bittemito

Monat: September, 2015

Damit die Unzeitung endlich mal zu was nütze ist!

Mal wieder will uns dieses Unsäglichblatt mit den vier Großbuchstaben ungefragt in die Eigenmeinungsbildung reinpfuschen. Die letzten Male war Zeit genug, sich dagegen zu verwehren. Diesmal nicht. Doch die famosen BildBlogger erfinden eine bonfortionöse Verwendung dieses Schmiergedönses: Ab in die Tonne, ablichten und an Bildblog senden. Aus Dreck werden Lernhefte! Einfach grandios, finde ich. Mitmachen, ich bin auf jeden Fall dabei. Denn egal, was ich bisher versuchte, dem Blatt ist so gar kein Nutzen abzugewinnen, selbst Fisch fängt schneller an zu stinken, wickelt man ihn da hinein…

#BILDindieTonne

Zweifelzeitenzwiesprachlosigkeitszwist

Wir müssen reden. Worüber denn? Darüber, daß du hier nicht lustig vor dich rumalbern kannst in diesen Zeiten! Orrr, nicht schon wieder. Ich diskutiere den ganzen Tag mit allen möglichen Meinungshabern, jetzt komm‘ du mir nicht auch noch an! Denkst du etwa, deine Diskutierey reicht aus, meine Liebe? Ja, manchmal denke ich das! Obwohl ich weiß, das dem nicht so ist, aber ich gestehe mir selbst das Recht zu, meine anderen, albernen Seiten auszuleben. Und meine Ängste und Sorgen einfach mal kurz zu vergessen. Findest du das nicht ganz schön egoistisch? Nee, ehrlich gesagt nicht. Wenn andere dadurch ebenso einen Moment lang ihre Rumhirnerey ruhen lassen und sich einfach freuen, wie gut es uns geht, ohne den mahnenden Zeigefinger entgegengestreckt zu bekommen; was könnte daran denn egoistisch sein? Na, ich weiß ja nicht. Machst du das dir nicht ein wenig einfach? Nee, eben genau das mache ich nicht! Es ist unglaublich schwer, den Gedankenkreiseln zu entkommen und sich in windzartfröhliche Silbenkaskaden aufzuschwingen, wo sich die Wimpernvorhänge tropfenbeschwert verschließen wollen, weil manchmal schier all die Elendkummerblicke nicht zu ertragen sind und kein Hellleichtaufwindlächeln die Schwingen stetbehutsam beaufwindet… Hey, hörst du mir überhaupt noch zu?

Meine Fernfreundin und Namensgefährtin Käthe Feinstrick hat einen Text verfasst, den ich zwar gerne geschrieben, es aber nie so vermocht hätte. Mit ihrer Erlaubnis verlinke ich ihn hier und bitte um Augenmerk:

Auf der Flucht

Wie bitte? Nee, ich war gerade woanders, ich habe da just einen Text gelesen, hättest du den nicht auch schreiben können, meine Liebe? Nein, weil jeder Text seine Zeit und seinen Verfasser braucht, um identisch zu sein. So und jetzt setze dich mal ruhig neben mich, hier ist noch jede Menge Platz. Ich mache uns einen Ingwertee, Sahed kommt nachher auch noch vorbei…

Zwiegespräch

Hinterhofherbstlichhübschigkeiten

Das Licht fällt schräger zwischen den Dächern und Giebeln hindurch in die Hinterhofidylle. Der Sommerschneckchenbrunnen begab sich auf Reisen, beglitt eine Schalenfrau um sie weiterhin der Nachdraußenguckerey zu gemahnen. Ohne Brunnen und dem wissenden Flüstern vom fließenden Wasser, erscheint der magische Ort plötzlich trister. Also baue ich mit dem was ich habe einen eigenen Brunnen und Stolzbolligkeit und Geschicklichkeitsjubel erfüllen den Hinterhof mit kaskadigem Freudenjuchzern. Wie von selbst fertigen die Hände nun Herbstkostbarkeiten, flechten Kränzchen, werkeln mit Hortensien, Rotbackenäpfelchen und ersten Rosenplatzprallfrüchtchen. Die Sonnenliegestühle warten auf eventuellen Dochnocheinsatz, ganz mag ich sie noch nicht kellerwärts verräumen, schon oft ließ Oktobergold noch ein Päuschen draußen zu.

