Pfützenradelplatschpläsier

von kaetheknobloch

Ein stillgrauer Tag, der leichte Nieselregen legt sich schwertrübtuchig über die Straßen der Stadt. Menschen ducken sich unter Schirme, dunkle Kragen sind weit hochgeschlagen, die Blicke gesenkt und würden sie miteinander sprechen, die eilig hastenden Menschen, sie würden sicherlich flüstern nur. Von den winterkahlen Bäumen tropft fast Trostlosigkeit durch die Stille, in der nur das Spritzen der pfützenzerteilenden Automobile ansonsten zu hören ist. Und das gedämpfte Fluchen eines Fußgängers, wenn ihn Straßendreckspritzer besudeln. Kein Amselhahn, der giebelig von Aufbruch und Neustart nach der Winterruhe kündet, kein Meisengetüdel und nicht mal die Spatzenschar hat heute Lust auf Graubraunfederkoboldigkeit. Einzig das Rauschen des angestiegenen Flußes legt einen päßlichen Oberton über diese verhaltene Mißstimmigkeit, an derem Grunde Melancolia sich suhlend räkelt. Ich zurre mir den Regenhut unterm Kinne fest, die Filzstola, die ich liebevoll Pferdedecke nenne, dient als Überrock und Spritzschutz, obenrum wird die Uraltlederjacke wieder treu mich wappnen, den Hals schützt geliebtes Kashmirallzwecktuch und über die Lederstiefelchen ziehe ich gamaschig abgeschnittenes Strumpfwerk. Handschuhe an und los. Zuerst umradle ich die Pfützen, schlonkere lenkradwärts heftig und bei dem Rumgeeier qillt ein erstes Juchzen in mir auf. Slalome immer verwegener und da, da kommt eine riesengroße, die kannste nicht umfahren, also nimm Schwung, reiße die Beine hoch und juppyhey mittendurch. Ein Gelächter steigt aus mir empor, mir ist, als könne es die Grauhimmeligkeit ein wenig aufhellen und in der Tat; der Feinniesel schickt sich an,  sich auszuschleichen. Ich mache weiter mit meiner Pfützenkwatschigkeit und mein Perlschalklachen scheint sich in so manchem gebeugten Nacken einzunisten und läßt Regeneiligmenschen innehalten und die Arme zum Grußwinken erheben. Kreuz und quer sause ich durch die Stadt und mein Lachen folgt mir, fröhlich auskullernd sich zu vermehren. Vier Außerhausverblumigungen erledigten das Floravelo und ich heute und als wir nach einer Stunde wieder am Florallabor eintreffen, sind wir nass, drecküberspritzt und vor allem eines: Überglücklich! Ich zumindest. Das Velo erst, nachdem ich es trockenrieb. Vorher drohte es eher mit Rostschmolligkeit. Zu unser beider Glück verstehe ich Floraveloanisch. Regenpfützenwetter? Fetzt!

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