 'nen Kumpel

Wie, du hast da einen Kumpel getroffen? Der da, dein Kumpel? Ihr habt die ganze Zeit gemeinsam abgehangen? Spanky, mein Herzensanprangerer, dir sei ja eine Pause gegönnt, von mir aus halte Winterschlafrundbauchruhe, aber meinst du wirklich, das ist der richtige Ort dafür? Ach, ungestört wolltet ihr sein, suchtet euch kwasi ein Superstillesörtchen mitten in dem Provinzstädtchen… Was? Ja, Provinzkurstadt mit geschlossenen öffentlichen Toiletten, anprangernswert in der Tat. Aber dafür können doch die Einzelhändler jetzt so bunte Aufkleber erwerben: Nette Toilette, oder so ähnlich steht da drauf. Prima Idee an sich, doch leider auch ein wenig unzumutbar. Nein, Spanky, die Details erspare ich dir und mir hier notiert gleichermaßen, nur soviel: Man müßte heutzutage eine Scheißdiplomvorlage einfordern. Ein Schüsseltreffattest, weil ohne dem scheinbar die netteste Toilette äußerst unnettnichtadrett werden kann. Ich frage mich echt, wie es bei manchen Leuten zuhause ausschaut. Obwohl, besser nicht…

Mein lieber Anprangerkamerad, schau mal hier, du hast wachäugige Mitstreiter, ist das nicht famos?

Kackscheisse

Was? Ja, natürlich bist und bleibst du der mir liebste Anprangerer, mein kleiner pelziger Freund und Weggefährte. Aber es gibt ja genug Werbeunfug, der zu spanken bleibt, so wie hier das Schaufenster einer Drecksklamottenkette. Na, willste immernoch am stillen Örtchen abhängen? Nee, na dann los! Auf zu weiteren Verspankysierungen…

Bloggedankengekollerstop

Ach, und schrübe ich tausend erfundene Geschichten, sie handelten schlußendlich ja doch alle von mir. Mein Blick, meine Sicht der Dinge und meine Empfindungen kann ich nur teilen. Wer vermag aus anderer, als seiner Perspektive zu schreiben? Und genauso ist’s mit dem Lesen. Denke ich nicht, ein jeder läse wie ich? Mochte am liebsten, was auch mir am herzinnigsten ist? Sitze dann da und wundere mich. Du, einer meiner liebsten Blogger, warum schweigst du hier und hey, meine Liebe, ich habe doch an dich gedacht beim Schreiben! Warum bleibst du ausgerechnet hier stille? Und überhaupt, warum interessiert niemanden der Zusammenhang der Geschichten? Wofür schreibe ich denn in Rubriken? Verwundert schlendern meine Pupillen dann weiter, verdammt, wieso kommentiert die da und nicht bei mir. Ein Alibistern, na prima. Wo die doch genau weiß, daß mir die Besternung schnuppe ist! Nee, nicht mit mir, da schmolle ich jetzt… STOP! So ist es eben nicht. Bloggen soll den Horizont erweitern und Menschenkinder näher zueinander bringen. Und wächst daraus ein wenig mehr als dies und finden die Worte auch anders zueinander, ist das, was über bleibt, doch immer noch das schönste Geschenk: Ein Mensch, der mir das Wertvollste von sich abgibt: Seine Lebenszeit.

Schuld sind die andern…

Herr Bludgeon hat bei Herrn Ärmel darauf aufmerksam gemacht und mir ist es wichtig, diesen Link zu teilen. Einer meiner Kindheitshelden braucht Hilfe. Wer helfen möchte, bitte hier:

http://www.deutsche-mugge.de/zeitzeuge/4930-unsere-hilfe-und-dein-lied-spenden-fuer-holger-biege.html

Danke und bitte gerne weiterverteilen. Er hat es verdient.

Schöppenschimmersteinsommersilben

Der Weiße Schöps. Fluß meiner Kindheit, verbotener Lieblingsspielplatz und natürlicher Achtungsmahner vor dem wasserigen Urelement. Das Gehöft an der Biegung des Flußes so manchmal trutzig gemauerte Insel inmitten überströmten Landes, wenn die Schneeschmelze des Riesengebirges weit ins Umland sich ergoß. Die Schelte des Vaters und das lächelnde Kopfschütteln von Ominkel, wenn ich mit der Blechwanne über die gefluteten Wiesen stakte und Maulwürfe und Mäuse rauskescherte, die verzweifelt um ihr Leben flinkfußten. Die anschließenden Standpauken, auch wenn ich an der Schöppe bei Ruhigfließzeiten beim Spielen erwischt ward, das Auswendiglernenmüssen der Namen der ertrunkenen Kinder, ach, ich weiß sie heute noch, bei der Katinka zitterte immer meine Stimme, als könnte ich es gewesen sein. Er ist nicht tief, doch unberechenbar schlammig, unverhoffte Schnellstromigkeit konnte ein Kind leicht mitreißen. Wie oft ich klatschnaß aus ihm wieder mühsam und mit größerer Furcht vorm Erwischtwerden in den schlotternden Gliedern als vor dem vertrauten Element an sich, die abschüssige Böschung hinaufkrabbelte und heimlich meine Kleider trocknete, ich weiß es nicht mehr. Doch unwiderstehlich, der Fluß so verschiedengesichtlich, ich trage sie alle in mir. Gestrigabend kringelwellte sich ein sommerliches auf: Träge der Fluß, Wasserläufer zeichnen ihre geometrischen Muster auf die baumbesäumtspiegelnde Ruhigfläche. Ich liege bäuchlings auf der warmholzigen Schöppe und schaue nach meinem Bernstein. Jungfischchen umflitzen den bodenlosen Eimer, der mir als Guckrohr den Spiegel durchbricht. Schlapp hängt der ausgediente Nylonstrumpf von Mama im Leichttrübwasser, in ihm pappt bräunlicher Kleister. Mühsam gesammeltes Kiefernharz soll sich im Flusse in meinen eigenen Wunderstein verwandeln, ich hatte davon gelesen. Doch es tat sich nichts, es blieb schmieriger Pamps. Schließlich vertraute ich dem Großwissendbruder mein Geheimnis an, der mich Dummlieschen lachend über zigmillionenjahrealte Abläufe aufklärte. Nein, Bernstein hat er mir nicht geschenkt, der Weiße Schöps, doch Achtung und Respekt vor dem insichruhenden Element.