Auch die Muscheln singen noch stellenweise ihre leisrauschigen Meereslobhudeleyen und die letzten Rosenblüten verduften sich süßer bei der Begegnung mit ihrer ureigenen Nachfolgehagebuttigkeit. Das Neugiersschild am schmaligen Durchgang, den nun in der Dämmerung die ersten Wackelflirrkerzen noch verführerischer erscheinen lassen; es tut seine Wirkung nicht verfehlen. Der Herbst ist Reifreichreizzeit und schmückt nun auch die Hinterhofidylle mit seinen Hübschigkeiten. Herbstherzlich willkommen!

Als hätte ich je ein Bier mit Armin Rohde getrunken II

juppblick2

Ich reichte ihm stumm ein Bier hin und setzte mich wieder unter das den applaudierenden Regen verstärkende Dach. Nippen, Seufzen, Schweigen, Starren. Bis mit einem gänzlichst tiefbauchigem Seufzer mein übliches Loblied auf den Regen begann. Beginnen wollte. „Scheiß Regen.“ unterbrach er mich. Armin Rohde war offensichtlich ein echter Sonnenschein. „Komm von Prag mit dem Rad, jetzt hänge ich hier fest. Will noch zurück bis Köln. Scheiße.“ Ich drehte meinen Kopf zu ihm, lauschte weiter. „Bin zu fett. Zwanzig Kilo sind schon runter, die nächsten wollte ich mir jetzt abstrampeln. Prag-Köln. Scheiße.“ Ich blieb stumm, schaute ihn mir genauer an. „Bier is alle, ich bin dran…“ motzte er, stand auf und schallblechte kraftvoll die Reling entlang.

„Bist ja noch da. Hätte ich nich gedacht.“ Augenscheinlich hatte Armin Rohde meine Pöbelbelastbarkeit unterschätzt. Eine steile Senkrechtfalte teilte die kräftigen Augenbrauen nasenwurzelig, während in den regenfarbenen Augen ein Lächeln aufquoll.  Wir hoben die neukalten Flaschen gen tröpfelnden Regen,  versenkten für einen Wimpernschlag die Pupillen ineinander, erkannten uns und stießen schief grinsend an. „Käthe, ich bin die Käthe.“ „Jupp, der bin ich.“ Ein noch schieferes Lächeln, ein tiefer Schluck aus der Flasche. Und dann begann Jupp zu erzählen, was ich zu vergessen versprach.

Weil mir der unabdingbare Schnitt sprachlich mißlang, füge ich nochmals den ersten Teil der Hörversion ein. Bittefein, es gibt was auf die Lauschläppchen:

Frau Knobloch kwatscht

Frau Knobloch kwatscht weiter

Als hätte ich je ein Bier mit Armin Rohde getrunken I

Der Regen beglitt uns auf unserer Reise durch den Osten. Das sommerflirrende Sachsen athmete allerorten spürbar durch und unsere Vermutung, wir müßten in unseren Kojen in Schrägschieflage nächtigen, zerstob wie der feingischtige Tropfentuchregen auf den noch nicht wieder elbwasserumspülten Ufersteinen, die den Seitenarm dieses Stromes begrenzten. Die treue Pöppelmann zeigte sich aufrecht und wie gewohnt mit überwältigender Gastfreundlichkeit. Flugs die Kajüte geentert und ab mit dem ersten Bier des Abends wieder auf das Deck. Der Liebstlieblingsfamosgeselle wollte noch etwas internetten, ich jedoch brauchte den immertrostigen Blick auf den Regen, der auf Wasser fällt.

