bittemito

Monat: Oktober, 2015

Molluskennamensmartin/aliebesnotat

Es war mal ein Schneck namens Martin/a,

der/die war urpotzblitzig feinsthinterhöfig da.

Ließ sich gernst bewundern und behachen,

ich kredenzte ihm/ihr die leckersten Sachen:

martin/a1

Vom Basilikum, dem guten Rotblattgewächs,

die Zartspitzen, doch ich hörte nur: „Bjächs!“

Stattdessen machte er/sie sich lang und länger,

mir wurde ob der Streckung immer bänger!

martin/a2

Er/sie verschmähte die Blättchen komplett,

das fand ich naturlamente nicht sehr nett!

Doch staunend bewunderte ich die Eleganz,

sein/ihr Vorwärtsgeschnecke glich einem Tanz.

martin/a3

Und dann staunte ich kugelaugengrünrundig,

Der/die Schneck war des Kletterns gar kundig!

Erklamm Stück um Stück den zweigigen Korb,

indem er/sie genügend Kriechschleim absorb…

Ach nein, er/sie sonderte ihn ja ab, den Schleim!

(Aber so paßt dann wenigstens dieser Reim…)

martin/a5

 Zog beharrlich sein/ihre Spur gerade hinauf,

ganz ohne jedes Gemurr und Geschnauf!

Doch ich schwöre, ich hab es vernommen,

sein/ihr Kichern, da oben angekommen:

„Da staunste, wa, du Einfaltsmenschenkind,

wozu wir Molluskenschleimer so fähig sind!“

Ach, Schneckchen, du Kleinstschöntierchen,

ich teilte mit dir sogar gern mein Bierchen.

Jetzt komme du gutfein durch die kalte Zeit,

ich halte Ausschau, wenn es wieder soweit,

daß du als Plagegeist betitelt werden wirst,

während mir vor Vorfreude das Mieder birst.

Ich pflanze dann wieder vieles gedoppelt ein,

einmal für uns und einmal für dich ganz allein!

Für dich mache ich sogar Genderschrägststriche.

Schlaf gut, meine Molluskenschleimigherrliche!

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Einmal nur es wagen

Einmal nur es wagen, das Unerzählbare federflüsternd aufzustricheln. Die Fragmente zu notieren und sie gleich spitzweher Puzzleteile so lange ineinanderzufügen, bis die geschriebene Linie anstelle des eigenen Blutes erstarrend zueinanderfindet.

Einmal nur es wagen, das Kichern der brusthockenden Nachtmahre versuchen in tiefschwarzen Tintenzeilen zu interpretieren, statt es in kleinen Kaltschweißtropfen über die bebende Krummrückenlinie fließen zu spüren.

Einmal nur es wagen, dieses dunkle grobrissige Tuch im Ganzen zu heben, nicht es wieder und wieder nur zipfelig zu beangstäugen und sogleich den Wimpernvorhang vor Entsetzen fallen zu lassen und verschämt die Tränen wegzuwischen.

Einmal nur es wagen, den eigenen Schmerz über alles andere zu stellen, nicht als gebietendes Monumentalpodest, sondern als grelles Fanal, mit dessem letzten Aufflackern endlich auch die Angst vor der Wahrheit erlischt.

Einmal nur es wagen, dieses zu benennen. Und mit dem Benennen sogleich erkennen, dass genau dieses schon längst getan. Von dir selbst. Innerlich und öffentlich. Hier, dort, du trägst deinen Namen. Nenne ihn und kenne ihn.

Ahornlehrtrostrotaugenleuchtnotat

Immer, wirklich immer entbietet die Natur mit ihren Leuchtnotaten den schönsten Augentrost und diese einmalig strahlende Wärme, die durch die Pupillen sachtmurmelig in die Glieder kriecht. Heute war es in den kurzen Momenten, da ich beim Haus am Ende des Weges Ruhe und Müßiggang fand, der flammende Ahorn; Lieblingsschlafgemach des Sommers, Immerfriedenspender und Vogelflugschule. Nur einen Herbstzeitenhauch erröten mit ihm alle anderen zu seinen Wurzeln beheimateten Nachbarn und noch nie ist es mir gelungen, seine zahlreichen Rotglühküsse zu protokollieren. Schon morgen wird das Rot verbraunen, er wird sich leisschwebigsanft ergeben und auf seine Winterruhe sich vorbereiten. Zieht seine Kraft in sich selbst zurück, opfert seine äußere Diesjahreszierde in dem Wissen um Werden und Vergehen. Er ist mir ein kluger Raschellehrmeister. Und der rotwangenflammendste Küsser obendrein.

