Meineallheiligminimallitanei

von kaetheknobloch

Ein jeder hat etwas im Leben, was ihm heilig ist. Und ein jeder braucht die Zeit, diesem auch angemessen zu huldigen. Mir war es heute nicht gewährt, nicht so, wie ich eigentlich gewollt. Doch alleine die Dämmerstunde trug so vieles in sich drin, was mich innendrinnig heile macht. Ein Mußeviertelstündchen unterm gänzlichst sich hingebendem Ahorn, ließ auch mich sich für heute ergeben. Meinen mir heilsamen Augenblicken:

Der wickenschotenrankige Kranz, der als der eigensinnig meinste beim Haus am Ende des Weges verblieb und den ich noch behagebuttenröten wollte, er hat sich stillheimlich selbst ein Rouge aufgelegt, als ob ihre rosalippige Blütenpracht des Sommers nochmal nachglüht.

Die sichtlich verwunderten Jährlingsmeisen, die aufgeregt die immer kahleren Äste beflattern und dadurch neue Rotblattflut befeuern, sie machen mich lächeln ob ihrer Turnkunst und dadurch auch an Erinnerungen von hängemattig beobachteten Flugstunden.

Das mitliebste Herbstwintergesichtchen, das gleich mir sein Antlitz der untergehenden Sonne zuneigt und dadurch nochmal richtiggehend strahlend erleuchtet, mir scheint, es zwinkert mir Winterliebchen wissend und kaltluftrotwangig zu.

Und bei den letzten Blicken gen sich verabschiedender Sonne an Allerheiligen, winkt sich verneigend der ewige Gingko in mein Sinnen und gibt sich ganz leise seufzend diesem Tage und mir hin. Ich sammele ein Sträußchen seiner Blätter auf und bin wieder ganz ruhig, ganz heile darin.

Möge ein jeder diesen Frieden in sich finden, wenn er um zu heilen, ein solches Zwiegespräch sucht. Welchen Göttern, Götzen oder Gedanken er dabei huldigt, es ist im Grunde völlig egal, solange er es in Friedensabsicht tut. Nur aus dem inneren Heilen in sich gedeiht äußere Friedlichkeit. Ein jeder hat etwas im Leben, was ihm heilsam ist.

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