Wasser in seinem ureigensten Kreislauf war schon immer der friedliche Ruhestifter, wenn innenhäutig alles zu lodern scheint. Wie kamen just aus Bautzen , ich mußte mir wenigstens Eindrucksfitzelchen kladdig notatieren, so überdreht kreiselte noch immer das Gedankenkarussell. Heckwärts wußte ich die überdachte Sitzmöglichkeit, wo ich schon einmal in und zu mir fand. Schreiben, den Wimpernvorhang tropfend heben und senken und die Stille die sich verzusselten Gedankenketten entwirren lassen… Doch da saß bereits jemand. Ein enormes Prachtexemplar von wildverwegener Schönheit blickte sichtlich genervt zu mir auf. Armin Rohde beanspruchte meinen Platz.

„Darf ich?“ unwirschte ich ihn überraschtpöbelig an. Ein schneller erschrockener Wimpernschlag und kurzes Erstarren seinerseits strafte sogleich meine Unhöflichkeit ab. Seine Bierflasche verharrte zentimeterbreit vor den höchst sinnlichen Lippen. „Tschuldigung“ lautete die murmelige Antwort, mit der  er die kräftigen Beine anzog und auf dem schmalen Bänkchen auch den Rest seines imposanten Körpers erstaunlich verjüngte. „Danke, ich will ja nicht stören, aber ich habe mich so auf diesen Moment gefreut…“ so meine versuchte Pöbelerklärung. „Schon gut, is ja Platz für zwei.“ Damit war erstmal alles gesagt und wir starrten einträchtig auf Wasser, das auf Wasser fällt.

Jupp und ich und Wasser

Nippten abwechselnd seufzend an unserem Bier und starrten weiter. Nippen, Seufzen, Starren, unterbrochen nur von einem schnellen Seitenblick hin zueinander. Vergessen mein Kladdengeschreibsel, was er vergessen mußte erfuhr ich Zeitchen später und vergaß es dann für immer. Habe ich versprochen. Über alldem Nippen, Seufzen und Starren war meine Bierflasche irgendwann alle und ich regte mich, neigte mich gar hin zu ihm. „Willste och noch ens?“ „Klar.“ Und ich ging nach zwei neuen Flaschen…

Frau Knobloch kwatscht

 

Haderscherzhaarwurzelschmerzhabgesang

# Durch den Regen zum Provinzstadtfest laufen, eigentlich so gar keine Lust darauf haben und ordentlich vor sich hinmaulen dabei

# Das erste Bier eher mißmutig einhelfen, die Ankündigung der Freunde heute so richtig abzufeiern milde belächeln

# Das ewige Eingeknödel der Barden auf der Kleinen Bühne nervig finden, durch den Regen zur Großen Bühne latschen, obwohl man da gar nicht hinwollte

# Die Weinpreise als unzumutbar befinden, ein zwotes Bier bemühen, um die mittelmäßige Gesangsdarbietung aushalten zu können

# Die Gesangsdarbietung nicht aushalten, durch den nachlassenden Regen zurück zur Kleinen Bühne latschen und die Lauschlappen mazurkan lassen

# Den Ausgehabendetat in die Tischmitte werfen und Runde um Runde helfen, die Hopfensaftfässer leichter zu machen

# Die Lauschlappenmazurka erst hummelhinterig, dann hopsfüßig spüren und dem innigen Drang zur Pogorempeligkeit nicht widerstehen können

# Die umstehenden Fußwipper mehr und mehr zum gleichzeitigen Mattenschütteln animieren, ohne dieses beabsichtigt zu haben

# Die Silberkreolen einfach einem Randsteher in die Hand drücken, damit sie beim massiven Kopfgewackel nicht verlustig gehen

# Die standesgemäße Abfeierey nach Konzertende mit glückseeligem Gesang bei Klampfenbegleitung und dem zigsten Bierchen beenden

Für einen Abend einfach die trudelnden Gedanken aus dem Leib tanzen, wildfremde Menschen umarmen und einem, der sich hauen wollte kurzweg beweisen, daß Küssen viel mehr fetzt; das verdient noch viel mehr Bonfortionöshäkchen. Und natürlich ein Riesenscheißherzchen ♥ Das Haarwurzelgeziepe und die Nackenmuskelmieze heute allerdings nicht…

