Dorfkinovanillezuckerpowehdochinnenkrumen

von kaetheknobloch

Bereits letztjährig krawummste mir beim Lesen der Kinoerinnerungen des famosen Herrn Bludgeon ein Gefühlsbrocken in die Denkapparatur. Wurde dort langsam knirschend zerrieben und in einzelne Krumen zersplittert. Meine Gedächtnisskammer ist oftmals eine rumpelige und gehört Zeitchen sortiert. Selbst da bleiben Unsicherheiten. Andere, vergessenswürdige Schatten verdunkeln manche Ecke. Was als sicheres Stäubchen von diesem Gefühlsbrocken übrig bleibt ist der Geschmack von Vanillezucker. Irritierend, denn Vanilleduft begaukelt mich immer nach großer Emotionalität und erlebter Gefahr. Aber ich schweife ab…

* Gasthaus Firll, neben der Bushaltestelle, praktisch für die pendelnden Quartalstrinkerväter die dort ihren Lohn versoffen, bevor sie eiernd nach Hause radelten. Und für uns Ranzenkinder, die im direkt danebenliegenden Dorfkonsum Puffreis, Mintkissen und die kleinen Einkugelplastikpöttchen mit Eiscreme kauften. Begehrt die kleinen bunten Löffelchen mit dem Namen drauf. Meinen gab es nur mit h, was ich sehr blöd fand.

* Außenfensterig hingen die oftmals auch handgemalten Kinoplakate. Denn zur Dreieinigkeitsvergnüglichkeit des Dorfes gehörte der obergeschossige Saal des Gasthauses. Getanzt wurde da schon länger nicht mehr, aber der Kinobetrieb lief weiter. Harte Klappstühle warteten auf Hinterigkeit und die Öffnung des schwerzerschlissenen Vorhangs. Immer dienstags und donnerstag. Was ich auch blöd fand.

* Dienstag und Donnerstag war die Turnhalle für die Tischtennisspieler frei und es war oftmals eine schwere Entscheidung für mich, die sehr oft zugunsten des Sportes ausfiel. Die Klappsitze waren wirklich sehr, sehr hart. Außerdem nutzten viele Ältere das Kino als Wisperundfummelort, was sich jüngere natürlich abguckten. Da ich zu der Zeit allerdings lieber ein Junge war, ging mir das natürlich gehörig auf die Nerven. Ja, richtig: Ich fand es blöd.

* Aber es gab Filme, die waren ein Muss! So sehr ich versuche mich an alle zu erinnern, es gelingt mir nicht. Die Sindbads sind präsent. Was für Abenteuer, welch fremde Welten! Indianerverfilmungen, die erste muß Osceola gewesen sein. Und ganz oben auf dem Erinnerungsgipfel thront Adele. Adele hat noch nicht genachtmahlt. Skuriller und abgedrehter konnte kein Eigenkopfkino sein, trotz meiner kinddenklichen Verwegenheit. Das war gar nicht blöd.

* Statt Popkorn kauften wir vorher im drunteren Konsum unsere Filmbegleitknabbereien. Ich fand gleichzeitiges Gucken und Essen schon immer, nawaswohl, blöd. Kaufte stattdessen kleine Tütchen Vanillezucker, die ich mir behutsam in die gewölbte Hand schüttete und zungenspitzig mich besüßglückte. Raschelfrei und krümellos. Und gedankenreiseanspornend, daß ich sogar mein Poweh vergaß. Sowas von unblöd!

* Und dann kam Krull. Allerdings glaube ich nicht, diesen für uns Ossis fantastösen Film im Dorfkino gesehen zu haben. Meine Erinnerungen wollen mich hier foppen, deucht es mich. In der Kreisstadt trutzte die Schauburg, ein richtiges Kino, doch zu weit um dahin zu drahteseln. Doch finde ich im Gedächtniskämmerchen keine Mopedfahrt dahin. Blöd. Überhaupt häufen sich die diese Zeit verdunkelnden Schattenbilder. Lächeln muß ich heute dennoch fast täglich bei den Kinoerinnerungen, denn Osceola wartet auf mich.

Osceola

* Ich habe einen Lieblingsparkplatz auf der obersten überdachten Blauen Ebene des Parkhauses. Noch nie wurde er mir bis dato streitig gemacht. Ich sause mit dem automobilen betagten Gefährten die Kurven hinauf und da profilt er mich an: Mein Osceola. Halten Sie mich ruhig für blöd, in einem Dreckfleck einen Indianerhäuptling zu sehen, aber dieses mein Kopfkino ist meine schönste Schauburg. Jetzt brauche ich nur noch Vanillezucker…

Mein Osceola

Advertisements