bittemito

Käthe Knobloch. Bitte mit O. Erst ein Ä und dann zwei O.

Monat: April, 2016

Käsekuchen, Krapfen und kein Muffin

Drei Schreihälse ragten zuletzt aus dem durchgangigen Amselnest. Dann war es leer. Zwei der Krawall-brüder oder -schwestern fanden ebenso wie wir den bonfortionösen Hinterhof bestens geeignet als Vogeljungenkindergarten. Von da an bestimmten sie den Ablauf des Tagewerkes. Jeder Handgriff wurde beaugenwacht, oft erschreckte uns ein panisch herumwuselndes Federfleckbündel. Zunächst, denn bald gewöhnten sich die Flauschknäuel an die hinterhöfigen Abläufe. Genau wie die fleißigen Amseleltern, die Schnabel um Schnabel voller Gewürm, Gezücht und Efeuperlen heranschafften. Jaja, ich gebe es gerne zu, meine fastfeierabendliche Apfelzufütterung gereichte ihnen zur Anflugsverkürzung und verschaffte mir die stillinnigsten Beobachtungsmomente. Die behalte ich aber einpupilliert ganz für mich.

Schon einwöchentlich staunten wir über die raschen Veränderungen und die offensichtliche Konkurrenz der zwei kleinen Klecksescheißer. Mal eroberte der eine den besseren Fütterungsplatz, mal war der andere strategisch besser orientiert. Eines jedoch konnten beide nicht: Kurven fliegen. Ihnen fehlte das rückseitige Steuer, puschelig schwanzlos wie sie waren. So kam es vor, daß sie schrill fiepend direkt auf uns drauflosflogen, panisch flatternd; und nur ein schnelles Wegducken die Vogelmenschkollision verhinderte. Ich erwähnte bereits die Okkupation des Hinterhofes und seiner Abläufe.

Der schnurgerade Gang wurde zum Flugversuchverhängnis, denn straßenwärts fuhren Autos mitohne Vogeljungesausweichhilfe. Aber zum Glück mit wachem Fahrer und funktionierender Bremse. Die Superpraktikantöse rettete Donut, der von da an auch Dösbaddel hieß und es galt, den Gang vogelabschreckend zu machen. Doch dennoch kundendurchlässig. Die Idee eines Fädchenvorhanges ward flugs umgesetzt und Cheesecake und Donut blieben fortan im Hinterhof. Ach, wenn ich sie schon erwähne: Natürlich war die Fabulöspraktikantin schuld an der Namensgebung. Der dritte Nestflüchter, im Nachbarhofe neubeheimatet hieß Muffin. Der sollte umgesiedelt werden, ließ sich jedoch nicht fangen. Schlaues Kerlchen bei der Füttermichkonkurrenz!

Inzwischen sind die Wuselfiepser entschwunden, im Hinterhofe herrscht wieder Ruhe und Ordnung. Leider, so ertappe ich mich denkend. Selbst die vielen Dankesschisse hat der aprilige Regen mittlerweile weggeschwemmt. Nur Amseline und Amselrich holen sich abendlich noch immer ihren Apfelanteil von meiner Fruchtvesper. Ich lasse sie jedesmal grüßen, alle drei: Cheesecake, Donut und Muffin, wo immer sie jetzt auch sind.

Zornestransdeszendsformatoren*

Und während wir so die Gestade verunsicherten, die Chilischokoscharfe, der Möchtegernwindhund und ich; entstand eine orbitöse Idee: Wenn wir das, das wir so liebend berufen nicht mehr zu tun vermögen, erfinden wir uns gemeinsam neu. Mitsamt den Zornestransdeszendsformatoren*©Ro. Aber der Reihe nach:

Steine stapeln. Am Meer. Super Sache und immens entspannend. Wir beginnen mit drei Rundwackelfelslein und weil es so Spaß macht, gleich noch ein Babelchen**©Ro nebendrein. Fetzt.

Babelchen im Duett

Aber da geht noch was! Nochmal kurz üben und Zack! das nächste Babelchen! Etwas mutiger mittig auf die Felsspitze gebaut:

Spitzentanzbabelchen

Givemefive war der nächste innere Anspornruf und wurde sogleich mit immer sicherem Balanciererblicke und ruhiger Hand erhört:

Fümpfbabelchen

Dem konnte nur eines folgen : Eine tiefenentspannte, schier tantraartige Sechsauftürmung, ich glaube da wurde dann auch die formidable Bezeichnung für unser neues Entspannungskonzept erfunden: Zornestransdeszendsformatoren*©Ro.