Claras Chronik 16.09.2015

Mein lieber ferner Victor, ich habe einen athempausigen Unterschlupf gefunden. Dieses ständige Wandern und Hadern, es zermürbt mich. Mir ist langsam, als müsse sich mein eigenens Menschsein ausdünnen in dieser Seelenverlassenheit. Und die stummstille Begleiterin an meiner Seite, die müddochnichtruhenkönnende Angst, welchem Vertreter meiner Art ich wohl begegne, die machte mir mein Ausschreiten auch nicht leichter. Ach, mein Victor, wie töricht war ich doch anzunehmen, mir gereichten Flora und Fauna als Gesellschaft! Es waren die zuvorigen Erlebnisse mit den meinigen unserer Art. Was ich sah, mein stillstummer Victor, hat sich wie Säure in meine Augäpfel gebrannt. Was ich vernehmen mußte, die Schreie der Ertrinkenden, die wildverhaßten Grollrufe derer, die sie aus den Booten stießen; es sind mir Laute schlimmer als jedes Wolfsgeheul. Raubtiere reißen ihre Beute um des eigenen Überlebens willen. Und so zeigt sich des Menschen eigentliches Sein. Und doch weiß ich innendrinnig, so kanndarfmuß es nicht gelingen, dieses Überleben. Ich sah einen, der sprang aus einem der überfüllten Boote, um ein fremdes Kind zu retten. Ich weiß nicht, ob es ihm gelang, weiß nichts von seinem weiteren Verbleib. Und doch ist mir dies Bild ein heller Trost, ein Zeichen gar, so kann es sein. Denn ich folgte ihm. Sprang, um das Überleben eines anderen Menschenkindes zu behelfen. Ein kleines Mädchen, wildäugig umklammerte es meinen Hals, drückte mich unter das wellenbergsalzige Wasser, verstand meine gurgelnden Anweisungen nicht. Lieber Victor, ich weiß nicht, wessen Glaubenswesen uns an das steinige Ufer gelangen ließen, ihr Allah, den sie schrillstimmig anrief oder meine salzspuckenden Stoßgebete an alle Götter der Barmherzigkeit, doch irgendwann schlug ich mir die Kniee an spitzen Graten wund. Löste ihren Klammergriff und dann erlösten mich wohl meine Barmgedanken aus einem völlig erschöpften Sein. Als ich erwachte, war ich allein. Der fremdäugige Wildfang war verschwunden. Mögen mir die Zumglücksgedanken jenes Momentes doch irgendwann verziehen sein, denn seitdem irre ich alleine durch dieses fremde Land. Erst wohlgemuth, fast euphorisch gar. Überlebt zu haben macht einen schier trunken vor Dankbarkeit. Und die Natur ernährt mich gut. Ich hörte vor Antritt dieser gefahrvollen Reise, die alle meine monetären Mittel verschlang, von Routen die durch sandige trostlose Wüsteney führen. Ein grausamer Gedanke. Doch dann überfiel mich eine Reue, die mir um ein Vielfaches tiefer den Nacken beugte. Irrt das Mädchen genau so umher wie ich? Weiß sie, welche Früchte sie essen kann? Vermag sie die Laute der Nacht zu deuten? Ach, mein Victor, mich quälen die schrecklichsten Szenarien und mehr als einmal erwog ich, den ganzen Weg zurückzugehen, um nach Spuren von ihr zu suchen. Dann stieß ich auf diese verlassene Hütte. In der ich nun wie gelähmt verharre. Es ist mir, als wäre mein Innerstes durch das geschluckte Salz vertrocknet, süßfade Tropfenfragmente rinnsalen sich aus meinen Augenwinkeln. Heute fand ich nun unter der Bettstatt aus Zweigen und Blättern eine dünne Rolle Pergament sowie eine lederumwickelte Phiole. Die azulne Flüssigkeit dient mir als Schreibgehilfin, meinen Reißbley habe ich wohl im Wasserkampf verloren. Und so wärmt mich unverhofft ein aufflammender Gedanke, den ich nun mit Ihnen hier krakelig teile: Der Gedanke an Sie und an den möglichen Erhalt dieser meiner Zeilen. Schrub ich unverhofft?! Ich törichtes Ding! Sie, mein fernnaher Victor, Sie sind doch meine ganze Hoffnung! Wie mit dieser Niederschrift doch mein Blut anfängt zu pulsen! Und auch der Bernstein, wohlverknotet verwahrt in meinem Brusttuche, er glüht sich plötzlich an mich. Mein herzensnaher Victor, ich werde Sie finden, Sie und das Schwarzkieselgestade, das unsere Wege vereinen wird. Das weiß ich nun endlich wieder und erneuere hiermit mein Gelübde: Ich bin immer die Ihre, Ihre Clara.

