bittemito

Monat: Februar, 2016

Dorfkinovanillezuckerpowehdochinnenkrumen

Bereits letztjährig krawummste mir beim Lesen der Kinoerinnerungen des famosen Herrn Bludgeon ein Gefühlsbrocken in die Denkapparatur. Wurde dort langsam knirschend zerrieben und in einzelne Krumen zersplittert. Meine Gedächtnisskammer ist oftmals eine rumpelige und gehört Zeitchen sortiert. Selbst da bleiben Unsicherheiten. Andere, vergessenswürdige Schatten verdunkeln manche Ecke. Was als sicheres Stäubchen von diesem Gefühlsbrocken übrig bleibt ist der Geschmack von Vanillezucker. Irritierend, denn Vanilleduft begaukelt mich immer nach großer Emotionalität und erlebter Gefahr. Aber ich schweife ab…

* Gasthaus Firll, neben der Bushaltestelle, praktisch für die pendelnden Quartalstrinkerväter die dort ihren Lohn versoffen, bevor sie eiernd nach Hause radelten. Und für uns Ranzenkinder, die im direkt danebenliegenden Dorfkonsum Puffreis, Mintkissen und die kleinen Einkugelplastikpöttchen mit Eiscreme kauften. Begehrt die kleinen bunten Löffelchen mit dem Namen drauf. Meinen gab es nur mit h, was ich sehr blöd fand.

* Außenfensterig hingen die oftmals auch handgemalten Kinoplakate. Denn zur Dreieinigkeitsvergnüglichkeit des Dorfes gehörte der obergeschossige Saal des Gasthauses. Getanzt wurde da schon länger nicht mehr, aber der Kinobetrieb lief weiter. Harte Klappstühle warteten auf Hinterigkeit und die Öffnung des schwerzerschlissenen Vorhangs. Immer dienstags und donnerstag. Was ich auch blöd fand.

* Dienstag und Donnerstag war die Turnhalle für die Tischtennisspieler frei und es war oftmals eine schwere Entscheidung für mich, die sehr oft zugunsten des Sportes ausfiel. Die Klappsitze waren wirklich sehr, sehr hart. Außerdem nutzten viele Ältere das Kino als Wisperundfummelort, was sich jüngere natürlich abguckten. Da ich zu der Zeit allerdings lieber ein Junge war, ging mir das natürlich gehörig auf die Nerven. Ja, richtig: Ich fand es blöd.

* Aber es gab Filme, die waren ein Muss! So sehr ich versuche mich an alle zu erinnern, es gelingt mir nicht. Die Sindbads sind präsent. Was für Abenteuer, welch fremde Welten! Indianerverfilmungen, die erste muß Osceola gewesen sein. Und ganz oben auf dem Erinnerungsgipfel thront Adele. Adele hat noch nicht genachtmahlt. Skuriller und abgedrehter konnte kein Eigenkopfkino sein, trotz meiner kinddenklichen Verwegenheit. Das war gar nicht blöd.

* Statt Popkorn kauften wir vorher im drunteren Konsum unsere Filmbegleitknabbereien. Ich fand gleichzeitiges Gucken und Essen schon immer, nawaswohl, blöd. Kaufte stattdessen kleine Tütchen Vanillezucker, die ich mir behutsam in die gewölbte Hand schüttete und zungenspitzig mich besüßglückte. Raschelfrei und krümellos. Und gedankenreiseanspornend, daß ich sogar mein Poweh vergaß. Sowas von unblöd!

* Und dann kam Krull. Allerdings glaube ich nicht, diesen für uns Ossis fantastösen Film im Dorfkino gesehen zu haben. Meine Erinnerungen wollen mich hier foppen, deucht es mich. In der Kreisstadt trutzte die Schauburg, ein richtiges Kino, doch zu weit um dahin zu drahteseln. Doch finde ich im Gedächtniskämmerchen keine Mopedfahrt dahin. Blöd. Überhaupt häufen sich die diese Zeit verdunkelnden Schattenbilder. Lächeln muß ich heute dennoch fast täglich bei den Kinoerinnerungen, denn Osceola wartet auf mich.

Osceola

* Ich habe einen Lieblingsparkplatz auf der obersten überdachten Blauen Ebene des Parkhauses. Noch nie wurde er mir bis dato streitig gemacht. Ich sause mit dem automobilen betagten Gefährten die Kurven hinauf und da profilt er mich an: Mein Osceola. Halten Sie mich ruhig für blöd, in einem Dreckfleck einen Indianerhäuptling zu sehen, aber dieses mein Kopfkino ist meine schönste Schauburg. Jetzt brauche ich nur noch Vanillezucker…

