Schöppenschimmersteinsommersilben

von kaetheknobloch

Der Weiße Schöps. Fluß meiner Kindheit, verbotener Lieblingsspielplatz und natürlicher Achtungsmahner vor dem wasserigen Urelement. Das Gehöft an der Biegung des Flußes so manchmal trutzig gemauerte Insel inmitten überströmten Landes, wenn die Schneeschmelze des Riesengebirges weit ins Umland sich ergoß. Die Schelte des Vaters und das lächelnde Kopfschütteln von Ominkel, wenn ich mit der Blechwanne über die gefluteten Wiesen stakte und Maulwürfe und Mäuse rauskescherte, die verzweifelt um ihr Leben flinkfußten. Die anschließenden Standpauken, auch wenn ich an der Schöppe bei Ruhigfließzeiten beim Spielen erwischt ward, das Auswendiglernenmüssen der Namen der ertrunkenen Kinder, ach, ich weiß sie heute noch, bei der Katinka zitterte immer meine Stimme, als könnte ich es gewesen sein. Er ist nicht tief, doch unberechenbar schlammig, unverhoffte Schnellstromigkeit konnte ein Kind leicht mitreißen. Wie oft ich klatschnaß aus ihm wieder mühsam und mit größerer Furcht vorm Erwischtwerden in den schlotternden Gliedern als vor dem vertrauten Element an sich, die abschüssige Böschung hinaufkrabbelte und heimlich meine Kleider trocknete, ich weiß es nicht mehr. Doch unwiderstehlich, der Fluß so verschiedengesichtlich, ich trage sie alle in mir. Gestrigabend kringelwellte sich ein sommerliches auf: Träge der Fluß, Wasserläufer zeichnen ihre geometrischen Muster auf die baumbesäumtspiegelnde Ruhigfläche. Ich liege bäuchlings auf der warmholzigen Schöppe und schaue nach meinem Bernstein. Jungfischchen umflitzen den bodenlosen Eimer, der mir als Guckrohr den Spiegel durchbricht. Schlapp hängt der ausgediente Nylonstrumpf von Mama im Leichttrübwasser, in ihm pappt bräunlicher Kleister. Mühsam gesammeltes Kiefernharz soll sich im Flusse in meinen eigenen Wunderstein verwandeln, ich hatte davon gelesen. Doch es tat sich nichts, es blieb schmieriger Pamps. Schließlich vertraute ich dem Großwissendbruder mein Geheimnis an, der mich Dummlieschen lachend über zigmillionenjahrealte Abläufe aufklärte. Nein, Bernstein hat er mir nicht geschenkt, der Weiße Schöps, doch Achtung und Respekt vor dem insichruhenden Element.

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