bittemito

Monat: Mai, 2015

Wasser? Fließt!

Und weil das so ist und man nicht oft genug darauf hinweisen kann, folgt hier meine Eingesperrtflußmurmeley. Soeben ist man im Provinzstädtchen dabei, die steinernen Zwänge wieder ein wenig zu lösen. Beherrschbar soll es bleiben, dieses Urelement, doch ich vernahm beim genauen Hinhören* ein Machdochwasduwillstgewisper…

eilwasser1

„Ich komme friedlichmurmelig, doch du willst mich brechen. Ich stürze kleinstkaskadend, überschlage mich und fange mich in mir selbst wieder auf. Freue mich überschäumend an meiner Wellenfreiheit, nur kurz, denn hurtig eile ich weiter…

* Kein Hören ohne Sehen. Oder wie es ein äußerst bonfortionöser Zeitgenosse auszudrücken pflegt: Immer horsche immer gugge!

Verwegene Verse XXVIII

Jüngst besuchte mich unverhofft ein Vielbunttintengeselle,

übertrat breitgrinsend flächentätowiert meine Schwelle.

Zunächst nur die ladenflächige, glöckchenbeglitten,

doch dann meine miederbiedrige eigene, unbestritten.

Wir lachten und scherzten und warm ward’s im Herzen.

Und bald auch anderswo! Nein, es war nicht im Märzen,

wo wunderliche Gefühlsdusseleien sich keck umschlingen

und Vorfrühlingsgesäuseltechtelmechtellieder erklingen.

Auch war der Bursche noch ein ganz junger, liebfeiner,

so altersmäßig schier ein Söhnchen von meinereiner,

doch brachte er mich alsbald heftigst zum Erröten,

verdammt, alle Contenance war da bebend vonnöten!

Ich hing wie gebannt an seinen Weichlächellippen……

(Es fällt mir sehr schwer, dies‘ jetzt wirklich zu tippen):

Nageln, sagte er, wölle er mich doch einmal zu gernst!

Ja, genauso verdattert schaute ich auch wohl, im Ernst.

Er grinste nur weiter, verwegenfrechwild und gewinnend,

ich, mich zwingend auf meine Biedermiedrigkeit besinnend

protestierte schwachatmig doch sehrst und betont betulich.

Er sagte was von Termin und Altstichauffrischung und ich,

ich erpurpurte weiter und dann dämmerte es mir endlich:

Das war der Tätowierer von Nachbartintenstudio Einstich!

Der hatte meine Alttattoos blitzen gesehen im Sommerlichte.

Nadeln, nicht nageln, so endete meine Schnellstichgeschichte.

Friedlichglücksfreugloriöslachfamosfraktal

Kennst du das Gefühl, wenn die Freude in dir kaskadig krawummt und du dich fragst, ob die Schmetterlinge in deinem Bauch auf Droge sind? Wenn der Blick ins Regengrau dich mazurkaig tanzen läßt, dein Fenchelaniskümmeltee wie Champagner in dir perlt und deine Pupillen nach Unkenart scheißherzchenförmig dir die Welt darstellen? Kennst du das Gefühl, wenn dein eigenes Lachen dich zum Lachen bringt? Dann höre nicht auf jene die sagen, das mußt du für dich selbst aufbewahren, für die Zeiten, wenn die Schmetterlinge ruhn, der Regen die Fenster bepeitscht, der Tee in Bittergeschmacklichkeit kippt und die Unken in Winterstarre verharren. Nein, teile sie lieber, deine Überschwangfreude. Genau in diesem Moment. Du wirst spüren, sie kommt vertausendfacht zu dir zurück. Wie Pusteblumenküsse auf einer Glücklichmachwiese. Dann, wenn du sie für deinen eigenen kleinen Frieden brauchst.

Kellertreppenfliegflatterdingtränenglück

Des Winters droht kein Ungemach für Kleinsttierchen, da im kalttiefen Kellertreppenloch. Kontrollgänge mache ich trotzdem, auch Laub und Geäst will immer mal entsorgt sein. Fast hätte ich ihn übersehen im schon dämmernwollenden Abendlicht. Die tiefstehende Lenzensonne, sie reicht nicht bis hinab zu der letzten Stufe, auf dessen Kante der strichbeinige hockt. Ein eben geschlüpfter Schmetterling, die Zartflügelchen noch gefaltet. Ich hocke mich neben ihn und bewispere das Hauchgeschöpf. Frage, ob ich ihn in die noch wärmestrahlende Abendsonne tragen soll oder ob er es hier unten kaltfeuchtig schafft, sich von alleine in die Lüfte zu erheben. Strecke ihm dabei mehr unbewußt die Hand entgegen. Verstumme augenbefeuchtet, als er wie selbstverständlich auf meine Finger kletterzittert. Richte mich auf und gehe behutsam die Treppen hinauf. Bestaune dabei das Flügelgewunder, wie es sich Kraft in die Minischwingen pumpt. Terrassig wärmt die Sonne bereits sich verorangend noch die Liebeshainblumensamenkinder, die schon grünblätteräugig über ihren Topfrand schauen. Ein guter Platz für ein kräftesammelndes Flatterdings, finde ich. Und er wohl auch. Stakst sich auf das Blättchengewirr, als ich meine Hand daran halte und ihm leisstimmig alles Gute wünsche. Ein vorsichtiger Zeitlupenflügelschlag folgt. Ein erster von hoffentlich noch vielen, denn als ich zeitchenspäter kamerabewaffnet wieder aus dem Haus eile, um ihn zu beschnappschussen, sind die Liebeshainblümchen wieder ganz unter sich. Und ich um ein Kleinstflatterdingtränenglück reicher.

Leidernurkurzdruckstaurezension*

Manchmal ist kein Happy End das bessere Ende eines Buches. Und wer das nicht glaubt, der überzeuge sich selbst. Fünf von fünf möglichen Scheißherzchen und sechs von möglichen sechs Dankschneckchen für den „Druckstaueffekt“ der wundervollen Rocknroulette gibt es jedenfalls von mir. Hey, eine Lesung steht auch noch an. In Berlin, in Berlin!

druckstaueffekt

*Leidernurkurzdruckstaurezension? Naja, ich habe das Buch förmlich verschlungen, da hielt sich der Druckstau vornehm zurück. Die Lesebeglückerey hingegen wirkt nachhaltig. Und wenn ich könnte, wie ich wöllte, ich wäre dabei, da in Berlin. Zur Lesung zuoberallererst, aber auch bei den Feten, naja, bis auf die eine… Aber das muß jeder selbst sich eindioptrenieren. Ich werde Wiederleser sein, denn das war erst ein prickelnder Lesequickie, ich wooohooohe vorfreudig auf erneute Pupillenbeglückerey. Weil man bei manchen Büchern gerne Wiederholungstäter wird. Druckstaueffekt? Fetzt! Als Buch eh und sogar wenn man ihm sich selbst ergibt…