Sechserbabelchen

Aber nicht im Aufbau sollte die Entspannung sich bewahrheiten, die halten wir uns selbst bevor, nein, an der Zerstörung dieser fragilen Babelchen sollten unsere zornigen Kunden sich entwüten!

Erste Stufe: Weghauen. Wiederaufbau. Zwote Stufe: Aus angemessener Entfernung mit großen Steinen bewerfen, bis das Babelchen wankt und sich zerstreut. Wiederaufbau. Dritte Stufe: Aus angemessener Entfernung mit kleinen Steinen bewerfen, bis das Babelchen wenigstens bauchlastig wankt und den Kopf verliert. Wiederaufbau. Vierte Stufe: Aus angemessener Entfernung mit selbst gefundenen Seevögelfedern werfen, bis das Babelchen von einer unerwarteten Sturmböe umgeweht wird. Wiederaufbau. Fünfte Stufe: Umspucken. Wiederaufbau. Sechste Stufe: Umpusten. Wiederaufbau. Siebente Stufe: Umdenken. Für Übungszwecke erfolgt nun völlig kostenfrei Anschauungsmaterial dieser Königsdisziplin, wir bitten um rege Erprobungsteilnahme und präsentieren stolzbollerig den Siebenerbabel! Unterstützend silbenklatschen Sie bitte dabei:

Siebenbabelchen

Zorn♥es♥trans♥des♥zends♥for♥ma♥to♥ren!

Sieben Steine, acht Scheißherzchen und neun spontan geklatschte Silben ergeben nun eins:

Zen.

Fetzt!

*Zornestransdeszendsformatoren und **Babelchen sind natürlich identisch, die Benamsung erfolgt je nach zungenbrecherischer Fähigkeit und Zorneszustand. Anmeldungen zum Entzornungskurs bitte gerne in den Kommentaren. Hauptkurse sind direkt in Insulanien geplant, eine Filiale entstand spontan im lieblichen Lipperlandien in einem ohnehin heilsamen Hinterhof.

Hinterhofbabelchen

Brauntropfen- Mutter weint (Farbstudie II)

Die Bernsteinkette meiner Mutter kam mir vor wie aufgefädelte Honigtropfen, die sie mühsam salzend ihren Augen abgerungen und dann seltsam erstarrt an Silberringlein fixiert hatte. Man erklärte mir die Herkunft des Bernsteins in der Schule, ich habe es sogar selbst versucht ihn herzustellen. Gleichwohl wußte ich schon beim Abkniepeln des Harzes vom Kirschbaum, daß das nicht stimmen konnte. Im Bache, in einer zerschnittenen Nylon schwimmend, fand ich nach ein paar Tagen die schwarzschmierige Bestätigung: Es fehlte die Salzwassermühe. Mitsamt der benötigten Zeit.

Damals wußte ich noch nicht, daß man Erinnerungen auch tränend salzreifen konnte, doch der Wunsch nach einer solchen schimmerigen Kette verließ mich nie. Die Ahnung von heller werdenden, sich versüßenden Honigtränen verstärkte sich jedoch bei jedem Blick in die Karamellaugen meiner Mutter. Sie waren nie rotgeweint wie bei Oma oder anderen vorschnell gealterten Frauen im Dorfe, sie schimmerten lichtwehend wie die Dünengräser in den hochsommerigen Flirrwochen an der Ostsee. Winters hingegen oder eben auch heimatlich glücklich maronten sich ihre Pupillen zu warmer Liebkosung gleich tiefster Herkunft und Überzeugung, genau da zu sein, wo sie sich langsam entsalzen konnte.

Es waren ihre Honigaugentropfen, die mir viel zu groß versilberkettet über die dürre Jungmädchenbrust floßen und um die ich sie beneidete. Sie salzte sie erneut augenwassernd, bis sie mir verstandeserträglich wurden und nur süße Erinnerungen fürderhin hell mir schienen. Eine solche Kette, wie töricht war es; sie jemals zu neiden!

