Blaupause- Frau Liebling schweigt (Farbstudie I)

von Käthe Knobloch

Mit einer geschmeidigen Bewegung zog Friedhelm sich den Hut vom Kopf und ergriff ihre Hand, um ihr einen ganz sanften Handkuss anzutragen. Mehr angedeutet, das Kribbeln auf ihrem Handrücken kam wohl eher von seinem in einem leisen Seufzer versteckten Ringen um Athem. Heide schien es, als wölle er ihre Hand gar nicht mehr loslassen. Selbst nachdem er sich wieder aufgerichtet hatte, hielt er sie warm und fest umfangen. Kurz ruhte sein warmer ehrlicher Blick in ihren Augen, dann ergriff er den Eimer, nickte Herrn Emrah kurz dankend zu und ging zum Volvo. Heide ging bereitwillig mit, fasziniert von der Situation und dem Inhalt des Emailleeimers. ‚Wie eine Kühltasche auf Waldläufer Art…‘ dachte sie und bestaunte das mit Eiswürfeln befüllte Gefäß. Aus den leise klirrenden Kristallklumpen ragte ein schlanker Flaschenhals mit einem blauen Metalldeckel und direkt daneben ein offenes Glas mit einer weißen Masse. „Schafskäse, aber der echte.“ erklärte Friedhelm. Er mußte ihren nachdenklichen Blick wahrgenommen haben. Und während er die Heckklappe des Volvos aufspringen ließ ergänzte er: „Schafskäse, Melone, viel Eiswasser, Brot und eine Heiltinktur der besonderen Art, nach einem fast erlittendem Hitzekollaps das beste Gegengift.“ Heides augenbrauigen Protest wegen des Hitzekollapses lächelte er erneut loalaaugenwinkelig weg: „Wer sagt denn, daß nur Sie fast vor Hitze kollabierten, meine Liebe?“ Mit diesen Worten stellte er den Eimer zu den anderen bereits in einem Korb gelagerten Köstlichkeiten im Kofferraum und ergänzte: „Nun aber los zum Flußlauf, ehe das Eis schon hier schmilzt.“ Heide überflutete eine erneute Rotwelle und sie ging schnell zum Beifahrersitz. Lady behauptete diesmal den Platz zu ihren immernoch schmutzstarrenden Füßen und Heide tätschelte sie dankbar für diese Ablenkung von der aufwellenden Hitze. Der Volvo schaukelte gemütlich aus dem verbauten Vorland, erklomm serpentinisch anmutende Straßen und fuhr in immer grüner überwölbte Seitenstraßen hinein. Heide hatte schon jedwede Orientierung verloren, wagte aber nicht nachzufragen. Lauschte stattdessen der schwarzkieseligen Stimme von Tom Waits, die nun aus den Lautsprechern rollte und in derem Takt sie über die Straßen zu gleiten schienen.

Still und konzentriert lenkte Friedhelm den Wagen, bis er an einer schmalen Wegverbreitung stoppte und fein lächend sagte: „Ab hier gibts nur noch Mooswege, meine Liebe.“ Bepackt mit den eingekauften Köstlichkeiten querten sie alsbald das hochstämmige Gründach, durch dessen kühle Beschirmung der Azulhimmel freundlich grüßte. Von Hitze war hier nichts zu spüren und das feuchtkalte Moos labte Heides erschöpfte Füße. Sie beschloß, einfach weiter die Klappe zu halten und lief stummlächelnd diesem erstaunlichen Herrn Schatz hinterher. Und gönnte sich vergnüglich ab und an einen heimlichen Blick auf die in einem betörend gleichmäßigem Rhythmus arbeitende und in blaue Jeans verpackte Kehrseite von Fried… ‚Friedhelm, Fred, Frieder, was weiß denn ich, wie du genannt werden willst…‘ dachte sie und ihr Lächeln wurde eine Nuance tiefer. ‚Schatz, der du mir plötzlich geworden bist!‘ „Wir sind gleich da, alles in Ordnung da hinten?“ blaute sich Friedhelms Stimme in ihre Betrachtungen und als sich Heides Blick stummnickend gen Waldboden senkte, prallte sie auch schon gegen diesen famosen Schatz…

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