Hornungsfriedenhoffnungsfaksimile

von kaetheknobloch

Außenfensterig scheint die Welt zu pausieren, zumindest im eigenen kleinen Reiche. Allein die Spatzenbande und die erstschimpfigen Amselriche zerzetern die Sonntagsruhe. Die Großreichwelt habe ich für heute gänzlichst ausgesperrt, mache eine Friedenhoffnungspause. Den gestrigen Pseudolenzentag, so seltsam anmutend im eigentlich wintrigen Hornung, widmete ich alleine dem Tagwerk und stillte farbausgehungerte Verblumigungssehnsüchte. Heute paßt mir das Wetter eh besser in die Befindlichkeit, ich gehe belederjackt und bewollschalt nach draußen. Und staune. Es regt sich knospendes Leben. Erst schaue ich jedoch nach meinem Schneckenliebwinterersatz. Kein Frostschaden, was ich bei manchem Pflanztopf nicht sagen kann. Dann entdecke ich die ersten Grüntriebe, selbst die empfindliche Clematis trägt gleichzeitig Samenverpuschelung und Hoffnungsgrün; und natürlich meine Jahresanfangslieblinge, die Lenzrosen, die gar keine Rosen sind. Mein Favorit ist die Fastschwarzschönheit. Fisselregen, gepeitscht von ersten Sturmaspiranten und Klammhändigkeit treiben mich in das Haus zurück. Rotwangig und augenbefriedet schaue ich gleich den vasigen Ballettröckchentulpen durch das winterverdreckte Fensterglas nach draußen. Zeitchen später durchbricht eine Leuchtgewalt das nasse Grau und wiedermal hat ein Hornung meine Hoffnung faksimiliert.

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