Fabulösfloralüberraschungsfreude

Und plötzlich steht da eine mit Blumen in der Hand im Floratelier. Nicht so ungewöhnlich sicherlich, wenn ich diese Blumen eigenbinderisch erkennen würde. Oder wenigstens die Blumeninderhandhalterin. Am besten beide natürlich, aber in keinem meiner Denkkämmerchen zündet ein wissendes Licht. Ich bediene meine Kundin weiter und die Blumeninderhandhalterin schaut lächelnd zu, während meine Synapsen purzelbaumend nach einem Fitzelchen Erkennen suchen. Nichts. Sie finden nichts. Dann ist die Unbekannte dran und mir wird ein Entzückendsträußlein gereicht. Ich bekomme in meinem Floratelier Blumen. Wie bonfortionös das ist, kann ich kaum beschreiben. Ich freue mich und vermag schier nicht die Begleitworte zu erfassen: „Käthe Knobloch“ … „Ich lese Sie“ … „… ob es Sie wirklich gibt…“

Floralliebgruß

Eine Umhalsung befeuert spontan das Erkennen, ohne sich zu kennen und ein Schonimmergefühl flutet uns und den Laden. Es samstagt weiter, fast wie immer und doch ganz neu. Anderes Lachen, anderes Leben und doch verweben sie sich ineinander, als wäre es schon immer so gewesen.

Liebe Besucherin, ich danke Ihnen von Herzen. Wären mehr Menschen so spontan wie Sie, es gäbe weniger Mißverständnisse. Was Sie mir heute schenkten, ist viel mehr als dieser wunderschöne Strauß. Möge Ihnen mein Wimpernzwinkerli selbige Freude bereiten. Und Ingwer und Süßholz warm Sie begleiten auf Ihrem weiteren Weg. Danke, die Ihre.

„Kann man da was gewinnen?“

So lautete die Frage einer Kundin beim Anblick meines Demonstrationsaufrufes inmitten der üppigen Verblumung straßenwärts vor dem Floratelier. Knapp, aber höflich meine Antwort: „Ja, Ihre Stimme.“ Dann lud ich sie auf einen Tee in den Hinterhof ein und versuchte, meine Motivation zu erläutern. Kam wohl an, sie gab mir zehn Euro, um sich an den Kosten für das Werbematerial zu beteiligen. Sie ahnen, was das tut?

Demoaufruf

Es fetzt natürlich!

Wer mitfetzen möchte, egal auf welche Art und Weise und mit welcher Motivation, der findet bei campact! alle Informationen. Bitte folgen sie diesem Link: campact!

Das beste ist natürlich die eigene Teilnahme an einer solchen Demonstration, unsere Eindrücke von der letztjährigen Großdemo in Berlin sind hier nachzulesen: Frackt euch doch selber!

Wir haben eine Stimme, jeder. Je mehr sie erheben, umso weniger kann sie ignoriert werden. Wir alle können so gewinnen.

Gestriglichtglasliniengedankensicht

Fensterglasscheibig stelle ich mich meinen Erinnerungen. Manche wüten mich prasselnd an, lassen mir vor Angst die Luft wegbleiben. Zu lernen, daß das Glas mich zwar ihnen ins verzerrte Antlitz schauen läßt, doch keine rauhwindige Böe dieses Sicherheitsglas der Vergangenheit sprengen kann; ist ein mühsames Tun. Ich brauche keine Jalousien, die mich verbergen und den Schmutz fernhalten.  Wieder und wieder schmirgele ich fensterledrig die üblen Schlieren ab und poliere mit Glücksläppchen den besudelten Außenblick blank. Immer öfter schmeicheln mir lichte Erinnerungen, als würden mir warme Sommertränen die Wangen liebkosen wollen. Dann lege ich meine Fingerkuppen an das kühle Glas des Gestern und ziehe die sanften Linien der fließenden Zeit nach. In mir drinnen bin ich sicher. Durchscheinbar und offen sehe ich in die Welt hinaus. Und manchmal, manchmal blickt sogar jemand tief in mein Innerstes hinein. Dann wird die dunkelste Herzkammer hell durchflutet und strahlt genauso licht aus mir hinaus. Hinter geschlossenen Jalousien gelänge das nicht.

Vollleer

… denn Dänen lügen nicht, sie lächeln.

Zwar belächelten wir als erstes die kurz vor Lübeck bemitautomobilten zwo dänischen Burschen, die uns nebenbei feixend die Kletterliebe ihresgleichen glaubhaft machen wollten und taten dies ebenso staunend wie zurücklächend als modernes Märchen ab; aber wir mußten uns eines besseren belehren lassen. Denn Dänen lügen nicht. Ins flache Land bauen sie Kletterhallen und fahren dann halt just in die Alpen für draußiges Klettervergnügen.

