Blaupause- Frau Liebling flucht (Farbstudie I)

von kaetheknobloch

Ihre Absätze intonierten in dem verglasten Außenaufgang des Parkhauses einen Stolzhauch von Flamenco und auch die sie überkommende Hitze hätte einem spanischem Blauhimmel genüge getan. Nur daß da jetzt alle sinnigerweise Siesta hielten, dachte Heide, während sie die nächste Parkebene erreichte. Die Blaue Ebene, weil die Wandfarbe das Wiederfinden des Automobils vereinfachen sollte. Darüber kam nur noch das Dachgeschoß mit freiem Blick auf das einzige wahre  Echtblau und über die Dächer der Stadt. Sie parkte immer in der Blauen Ebene, müßte jetzt also die schwere Tür aufstemmen und zu ihrem Automobilchen… ja, was dann, fragte sie sich. Und mit dieser Frage kaskadierte ihr die Erkenntnis auf, was sie gerade getan hatte. Verdammichdenkend setzte sie sich auf die oberste Stufe um die Folgen abzuwägen. Was die Hitze natürlich nicht so recht zuließ. Heide zerrte sich die Stöckelschuhe von den Füßen und hob dann mit verblüffender Eleganz kurz ihren Hintern und zog mit einer fließenden Bewegung die blickdichten Nylons aus. Ihre Beine schwebten dafür kurzzeitig mit beiden Fußspitzen über den Stufen gen Bürogebäude zeigend, welches sie gerade so eilschrittig verlassen hatte, als würden sie zum Abschied die Verwundbarkeit ihrer Dünnhaut präsentieren. Als nächstes entledigte sie sich ihrer marineblauen Kostümjacke, was von ihr unbemerkt Bewegung in den angrenzenden Konferenzraum im obersten Stock des Hotels gleich neben dem Parkhaus brachte. Köpfe verdrehten sich und Ellbogen in Anzügen wiesen einander herzhaft in die Seite gerammt auf diese Frau im gläsernen Treppenaufgang hin. Als Heide in Gedanken vertieft die obersten Knöpfe ihrer strahlend weißen Bluse öffnete, gab es jedoch kein Halten mehr. Handtelephone wurden gezückt, Daumen nach oben gehalten und einige der seriösen Herren entblödeten sich nicht, ordinäre Gesten in ihre Richtung zu machen. Das entging auch Heide nicht und machte sie so wütend, daß ihre Contenance endgültig die Treppenstufen herunter krawummste. „Ihr Klappspaten, elenden Doppeltgesichter! Verdammte Arschkrampen seid ihr! Verlogenes Schönaugengetue, ja, das könnt ihr! Aus der Ferne geifern und von nahem kneifen. Dieses beschissene Rudelsyndrom! Traut sich einer mal allein hierher?! Nein, natürlich nicht! Aber beim Kaffeekochen an den Hintern grapschen, ja, ganz toll! Hier, das Heidenröslein zieht sich aus für euch, ja, die weiß wie man eine Latte macht…“ Bei diesen Worten ging ihr die Luft aus und japsend rang sie um weiteres Gefluche, in das sich heimliches Kichern ob dieser absurden, doch irgendwie trefflichen Feststellung schlich. Sie stand auf, stopfte Schuhe, Strümpfe und Jacke zu der Blauprickelflasche in die Tüte und lief barbeinig die letzte Drehung der Wendeltreppe hinauf, bis sich über ihr der Strahlendblauhimmel wölbte…

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Blaupause- Frau Liebling seufzt

Blaupause- Frau Liebling geht

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