Nicht meine Schuld? Doch!

1989 war ich das letzte Mal demonstrieren. Freiwillig, denn die sozialistischen Demos zum 1. Mai und zu diversen Betonkoppjubiläen waren inszenierte Großkotzereyen, die das Wort „Demonstration“ nicht mal ansatzweise verdienten. 1989 ging ich freiwillig und voller Angst mit. Für ein besseres, freies Leben. Welches ich tatsächlich er-leben durfte. Ich kann in Frieden schlafen, habe ein Dach überm Kopf und klares, sauberes Wasser aus dem Hahn. Und weil das so bleiben soll, gehe ich nun wieder demonstrieren. Diesmal mit Wut im Bauch. Und Schuld. Weil mein Wohlstand andere Menschen verrecken läßt. Ja, die Knoblochen ist heute wieder sehr plakativ unterwegs. Doch Friedefreudeeierkuchen ändert diese Welt nicht. Am 10.10 gehe ich erstmals wieder demonstrieren, kommt noch wer mit?

Ich warte in Bielefeld auf euch.

Keine Zeit? Spenden geht auch.

Und was könnte besser als Liedgut diesen Tag begleiten, als die beste Band der Welt!

Ich würde so gerne mal wieder Blasmusik hören.

Eigentlich säße ich jetzt im Automobil und führe wohlgemuth gen Osten, wo ohnehin schon Teile meines Herzens ruhend auf mich warten und andere wildpochend sich hinsehnen. Querte dieses wunderschöne Land. Freute mich auf die Liebmenschen und auf ein großes Fest. Wir müssen jedes Fest groß feiern, das hast Du immer gesagt und Deine Augen blaublitzten lachverschmitzt. Würden noch verschmitzter werden, wenn sie nicht längst für immer geschlossen wären.

Eigentlich stünde neben mir im Automobil ein Apfelbäumchen dieses Jahr. Reiste mit mir bis ganz an die Grenze dieses wunderschönen Landes. Sehnte sich nach einem Platz in Deinem alten waldnahem Garten, da am Grenzfluß, der Dein Leben schon immer bestimmte. Man kann nicht genügend Bäume pflanzen, hast Du immer gesagt und Deine Augen verwässerten sich beim Gedanken an die Bagger, die in Deiner Nähe Narben in die Landschaft fraßen. Würden sich verwässern, wenn sie nicht längst trocken lägen.

Eigentlich tanzte ich heute Abend mit Dir dann auch mal zu Deiner Musikke, die nicht die meine ist. Als könnte ich mich Deiner Umarmung je erwehren. Wir alle nicht. Nicht Mama Löwenherz und nicht wir Kinder. Dein riesengroßes Herz hat uns einfach in sich aufgenommen, wie Deine bärenstarken Arme mich beim Tanzen. Und das spüre ich immer noch, sehe Deine Augen, wie sie verschmitzt lachen und höre Dich singen. Hör doch, Käthe, die spielen Blasmusikke, da muß ich einfach tanzen. Ja, lieber Herbert, ich tanze mit Dir. Auch wenn es nicht meine Musikke ist.

Eigentlich würde ich so gerne mal wieder Blasmusik hören. Wegen Dir, mein herzensschöner, grundehrlicher, raubeinfeingeselliger, narbenreicher und nie böswerdenkönnender Knurrzweitpapa. Danke für alles. Auch für die Horizonterweiterung, ohne die ich nicht hierüber lachen könnte:

Madamecontrairecolossalblogmedialmuserei *** (Mit Sternchen!)