Mein Osceola

Hornungsfriedenhoffnungsfaksimile

Außenfensterig scheint die Welt zu pausieren, zumindest im eigenen kleinen Reiche. Allein die Spatzenbande und die erstschimpfigen Amselriche zerzetern die Sonntagsruhe. Die Großreichwelt habe ich für heute gänzlichst ausgesperrt, mache eine Friedenhoffnungspause. Den gestrigen Pseudolenzentag, so seltsam anmutend im eigentlich wintrigen Hornung, widmete ich alleine dem Tagwerk und stillte farbausgehungerte Verblumigungssehnsüchte. Heute paßt mir das Wetter eh besser in die Befindlichkeit, ich gehe belederjackt und bewollschalt nach draußen. Und staune. Es regt sich knospendes Leben. Erst schaue ich jedoch nach meinem Schneckenliebwinterersatz. Kein Frostschaden, was ich bei manchem Pflanztopf nicht sagen kann. Dann entdecke ich die ersten Grüntriebe, selbst die empfindliche Clematis trägt gleichzeitig Samenverpuschelung und Hoffnungsgrün; und natürlich meine Jahresanfangslieblinge, die Lenzrosen, die gar keine Rosen sind. Mein Favorit ist die Fastschwarzschönheit. Fisselregen, gepeitscht von ersten Sturmaspiranten und Klammhändigkeit treiben mich in das Haus zurück. Rotwangig und augenbefriedet schaue ich gleich den vasigen Ballettröckchentulpen durch das winterverdreckte Fensterglas nach draußen. Zeitchen später durchbricht eine Leuchtgewalt das nasse Grau und wiedermal hat ein Hornung meine Hoffnung faksimiliert.

Dunkelschwingenschweigendenkinnengesangdank

Welches Sinnen verbirgt sich unter den dunklen Schwingen deines Schweigens? Deine Silberlachtöne zwischen den Schnellschlagtaktsätzen, wo sind sie hin verschwunden? Keine Frage, keine Antwort generiert sich aus der bloßen Leere. Dein Schweigen wölbt sich kuppelig über all die Wortebenen, die noch weitlandig unerforscht. Jede wandernde Wortwabe platzt denkendlich wie eine Seifenblase an dieser in grauer Unwissenheit starrenden Kuppel. Wann hast du angefangen, sie aufzurichten, woher kam der erste Grübelstein und wieviel unnötige Kraft verschwendetest du, die nächsten kaltglatt abzuschleifen und darauf zu setzen? Ich würde mir die Fingerkuppen blutig für dich suchen, tastend nach dem einen Silbenriss, der sich zum Wortspalt weiten ließe um dir einen Warmpulsgruß zu hinterlegen. Doch ich lasse es in dem einen Wissen: Das Schweigegewölbe kannst du nur selbst zum Einsturz bringen, ein geflüstertes Hallo, ein gehauchtes Ja oder eben nur ein gesendetes Lächeln würde reichen. Doch muß es deines und mariannengrabentief ehrlich sein. Ich bleibe hier stehen und schaue der Zeit beim Vergehen zu. Gelöst wandert der Blick über die weiten Wortwogenwiesen, klettert über Silbengebirge und überstreicht sanftwellige Vokabelwogen. Innendrinnig ein sachtes Summen, das bald als glockenheller Sichersang sich gen Graukuppel spiralt, gleich dem Sommertanz der Lerche. Irgenwo wird eines Tages ein Buchstabenlächeln zu finden sein und dunkle Schwingen werden licht.

Gedankenzumgutenimschlechtenverdichtversuch

Die fabulöse Frau Wirsching stellte Fragen und was für welche! Das Gute im Schlechten sucht sie und mit ihr viele andere. Auch ich. Und ich werde nicht fündig. Ich weiß soviel Gutes zu berichten, doch söllten das wirklich die Antworten sein, die ich mir selbst geben würde? Nein, denn dann würde ich die Suche aufgeben. Und das kann ich nicht. Also suche ich weiter nach Antworten, denn nur keine versuchte Antwort ist tatsächlich eine schlechte…

1. Was ist gut?

Was ist gut und was wäre denn dann verflucht nochmal schlecht,

so kreist die Fangfrage ohrwurmunerbittlich im Kopfe herum.

Wäre es einfach, wäre jede eigene Handlung sicherlich gerecht,

doch in macher guter Absicht steckt auch mal das Böse, drum

wäage und wäage ich ab und tausche die Silben wie Augenblicke.

Was macht der Clochard denn mit dem geteiltem Gelde wirklich?

Kann ich monetär bestimmen über seine süchtigen Geschicke?

Nein, er säuft sich zu Tode damit, vielleicht sogar augenblicklich.

Gab ich ihm also etwas Gutes oder doch die Schlechtigkeit allein?

Reicht die gute Absicht, um sich selbst „gut“ zu befinden denn aus?

Wie bitte söllte hier jemals eine gemäße Antwort möglich sein?

Nein, aus dem Gutenimschlechtendenken finde ich nicht heraus…

 

2. Etwas, das erst durch Einwanderung, Völkerwanderung, Menschenbewegung in unseren Breiten entstand oder möglich wurde – und auf das du auf keinen Fall verzichten möchtest:

Lange Frage und so einfach schlicht doch die meinige Antwort:

Mich!

Denn wanderte der Mensch nicht seit Urzeiten von Ort zu Ort,

es gäbe mich und dich und dich und dich und dich und dich

nich.

Liebe Sabine, ich verspreche weitere Antworten, die Traumfrage ist eine echte Denknuß für mich, weil ich nicht gleich ihm träumen kann. Ich schlafe einfach nochmal drüber. Denn das darf ich: In Frieden nachtschlafen und tagträumen, wovon ich will. Und genau das beantwortet plötzlich Deine letzte Frage:

6. Was macht dir Mut aufs Gute?

Frieden. Frieden macht mir Mut. Eigensinnlicher, der Mahre bannt, grenzenüberwindender der Fremdheit umhalst und kontinentaler Frieden, der Freiheit mit sich trägt. Möglicher Frieden vom Ich zum Wir, der macht mir Mut. Mut zu dem Guten. Auch im Schlechten…