Einmal nur es wagen

von kaetheknobloch

Einmal nur es wagen, das Unerzählbare federflüsternd aufzustricheln. Die Fragmente zu notieren und sie gleich spitzweher Puzzleteile so lange ineinanderzufügen, bis die geschriebene Linie anstelle des eigenen Blutes erstarrend zueinanderfindet.

Einmal nur es wagen, das Kichern der brusthockenden Nachtmahre versuchen in tiefschwarzen Tintenzeilen zu interpretieren, statt es in kleinen Kaltschweißtropfen über die bebende Krummrückenlinie fließen zu spüren.

Einmal nur es wagen, dieses dunkle grobrissige Tuch im Ganzen zu heben, nicht es wieder und wieder nur zipfelig zu beangstäugen und sogleich den Wimpernvorhang vor Entsetzen fallen zu lassen und verschämt die Tränen wegzuwischen.

Einmal nur es wagen, den eigenen Schmerz über alles andere zu stellen, nicht als gebietendes Monumentalpodest, sondern als grelles Fanal, mit dessem letzten Aufflackern endlich auch die Angst vor der Wahrheit erlischt.

Einmal nur es wagen, dieses zu benennen. Und mit dem Benennen sogleich erkennen, dass genau dieses schon längst getan. Von dir selbst. Innerlich und öffentlich. Hier, dort, du trägst deinen Namen. Nenne ihn und kenne ihn.

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