Die orbitöse Madame Contraire ist immer einen Krachknutscher wert, doch mit ihren eigens ersonnen Fragen krawummst sie sich noch heftiger in mein Bloggerliebherzchen. Gernst nehme ich dieses Stöckchen an mich, selten war eine Muserine blogbetrefflicher mit ihren Küssen. Danke meine liebe MmeMme, dieses Fragenklafterholz erhitzt mich schon beim Umstapeln!

Madame duzt, Madame siezt, Madame ist verwirrt. Wie halten Sie es mit Duzen und Siezen, was bedingt die jeweilige Anrede und was steckt letztendlich Ihrer Meinung nach hinter all dem Formalismus?

Hinter all dem Formalismus steckt zuallererst die Achtung vor dem Menschen hinter dem Schreibenden. Auch passt die Siezerei besser zu meinem ausgesprochenem Silbengeschwurbel. Ich duze erst nach der ausdrücklichen Bitte darum. In einer Schreibwelt, in der Böspöbeln neuer Volkssport geworden zu sein scheint, hilft mir das Siezen genügend Abstand zu halten. Außerdem finde ich Siezereypöbeln eleganter. Schreiben Sie doch einfach mal einem Krawallgenossen folgende Worte als Kommentar: „Halten Sie sich bitte gerade, Sie mürber Klappspaten! Oder haben die Holzwürmer nach Ihrer Denkapparatur auch Ihr Rückgrat zernagt?“ Natürlich kommt man manchmal durcheinander bei diesem Duzsiegehopse, aber das macht ja nüschte, oder was meinst Du, meine liebe Madame, ähem, Sie…

Wenn Sie zurückschauen auf Ihren ersten Blogeintrag, sich Ihre ursprüngliche Intention vor Augen halten, weshalb Sie ein Blog gestartet haben: Haben sich Ihre Ziele im Laufe der Zeit verändert? Haben Sie erreicht, was Sie ursprünglich beabsichtigt haben mit Ihrer Blogidee?

Weil Bittemito nicht mein erstes Blog ist, beziehe ich die Fragen ausschließlich hierauf: Ich wollte wieder schreiben, öffentlich allemal und dabei meine eigene Sprache wiederfinden. Zeihen Sie mich ruhig der Eigenlobeinhornrosapupszuckerwatteveilchenduftlobhudeley, aber dieses Ziel habe ich offensichtlich erreicht. Doch nicht alleine. Es gab und gibt einige Silbenspitzenballerinas und Grandioswortgesellen, die mir ihre Tippeditappfingerchen reichten. Und manche nicht nur dies.

Waren Sie schon einmal gedanklich soweit, Ihren Blog wieder zu schließen? Welche Tiefen sind Ihnen als Blogger schon begegnet?

Bittemito war noch nie von Schließgedanken umflort, das wird auch so bleiben. Ich habe dazugelernt. Als Blogger habe ich in den tiefsten virtuellen Abgrund geblickt: Den inszenierten Tod eines Blogfreundes. Nach persönlichem Kontakt. Aber es ward eine Vergebung ausgeschrieben und dabei bleibe ich. Weil ich vermute, daß Du hier liest: Ich zeihe Dich dennoch der Schamlosigkeit! Weil Du ein Klappspaten bleibst…

Alle anderen Tiefen erscheinen dagegen wie Flachpfützenwasser und sind nicht mal eine Erwähnung wert.

Und welche Höhen haben Sie in Ihrem Bloggerleben bereits erlebt? Ein besonders denkwürdiges Blogereignis?

Der Bloggergipfel ist immer dann erreicht, wenn man schreibvertraute Menschen weiter an sich heranläßt. Handgeschriebe Briefe tauscht oder gar Telephonate. Auch Hilfeleistungen oder Geschäftskontakte machen mich flipflopflippig Und dann kanns nur noch denkwürdiger werden, indem man sich persönlich gegenübersteht, wobei das kein Muss ist. So oder so: Ich freue mich auf noch ganz viele spannende Begegnungen.

