Blaupause- Frau Liebling antwortet (Farbstudie I)

von kaetheknobloch

„Was war das eigentlich, wobei wir so jäh unterbrochen wurden, vorhin am Waldbach?“ Freds Blick blieb geradezu auf die blaugold leuchtende Wand gerichtet, er sagte kein Wort. Heide wartete, zweifelte fast, ob er ihre Frage überhaupt verstanden hatte, da wandte er den Kopf zu ihr und sie meinte, in diesem Escuroazulmeer seines Blickes zu versinken. Sein Mund blieb stumm, doch sie hörte jedes einzelne Flehen in ihrem Innern. Wurde ganz weich, ganz sanft und gleichzeitig sicherer, als sie es je gefühlt hatte. Hielt diesem Pupillenmaelstrom stand und erwiderte seine Bitten. Antwortete liderflatternd, mal flogen Schatten über ihre Augenspiegel, dann wieder rundeten sich ihre Pupillen zu perfekten Ohnendlichkeiten und schließlich stellte Fred nur noch die eine, in diesem Moment schlußendliche Frage, indem er seine linke Hand auf die unter dem kühlen Leinenhemd glühende Haut ihres rechten Oberschenkels legte.

Sie beugte sich hinüber, verharrte kurz bevor ihre Nase seine berührte und neigte sachte ihren Kopf. Fred schnallte sich ab, ohne den Blick von ihr zu lösen und strich ihr mit einer Geste in der alle bewundernde Achtung, die ein Menschenkind einem zweiten zukommen lassen konnte, eine Strähne ihres Langhaars hinter das  Ohr. Ließ seine Hand in ihrem angespannten Nacken ruhen, bis auch dieser sich ihm ergeben entgegenrundete. Ihr erster Kuß berührte ihn libellenflügelschlagzart, er nahm ihn wie ein hochgutes Geschenk entgegen, behutsam bedacht, so einer Kostbarkeit ausreichend zu huldigen. Heide war es, der das nun nicht mehr zu genügen schien. Öffnete ihre Lippen und umfuhr zungenspitzig die Konturen seines Mundes. Freds Antwort war ein gieriger Kuß, als würde ein Ertrinkender endlich der athembringenden Meermaid begegnen, an die er eigentlich nur in irgendwelchen Fieberträumen glaubte oder eben kurz bevor er tatsächlich ertrank.

Und wieder war es Heide, die die tosende Stille mit einer simplen Frage unterbrach.“Wohin? Wo sind die Parkplätze hier, die keine Kamera erfasst?“ Freds Stimme war wieder so mariannengrabentiefblau, daß die Schwärze darin in Unendlichkeit zu kippen drohte: „Geradezu, knapp nach dem nächsten Kassenhinweisschild, wo die Ebene ansteigt, da reicht keine Kamera hin.“ Heide startete schon bei seinen Worten den Motor und fuhr die Blaue Ebene langsam hinauf. Kein Zittern war in ihren lenkenden Händen und kein Zögern ließ ihren nackten Fuß das Gaspedal bedienen. Exakt parkte sie ein, zog die Handbremse an und ließ den vibrierenden Motor des Volvos verstummen.

Und genau so exakt wiederholten sich ihre Bewegungen, die sie vor Stunden wütend und bitter im Treppenaufgang vollzogen hatte. Nur daß denen jetzt eine Weichheit und Hingabe innewohnte, die wie ein Versprechen wirkten und nicht wie die Anklage des Vormittags. Und es waren nicht ihre Nylons, die sie elegant hinternhebend und fußspitzig fließend auszog, sondern das blaue Nichts, ihr einziges verbliebenes eigenes Kleidungsstück diesen Tages. „Kannst du mir bitte das Hemd aufknöpfen, es gehört ja dir?“ war ihre letzte Frage für geraume Zeit, bevor sie sich mit gleicher sicherer Eleganz auf Freds Schoß schlängelte…

Wer sich athemschöpfend mitschlängeln will, erfährt die ganze Geschichte unter diesem Schlagwort:

Farbstudiengeschichten

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