Obacht! Furie quert um Contenance ringend…

von kaetheknobloch

Ich hätte es nicht tun sollen. Mich weiter der medialen Flut entziehen müssen. Ahnte doch längst aus den unvermeidlichen Schnippselchen, die eines jeden Augen und Ohren besudeln müssen, in welchem Unrat und geistigen Dünnschiss man da ersaufen kann. Aber ich wollte recherchieren. Der Lichtundschattentext war nur ein kleiner Anfang. Ich habe meinen Opa da gesucht und ich habe ihn für mich gefunden. In Bautzen, verurteilt von einem russischem Militärschnellgericht. Vorher Naziknast, danach Stasibunker… Die Geschichte ist jedoch noch nicht erzählbereit. Aber ich erzähle nur umrissen allen gerne die andere, die meiner Ominkel. Nein, gerne erzähle die eigentlich nicht, denn Wut diktiert mir die Fingerkuppen…

Bäuerin, zwei kleine Mädchen, noch keine zehn Jahre alt; mit einem Leiterwagen auf der Flucht. Quer durch Deutschland. Mann und Sohn irgendwo im Krieg verschollen. Angst um Leib und Seele. Heimat und Habe zurückgelassen, angewiesen auf fremde Hilfe. Bettelnd jeden Abend um einen Platz in einer Scheune. Weggeschickt mit abfälligen Bemerkungen und einem zynischen „Mit Kleinkindern? Bloß nicht!“. Am Straßenrand Leichen und ständiges Geballere aus irgendwelchen Hinterhalten. Die blonden Zopfmädchen wurden gierig beglotzt und Ominkel einmal mehr zur Löwenherzmutter…

Verdammte Scheiße, das ist erst ein weiteres Omaleben her! Und dann wagen es unreife Spacken, ihren unflätigen dummen und niveaulosen Hirnschiß in die Welt zu pöbeln?! Elende Klappspaten, konsumverkleisterte Unklugschisser! Ohne diejenigen, die unseren Omas und Mamas die Hand, Brot und Wasser gereicht hätten, gäbe es euch gar nicht! Nur dank der Menschlichkeit dieser Unvoreingenommenen hielten sie durch, kehrten zurück und bauten neu auf, was der Grundstock unseres Wohlstandes nun ist. Auf dem ihr euch den Arsch breitsitzt und die Daumen krummdaddelt. Weil es ja so einfach und bequem ist, anonym zu ‚haten‘. Ich will mich nicht schämen, weil ich nichts für euer Geseiere kann, mir bleibt nur eines: Euch zu wünschen, in einer ähnlichen Notlage zu stecken und dann zu erfahren, was Menschlichkeit wirklich heißt! Eure Mama könnte ich gewesen sein und wir alle existieren nur dank der Nächstenliebe, nicht wegen des Hasses, den ihr gepachtet zu haben scheint. Schämt euch selbst und eure beschissene Kleingeistigkeit, ich habe dafür keine Zeit, ich will noch zu Sahed, fragen, wie es ihm geht…

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