„Wir können was dafür, wenn wir nichts dagegen tun.“

Ich gänsehaute mit einer Spur von dankbarer Scham, weil mal wieder einer die besseren Worte findet und ich gefühlt mit jedem Tag der Weiterverbreitung hinterherhinke. Danke Enno, Du bist einer der besten Wortpoeten und abseits jeder Floskeley. Wider dem Flächenbrand. Hinter der Glotze endet unser Tellerrand. Damit die Geschichte sich nicht wiederholt. Wir können was dafür, wenn wir nichts dagegen tun.

Fast gar nicht nicht mehr geehrter Herr Pirinçci,

Ich habe mir Ihre angebliche Rede angetan. Angebliche Rede nenne ich sie, weil Sie ein Pamphlet haspelnd runterlasen, welches eigentlich Pamphlet² genannt werden müßte. Selten habe ich in einer Hasstirade so viele Schimpfworte und Tiervergleiche der billigsten Art ertragen müssen. Darf ich Sie bitte erinnern, Sie sind Schriftsteller! Genießen Sie nun die Zustimmung derer, die wohl nie fähig sind, Ihren vielschichtigen Felidaeromanen zu folgen? Irritierten Sie denn nicht zwischendrin die Reaktionen Ihres Publikums, das scheinbar nie richtig wußte ob es buhen oder klatschen sollte?

Wohl nicht, zu sehr mußten Sie sich auf den Unflat konzentrieren, denn Sie da extra für dieses Publikum zusammengeschweinert haben. Als eine Leserin der ersten Zeit würde ich Ihnen zu gerne Absicht unterstellen. Ach, was wünschte ich mir beim Ansehen der Tubenvideos endlich eine Geste, einen Satz, passend wäre wohl ein beidseitiger Stinkefinger gen Zuhörer gewesen, oder noch besser; gegen sich selbst mit einem spöttischen Lächeln. Aber Sie haben ja bereits seit 2012 gezeigt, in welche Richtung Ihre Gesinnung sich neigt. Nun, Ihr Gestammel ist in der Welt und Sie können ja nochmal nachhören und -lesen, was als einziges für jeden Ihrer selbstdenkenden Leser als Reaktion übrig bleibt: Herr Pirinçci, schämen Sie sich!

So sehr es mir das Entsetzen über Ihren Auftritt nahelegt, verzichte ich auf die eigentlich notwendigen Erwiderungen auf Ihre einzelnen Äußerungen, die Reaktionen aus Ihrem schreiberischen Umfeld sprechen für sich. Übrigens genau wie die deutlich hörbare dankbare Stimme aus dem Tross der Alleshasser, die Sie vorzeitig von der Bühne buhte: „Du, der heizt die doch richtig auf hier!“ Wissen Sie eigentlich vor wem Sie da Ihre mittlerweile verqueren Ergüsse stammelten? Wissen Sie um das Feuer, das Sie schüren und das Sie möglicherweise als einen der Ersten am liebsten erfassen würde? Ich glaube nicht, Herr Pirinçci. Die meisten von denen können nicht mal Ihren Namen richtig buchstabieren.

Warum lassen Sie sich also vor einen Karren spannen, den eine Ziege besser bewegen könnte, um mal bei Ihrem bevorzugten Tiervergleich in diesem Schmähblabla zu bleiben? Ich hoffe die unabdingbaren Strafen machen Sie nachdenklich. Versuchen Sie doch einfach mal wie Ihr Francis zu denken, der hatte weder Scheu gegenüber Andersartigen, noch glaubte er dem ihm vorgegaukeltem Schein. Er ist Ihr Geistesgeschöpf. Den halte ich in Ehren, Sie jedoch haben sich diesen Status endgültig wegtiradisiert.

Entsetzt und wohl auch ent-täuscht,

Käthe Knobloch.