Claras Chronik 13.08.2015

von kaetheknobloch

Ein Flügel?! Mein lieber Victor, ich verstehe nicht! Heute Morgen liegt nun ein sanftpuderbunter Flügel neben meinem müdwehem Kopfe. Ist dies ein Zeichen von Ihnen? Ein Flügel… Was soll ich denn mit einem Flügel? Zum Emporschweben bedarf es doch immer zweier, um die Balance zu halten und genügend Kräfte zu entfalten… Ein Flügel. Eine Gabe von Ihnen? Victor, niemand hilft mir, eine Antwort zu finden. Noch nie war ich einsamer, als an diesem Gestade. Erinnern Sie sich an die klagenden Hähne, von denen ich Ihnen unlängst schrieb? Es gibt keinen mehr. Weniger und weniger wurden sie, gingen vorneweg den erlösenden Pfad, der einzig gangbare aus dieser alles erstickenden hitzigen Einsamkeit. Ich halte den letzten Federkiel in meinen schmutzigen Händen und auch dieser birst mir alsbald endgültig. Ein Flügel. Farbig schimmert er. So wie einst die leuchtenden Sonnenuntergänge hinter den sich überrollenden Wellen, die frisch und salzig sich brachen und leiseflüstrig dann durch die Schwarzrundkiesel anmurmelten, um meine dankbaren Füße zu umhüllen. Der Bernstein schimmerte in diesem leuchtenden Orange, wenn ich mich Ihnen am nahesten fühlte. Jetzt glimmt er ockerbraun, fast gleich der Erde, die hier einst reich und lebendig war. Der Stein dunkelte, die Erde brach und mit ihnen mein Gemüth. Ein Flügel. Eine Schwinge, so puderzart und weich und so wundervollbringend, doch nicht eine alleine kann dieses Sein bewirken. Zwei, zwei der gleichen Art müssen es doch sein. Ach, mein Victor, warum kamen Sie nie hierher? Eine Rettung für mich und die Gewissheit, dies müßte das Gestade sein, an dem wir uns endlich finden, wie schon tausendtraut in meinen Träumen. Ich harrte Tag um Tag, baute Paläste  auf aus erdachten Gesprächen und möbilierte sie mit empfundenen Liebkosungen. Ein Flügel. Einer, um den nun mein ganzes Sinnen sich wölbt. Muster darauf, gleich einer Landkarte. Ich ziehe behutsam die Linien nach. Da, ein Gestade mit anlandenden Wogen, dunkel durchzogen, gleich dem hiesigen… Victor?! Im Nordwesten, der hellere Fleck, ist das die Bucht, begrenzt von den steilen Klippen? Und die orangenen Ebenen, die verdorrten Felder und Wiesen, die ich nie weiter durchschritt, weil unerbittlich die Sonne brannte da droben, sind das die, auf die ich jetzt fassungslos blicke? Und dann weiter, die schwarzen Flecken? Berge? Gen Osten dann ein Tal, dahinter ein weiteres Gestade, sanft und schaumkronig betüncht? Oh mein Victor! Ich begreife und begreife es nicht. Mein Herz, es sprengt mir fast die Brust, mein Athmen möchte den Brodem verlachen und die Füße, ach, kein Tanzkarteneintrag ließe sie zappeliger werden! Victor, mein Victor, mein treuer, liebfeiner Kamerad und Freund! Der Bernstein, er schimmert jetzt heller, er fühlt Sie genau wie ich in sich drin. Ein Flügel, mein Victor, ein Flügel alleine, der mich  schweben läßt! Ich danke Ihnen und verstehe nun, daß mein Ausharren mich stumpf werden ließ. Ich törichtes Ding, zu glauben, angekommen zu sein und nur warten zu müssen! Im Stillstand, der nur Grauen in sich trägt und Trägheit! Victor, mit dem endgültigen Bersten meiner letzten Feder erneuere ich mein ewiges Vesprechen: Ich finde Sie, wo auch immer Sie sind, meine Suche wird nimmer vergebens sein. Ich verbleibe erfüllt von neuer Hoffnung, immer die Ihre, Clar♦∗∼·

clarasfluegel

Gleich meiner  Clara tragen auch die meinigen Füße mich fort in eine freiwillige Famoskurzklausur und kein Rechenknecht wird mich begleiten. Was? Nee, nix Geschriebenes wird zu lesen sein bis dahin, auch kein Mail. Aber es gibt ja genügend Altlesestoff, Claras Wege durch die Zeiten zum Beispiel. Ich nehme auf meine Wege eine Kladde mit und den Schnischnappschussapparat. Und innendrinnig natürlich die fabulösesten Silbenballerinas und grandiösesten Wortsatzgesellen wo gibt. Alles Liebe, auf bald, Käthe Knobloch, kwietschvergnügt und bitte mit o, solbstvorstondloch.

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