Silberschwebensilbenbeben

von kaetheknobloch

„Kind, liebes, deine Hoffnung, die du Esperança nennst, die trägt, glaube ich, einen ganz anderen Namen…“ Ich öffne meine Augen, blicke kurz durch den schwebenden Solenebel hinauf zu dem eledeischen Sternenhimmel und wende ohnhastig meinen Blick auf Mama Löwenherz neben mir. Anschulternd sitzen wir auf der Hartholzbank in der von Nasssilberschwaden durchwaberten Salzgrotte und beim Anblick ihres nahen Profils muss ich stilllächeln. Antlitzig sonst eher Ominkel ähnlich, trage ich doch die mamaische Spitzstolznase. Würde sie ebenfalls ihren Kopf zu mir wenden, müßten sich schier unsere Nasenspitzen berühren, so dicht hocken wir beieinander. Ihre Hände ruhen schoßwärts unter meinem Oberrocke, dessen Filzigkeit soll Wärme in ihre abgearbeiteten Immerkalthände bringen. Doch sie rührt sich nicht und scheint weiterzudenken. Ich drängele nicht, mein Blick mäandert sich stumm durch ihr vom Nebel weichgezeichnetes Lebensfaltgesicht. Ich habe zuvor genug leisstimmig berichtet, Dinge, die erzählt werden mußten, Geschehnisse, die nicht mehr unbenannt sein wollten. Minuten durchschweigen wir die Schwerwürzluft. Dann wellen sich sanft ihre Augenlidfalten, enden mit schier kühnem Aufwärtsschwunge und sie spricht weiter: „Was heißt eigentlich ‚Kraft‘ in deiner Lieblingssprache?“ „Força“, antworte ich spontan. Sie kichert los und ihre Hände tanzen flohwalzernd über mein Bein. Kurz nur, dann wird sie wieder ernst. „Du kannst sie nennen, wie du willst, doch deine Hoffnung wird immer deine ureigene Kraft bleiben. So als ob du dir selbst deine Quelle bist…“ Und für einen Moment erbebt die Salzgrotte unter einem Silberschwebensilbenbeben.

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