bittemito

Monat: April, 2016

Gestriglichtglasliniengedankensicht

Fensterglasscheibig stelle ich mich meinen Erinnerungen. Manche wüten mich prasselnd an, lassen mir vor Angst die Luft wegbleiben. Zu lernen, daß das Glas mich zwar ihnen ins verzerrte Antlitz schauen läßt, doch keine rauhwindige Böe dieses Sicherheitsglas der Vergangenheit sprengen kann; ist ein mühsames Tun. Ich brauche keine Jalousien, die mich verbergen und den Schmutz fernhalten.  Wieder und wieder schmirgele ich fensterledrig die üblen Schlieren ab und poliere mit Glücksläppchen den besudelten Außenblick blank. Immer öfter schmeicheln mir lichte Erinnerungen, als würden mir warme Sommertränen die Wangen liebkosen wollen. Dann lege ich meine Fingerkuppen an das kühle Glas des Gestern und ziehe die sanften Linien der fließenden Zeit nach. In mir drinnen bin ich sicher. Durchscheinbar und offen sehe ich in die Welt hinaus. Und manchmal, manchmal blickt sogar jemand tief in mein Innerstes hinein. Dann wird die dunkelste Herzkammer hell durchflutet und strahlt genauso licht aus mir hinaus. Hinter geschlossenen Jalousien gelänge das nicht.

Vollleer

… denn Dänen lügen nicht, sie lächeln.

Zwar belächelten wir als erstes die kurz vor Lübeck bemitautomobilten zwo dänischen Burschen, die uns nebenbei feixend die Kletterliebe ihresgleichen glaubhaft machen wollten und taten dies ebenso staunend wie zurücklächend als modernes Märchen ab; aber wir mußten uns eines besseren belehren lassen. Denn Dänen lügen nicht. Ins flache Land bauen sie Kletterhallen und fahren dann halt just in die Alpen für draußiges Klettervergnügen.

Sie trampten von Kempten an zurück und längsquerten Deutschland im Laufe eines Tages. Vor Lübeck war dann Schluß. Bis wir beherzt unser Gepäck zusammenknüllten und sogar das mittebringende Rosmarinbäumchen für unsere fabulöse Gastgeberin sein Schöpfchen neigen mußte. Der Rest der Strecke war intensive Unterhaltung und Horizonzerweiterung ohnegleichen. Dänen lügen nicht. Sie klettern indoorig. Und lächeln immer.

Natürlich brachten wir unsere lächelnden Freunde bis zur Fähre und retourten dann zu unseren formidablen Gastgebern zurück. Zeitchen später, verbracht voller Wiedersehensfreude und aufgelebter Zugeneigtheit, sowie ersten Meeresküssen; besuchten auch wir gemeinsam die Fähre nach Dänemark. Einmal hin und zurück, mit Landgang, versteht sich. Wir staunten nicht schlecht.

Während das All-you-can-eat-Buffet während der vierzigminütigem Überfahrt von Menschenmassen gestürmt wurde, übrigens Deutsche wie Dänen benahmen sich gleich raffzähnig und auch das freundliche Lächeln der dänischen Stewarts galt allen gleich herzlich; empfing uns Dänemark nach dem Gewusel ganz still und gut ausgewuppt. Wir waren alleine. Rødby zeigte sich von seiner einsamen Seite. Das letzte, was ein Däne stillörtchenaufsuchend aus seiner Heimat mitnimmt, bevor er mit der Fähre die Landesgrenze überschippert, ist die Aufforderung zum Lächeln. Oha!

Die Rückfahrt verlief tatsächlich auch buffettechnisch gesitteter, was aber auch am schmaleren Angebot liegen konnte, aber wir wollten ja eh nicht allyoucaneaten, bjäch! Stattdessen folgten wir dem angetragenen Geist von Rødby und achteten auf Linien, die nachgezogen werden wollten. Und lächelten die ganze Zeit. Skål!

Skål!

Blauskizzenstrandglücksblicke

Glücksblick1

Wo ich vor Glück noch um Worte ringe, weil manches kleine Glück athemlos und sprachlos macht, als hätte man das ganz große Los gezogen; schreibt eine andere darob, als wäre sie dabeigewesen. Wir haben sie wohl herbeigelacht und geflüstermurmelt…

Blaue Skizze am Strand von Stefanie Schick aka Karfunkelfee

Meerwasser noch winterkalt, hauchdünne Wasserlinie zieht um Horizont zartes Platinband.
Füße tief eingegraben, Muschelsplit zwischen den Zehen, Wind weht noch kühl über sandgestrahlte Haut und in den Ohren dieser leise, immer wieder anlandende Brandungslaut.
Ferne Stimmen von Spaziergängern, ein dünner lächelnder Hund, mit fliegenden Ohren, läuft grundlos, obwohl schon so alt, als sei er für den Wind geboren, obwohl seine Knochen wund. Strandläufer unbeschwert Meeresgischtworte austauschend, ohne festes Ziel. Herbsalzig Wind rauscht in Dünengräsern, der Bleispiegel des Meeres geschwungen in frühen Quecksilbertendenzen im glänzenden Wellenspiel.
Zeit ein Funkenflug im Osterfeuer glimmt Wärme, lehnt sich Rücken aneinander, synchronisiert unterschiedliche Füße, wird fließend intensiv freiformgeführt und erneuert in Gemeinschaft und Nähe. Lebens zeitweise Süße, weit fort alles Wehe. Signiert und klar in friedlichem Überschwang, stellt die Skizze Mittelpunktmomente dar. Sie wurden mit dem feinem Federstrich der Sympathie in Langschrift in vergänglichen Sand kalligraphiert und im Blut miteinander gelebter Zeit konserviert. Unretuschierter Klang bleibt, wenn alles längst vergangen, ein tief bewegtes Bild, das sich selbst beschreibt. Darin eine Handvoll Menschen und Muscheln, ein Glas insulaner Sand. Die Sehnsucht nach Meer eine Weile still, im Echo sich in Begegnungen suchte und endlich wiederfand.

Danke, meine liebe Karfunkelige und wenn ich’s mir recht überlege, habe ich Dich durch einen der schönsten hühnergöttigen Glücksfundstücke der fabulösen Frau Rosmarin in den Dünen kichern gesehen:

Glücksblick2

Umdenken!