Sie trampten von Kempten an zurück und längsquerten Deutschland im Laufe eines Tages. Vor Lübeck war dann Schluß. Bis wir beherzt unser Gepäck zusammenknüllten und sogar das mittebringende Rosmarinbäumchen für unsere fabulöse Gastgeberin sein Schöpfchen neigen mußte. Der Rest der Strecke war intensive Unterhaltung und Horizonzerweiterung ohnegleichen. Dänen lügen nicht. Sie klettern indoorig. Und lächeln immer.

Natürlich brachten wir unsere lächelnden Freunde bis zur Fähre und retourten dann zu unseren formidablen Gastgebern zurück. Zeitchen später, verbracht voller Wiedersehensfreude und aufgelebter Zugeneigtheit, sowie ersten Meeresküssen; besuchten auch wir gemeinsam die Fähre nach Dänemark. Einmal hin und zurück, mit Landgang, versteht sich. Wir staunten nicht schlecht.

Während das All-you-can-eat-Buffet während der vierzigminütigem Überfahrt von Menschenmassen gestürmt wurde, übrigens Deutsche wie Dänen benahmen sich gleich raffzähnig und auch das freundliche Lächeln der dänischen Stewarts galt allen gleich herzlich; empfing uns Dänemark nach dem Gewusel ganz still und gut ausgewuppt. Wir waren alleine. Rødby zeigte sich von seiner einsamen Seite. Das letzte, was ein Däne stillörtchenaufsuchend aus seiner Heimat mitnimmt, bevor er mit der Fähre die Landesgrenze überschippert, ist die Aufforderung zum Lächeln. Oha!

Die Rückfahrt verlief tatsächlich auch buffettechnisch gesitteter, was aber auch am schmaleren Angebot liegen konnte, aber wir wollten ja eh nicht allyoucaneaten, bjäch! Stattdessen folgten wir dem angetragenen Geist von Rødby und achteten auf Linien, die nachgezogen werden wollten. Und lächelten die ganze Zeit. Skål!

Skål!

Blauskizzenstrandglücksblicke

Glücksblick1

Wo ich vor Glück noch um Worte ringe, weil manches kleine Glück athemlos und sprachlos macht, als hätte man das ganz große Los gezogen; schreibt eine andere darob, als wäre sie dabeigewesen. Wir haben sie wohl herbeigelacht und geflüstermurmelt…

Blaue Skizze am Strand von Stefanie Schick aka Karfunkelfee

Meerwasser noch winterkalt, hauchdünne Wasserlinie zieht um Horizont zartes Platinband.
Füße tief eingegraben, Muschelsplit zwischen den Zehen, Wind weht noch kühl über sandgestrahlte Haut und in den Ohren dieser leise, immer wieder anlandende Brandungslaut.
Ferne Stimmen von Spaziergängern, ein dünner lächelnder Hund, mit fliegenden Ohren, läuft grundlos, obwohl schon so alt, als sei er für den Wind geboren, obwohl seine Knochen wund. Strandläufer unbeschwert Meeresgischtworte austauschend, ohne festes Ziel. Herbsalzig Wind rauscht in Dünengräsern, der Bleispiegel des Meeres geschwungen in frühen Quecksilbertendenzen im glänzenden Wellenspiel.
Zeit ein Funkenflug im Osterfeuer glimmt Wärme, lehnt sich Rücken aneinander, synchronisiert unterschiedliche Füße, wird fließend intensiv freiformgeführt und erneuert in Gemeinschaft und Nähe. Lebens zeitweise Süße, weit fort alles Wehe. Signiert und klar in friedlichem Überschwang, stellt die Skizze Mittelpunktmomente dar. Sie wurden mit dem feinem Federstrich der Sympathie in Langschrift in vergänglichen Sand kalligraphiert und im Blut miteinander gelebter Zeit konserviert. Unretuschierter Klang bleibt, wenn alles längst vergangen, ein tief bewegtes Bild, das sich selbst beschreibt. Darin eine Handvoll Menschen und Muscheln, ein Glas insulaner Sand. Die Sehnsucht nach Meer eine Weile still, im Echo sich in Begegnungen suchte und endlich wiederfand.

Danke, meine liebe Karfunkelige und wenn ich’s mir recht überlege, habe ich Dich durch einen der schönsten hühnergöttigen Glücksfundstücke der fabulösen Frau Rosmarin in den Dünen kichern gesehen:

Glücksblick2

Umdenken!