Lastenträgerswarmleichtmachlächeln

von kaetheknobloch

Das Floratelier hatte ich vorabendlich schon wieder hübschig gemacht. Nach sieben Stunden Verkehrschaos nur flugs das Automobil gewechselt und ab zum Großmarkt, dann Neuerwerb an Blumigkeit versorgen und Altbestand betun. Den Kopf und noch mehr das Herz voller Neualtgeschichten, zu müde alsbald, um noch irgendeine aufzuschreiben. Das spätabendliche Telephonat mit Mama Löwenherz wird zum langen Dankaustausch und neue kleine Weißtdunochs werden behutsam ausgesäat.

Gestrig früh dann mit frohgemuthem Leichtsinn am gewohnten Blauebenenplatz geparkt und mit aufsteigendem Gluckslachen die Ringeltreppe heruntergeeilt. Da stand er an der Kreuzung. Der Weltenlastträger, gebeugt wie eh, die Arme schlapp herunterhängend. Eine Marionette, der irgend jemand die Fäden zerschnitt. Unwillkürlich suchte mein Blick nach Sveni, doch der war nirgends zu sehen. Warum auch, zu zweit nahm ich sie nur ein einziges Mal wahr.

Der schwäbelnde Mann saß alleine vorm Bäcker und freute sich offensichtlich, mich zu sehen. Wir wechselten wie gewohnt ein paar vergnügliche Gutwünschworte, da stand der krumme Kraushaarige wieder wie aus dem Nichts neben mir. Sein Schwarzblick fixierte mich und er stellte mehr fest, als daß er es fragte.“Du bist wieder da.“ Ich nickte ihm lächelnd zu. „Warst weg.“, so seine nächste Feststellung bei der sein flackernder Blick etwas weniger lodernd erschien. Ich nickte wieder und lud ihn auf einen Kaffee ein. „Kann ich später?“ fragte er. „Ja, klar.“ antwortete ich schlicht, ging nach drinnen und ich zahlte mit meinem Brot auch wieder einen Kaffee für ihn. Als ich den Laden verließ, war er nicht mehr zu sehen.

Meine Anfrage nach der Teilnahme an diesem famosen Projekt, auf das mich die bonfortionöse Frau Christiane hinwies, verlief sich wahrscheinlich in den inkompetenten Fäden der Filialnetzerei des Bäckereikette. Erneutes Nachhaken bewirkte nur ein Achselzucken seitens der Verkäuferin. Eigeninitiative ist jedoch die feinkleine Alternative. Man kennt mich, man kennt den Weltenlastträger, ich zahle einen Kaffee, er holt ihn sich, wenn er will. Ob das funktioniert, ich wußte es nicht, ich tat es einfach.

Heute Morgen eile ich wieder die Ringelreigentreppen hinab, sehe ihn an der Ecke vorm Bäcker stehn. Zuckend, sein Blick fleht gen Himmel und sein Kopf kippt schier unnatürlich weit in seinen Nacken. Als er mich um die Ecke kommen sieht, begradet sich sein gekrümmter Rücken, der Kohleblick wird warmscheinend und ein vorsichtiges Lächeln fließt in das Delta seiner Augenfalten. „Du hast mir Kaffee gegeben“ formuliert er behutsam stockend. „Ich danke Allah und dir. Und bete für dich.“ Ich nicke ihm augenwassernd zu und verspreche ein Wiederthun, so er es denn möchte. Sein Lächeln tropft in seine Mundwinkel, nicht zu vergleichen ist die Schönheit dieses Lächelns mit den bisherigen schmalen Schiefversuchen. Und es flutet auch mich. Lächelnd gehen wir weiter, er begleitet mich ein kurzes Stück und beim Abbiegen in Richtung Teestube dankt er mir allahpreisend noch einmal. Ich trage dieses Lächeln seitdem in mir drin und nein, diesmal ist keinerlei Anflug von Scham darin. Ich bin hier willkommen und heiße andere willkommen. Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit im ganz eigenen Minikosmos gelebt und, wie der immer tiefsinnige Alltagsphilosoph so trefflich ergänzte; durchzogen von den zartsanften Lächelfäden der Dankbarkeit. Was könnte in diesem Moment wertvoller sein?

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