Vorfreude? Fetzt!

von kaetheknobloch

Eine Feinsthandnotatsendung ward angekündigt. In mir blubbern tausend Champagnerbläschen und machen mich leichtfüßig. Bei jedem Öffnen der Florallabortüre blingt mit den Ankündigungsglöckchen auch mein Herz klingklanging mit. Freundlich begrüße ich eh jeden Besucher, doch an solchen Vorfreudetagen kündet besonderer Augenglanz von der inneren Wonnigkeit und so manches Kompliment ob der strahlenden Lieblichkeit umschmeichelt meine Lauschläppchen und tünchen mir Wangenrot auf’s Antlitz. Der Tag neigt sich arbeitsam beschleunigt gen Frühabend und mit der Erkenntnis, dass an diesem Tage wohl keine Zustellung mehr erfolgen wird, flammt neue Heißwangigkeit auf. Noch einige Stunden mehr der Vorfreude frönen, ach, wie schön! So erfolgt am nächsten Tage die allergleiche Innenmurmeligkeit, bis ich endlich frohlockend den Empfang auf der Postunterschreibapparatur quittieren kann. Und dann geht er los, der Wielangehalteichesauswalzer. Ich umschleiche leisstiefelig das Famospaket, tänzele heran und lasse mich von der Ladenglocke wieder wegrufen. Pirsche mich wieder näher, ergreife es flugshändig und drücke es an meine Brust. Setze sicherhändig das Feinstmesserchen an, ein erster Schnitt, mit dem ein zarter Gluckser die Kehle emporsteigt und sich als Zitteransatz in den Fingern manifestiert. Lege das Messer wieder weg und das Paket auf den Sessel. Tagwerke mit einem Lächeln, strahlender als die Sonnen es inwändig in Kringeln an die Florallaborwand zu malen vermag. Doch meine Fingerkuppen sehnsuchten nach erneutem Auspackgetue. Halte das Famosobjekt meiner Sanftbegierde bald wieder in meinen Händen, einen Moment lang ganz stille, verharre mit geschlossenen Augen und erahne die umwerfende Gabe, die hier rabiatkurierigsicher verpackt auf Enthüllung wartet. Weglegen und Wiederaufnehmen tanzen einen stundenlangen Ringelreigen, bis ich es nicht mehr aushalte. Das Glückszittern echot nun durch alle Glieder und ich nehme das Messerchen zur Vollendung des klebebandzerteilenden Aktes. Das leise Flüstern der Scharfklinge und das Auspackpapiergeraschel sind mir eine Schenkendzugetansinfonie… Vorfreude? Fetzt!

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