Blaupause- Frau Liebling findet (Farbstudie I)

von kaetheknobloch

Heide reckte sich über Freds Schulter, um nach der Blautüte auf dem Rücksitz zu suchen. Kurz zuvor hatten sie flüsterstimmig wie es nur Liebende vermögen, von ihrem Rausch in die Realität zurückgefunden. Und die hieß in Heides Fall schlichtweg ‚Durst!‘ Dabei stellte sie mit ihrer Ferse versehentlich die Musikanlage an und während sie es sich mit der  ergatterten Blauflaschenbeute auf seinem Schoß gemütlich machte, um diesen Körperkontakt sich bis in die Innenhäute hineinwellen zu lassen, erklangen wieder ganz fremdvertraute Töne:

„Komm, küß mich noch einmal, du kannst mich ein bißchen befrein…, nie hätte ich geglaubt daß das möglich ist. Meine eigene Frau Liebling…“ Freds Stimme brach ab und Heide antwortet mit einem Lächeln: „Ich hielt dich für einen Ritter und fand wohl den müden Prinzen in dir. Darauf trinke ich jetzt…“

Gewiss würde die Neige der ohnehin Billigfusel enthaltenen Blauflasche abgestanden sein. Nach einem ganzen Nachmittag in einem schaukelnden Auto in der Sommerhitze noch fader schmecken, als es der Discountprosecco eh tat. Auch wenn der himmelblaue Volvo die letzte Stunde einsam in der kühlen Abgeschiedenheit der obersten Etage des Parkhauses gestanden hatte, war es noch immer heiß im Wageninneren. Bezwinkert von dem Azullächeln des bis heute Mittag völlig Fremden setzte sie mit einem mehr als seeligen Lächeln die Flasche direkt an.

Blaupause

Ende

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