Sachtesolesanftgischtschmeichelsucht

von kaetheknobloch

Sperrungen der provinzstädtischen Straßen zwingen mich zu längeren Umwegen. Ein anderes, weiter entferntes Parkhaus muß erlaufen werden, das Tagwerk neu getaktet, weil manchmal jede Minute zählt. Sie mögen notwendig sein, diese Baumaßnahmen, mir sind sie ein Dorn im Auge. Genauermaßen ein Schwarzdorn, wie ich nun feinlächelnd bemerke. Was ich hadernd begann, wandelte sich mal wieder in ein anderes Getue. Ein Glücklichmachgetue. Denn nun komme ich jeden Tag am Gradierwerk vorbei:

Der Sommer liegt heißflimmertuchig über der Stadt. Siebenmeilenstiefelig muß ich dennoch sein, die Zeit, die Zeit und ihr Sauseschritt! Verlasse meine kühle Hinterhofidylle und quere die unter den Sonnenheißschwüren wie gelähmte Stadt. Passiere flache Brunnenanlagen mit frischeverheißend funkelnden Fontänen, lächle ein klein wenig gönnneidisch über das Geplansche der Kinder und eile weiter. Ich kann sie riechen, bevor ich sie erreiche, die über die Schwarzdornzweige rieselnde Sole. Und Zeitchen später fühle ich ihre erfrischenden Kühlhauchküsse auf meiner Haut. Mein Athem vertikalisiert sich ganz von allein und meine Füße streifen die Siebenmeilenstiefel ab und werden mäusetappig. Ganz nah flaniere ich nun mit gesenktem Wimpernvorhang an der Sachtegischt vorbei, werde sekundenlang zur Urlauberin an fernen Schwarzkieselgestaden, die mich schon so oft in meinen Träumen zu sich riefen. Meine Hand streicht über Rauhfeuchtholz und mein Denken wird weit. Ich ergebe mich ihr dankbar innehaltend immer öfter, meiner Sachtesolesanftgischtschmeichelsucht.

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