Wenn Sie anonym bloggen: Lassen Sie Menschen aus Ihrem realen Umfeld in den Genuss Ihres Blogs kommen? Warum nicht?

Käthe Knobloch ist wirklichen Freunden bekannt.

Haben Sie sich schon einmal gewünscht, einen Blogbeitrag nie veröffentlicht zu haben?

Ja, aber der ist schon lange wieder gelöscht. Es war ein Trauergedicht, keine seiner Buchstaben war es im nachhinein wert, also weg damit.

Wie viele unveröffentlichte Beiträge liegen noch in Bearbeitung, wie viele davon werden es voraussichtlich zur Veröffentlichung schaffen?

Ich frohmaulte ja letzthin bei der famosen Frau Rosmarin über zwölf noch fertigzuschreibende Texte. Hahaha, ich habe die außerwordpressigen vergessen. Dilemma! Dilemma! Da ich auch kladdig schreibe, sind meine zu bearbeitenden Beiträge unzählbar geworden. Ich wünsche einem jeden davon eine eigene Öffentlichkeit. Letzthin las ich Mama Löwenherz einen daraus vor, der hier nie erscheinen wird, das gildet doch auch…

Inspiration, Technik, Ritual, Zeiteinteilung. Wie schreiben Sie?

Inspirierttechnikverteufelndgernstritualisierendknappzeitig.

Mögen Sie Kuchen?

HammSe auch ’ne Leberwurschstulle? Käsebrötchen? Laugenbrezel? Speckkartoffelsalat? Halberstädter Würstchen… Mooooment, falsche Tageszeit für die Frage! Das Pausenbrot längst aufgegessen und das Abendessen noch weit entfernt… butterböhnchenleberspätzlegrünkohlkalbsleberschmorzwiebeln… Oh, Pardöngsche, Sie lesen ja immernoch mit…

Wie lautet die Frage, die Sie schon immer einmal gerne gestellt bekämen? Sie dürfen Ihre Antwort darauf natürlich gleich mitliefern, wenn Sie möchten.

Ich glaube, diese Frage tauchte bereits in einer früheren Scheitelfeihe auf, aber die Fragenantwort und die Fragenantwortantwort dürften ähnlich gewesen sein:

„Knoblochen, warum trägste denn dein Herz immer auf der Zunge?“

„Weil ich fürchte, mich sonst daran zu verschlucken.“

Da ich dieses Stöckchenbündel aus freien Stücken an mich riss, weil ich die Fragen oberorbitös fand, nominiere ich niemanden, sie seien frei niedergelegt zur Selbstbedienung.

Nee, Sir, diesmal auch nicht Sie! Obwohl…

***

Aus aktuellem Anlass ergänze ich noch die Fabulösknüppel der charmanten Frau Christiane die mir zwo zu hinterlegen erlaubte. Und der nicht minder fabelhafte Herr Tristan stellte die allergleichen Fragen. Dankefein auch dafür, ich freue mich urstknurpsig!

Beschreibe deinen Weg zum Blogger.

Zettelzappeline, Notizbuchnovizin, Tagebuchträumerin, Blogneugierine, Twentysixsouverine, Allesglaubdummerine, Todayprobiererin, Stummschaustaunerin, WordPressbewunderin, Stimmsuchstammlerin, Bittemitoknoblochen. Ich möchte keine Gabelung des Weges missen. Und freue mich auf den sich weiterschlängelnden Silbersilbenpfad…

Tipps für neue Blogger.

Ehrlich sein, ohne alles zu offenbaren. Neugierig sein, ohne alles zu glauben. Nie den Menschen hinter dem Blogpseudonym vergessen. Die Netikette beachten. Nicht stumm liken, sondern Worte bekennen. Blinkkwatschtrallalla meiden. Und schlußendlich immer bereit sein, über sich selber zu lachen. Fehler macht nur, wer sich wagt die eigene Hirnapparatur zu nutzen.